Börse Dax startet durch

Deutliche Kursgewinne in Japan und den USA treiben auch den Dax an. Der deutsche Leitindex steigt wieder auf das Niveau vor der Erdbeben-Katastrophe. MAN und Daimler haussieren. An der Wall Street geht die Klettertour weiter.
Blick nach oben: Anleger fassen wieder Mut

Blick nach oben: Anleger fassen wieder Mut

New York/Frankfurt am Main - Aufholjagd an der Börse: Bis zum Handelsschluss auf Xetra stieg der deutsche Leitindex Dax  um 1,77 Prozent auf 7.057 Punkte und erreichte damit wieder den Stand vor dem verheerenden Erdbeben am 11. März, bei dem das Atomkraftwerk Fukushima zerstört wurde. Der MDax der mittelgroßen Werte legte um 1,1 Prozent auf 10329 Punkte zu und der TecDax gewann 1,2 Prozent auf 927 Punkte.

Die wichtigsten US-Börsen haben die Kurserholung mit weiteren Gewinnen unterstützt. Laut Händlern stützten neue Übernahmeaktivitäten die Kurse und die Hoffung auf eine bessere Kursentwicklung im bevorstehenden zweiten Quartal.

Im frühen Handel legte der US-Leitindex Dow Jones Industrial  um 0,4 Prozent auf 12.333 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 0,4 Prozent und stieg auf 1326 Punkte. Für den Nasdaq Composite  ging es um 0,4 Prozent nach oben auf 2769 Zähler.

Schwacher Yen sorgt für Kursrally in Japan

Ein schwächerer Yen hatte am Mittwoch bereits die Börse in Tokio gestützt. Nach zwei vorangegangenen Verlusttagen ging der Nikkei  mit einem kräftigen Plus von 2,64 Prozent bei 9.708,79 Punkten aus dem Handel. Der Leitindex erreichte damit seinen höchsten Stand, seitdem die Naturkatastrophe vor mehr als zwei Wochen einen heftigen Kursrutsch ausgelöst hatte.

Laut Händlern hat neben dem nachlassenden Yen aber auch die Bank of Japan für positive Impulse gesorgt. Demnach haben die Währungshüter zur Stützung der Wirtschaft börsennotierte Fonds (ETF's) aufgekauft.

Atomrisiko spielt keine große Rolle mehr an den Märkten

"Es schaut so aus, als ob der Aktienmarkt derzeit alle schlechten Nachrichten ausblendet", zeigte sich ein Händler verwundert. "Es interessiert nicht die Atomkatastrophe in Japan und nicht, dass der Krieg in Libyen anhält."

Die Situation in dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima ist laut der japanischen Regierung außer Kontrolle. Nach Einschätzung von Börsianern haben sich viele Anleger mit der Situation in Japan arrangiert.

Sobald die Folgen des Bebens für die Wirtschaft deutlich würden, könne die Stimmung aber drehen. "In der Autoindustrie sitzen viele wichtige Zulieferer in Japan. Wenn die nicht bald wieder liefern können, werden die Lager in Europa leer sein und die Produktion wird stocken", gab ein Händler zu bedenken.

Studie von JP Morgan treibt Titel von MAN an die Dax-Spitze

Dank einer positiven Studie kletterten die Papiere von MAN  an der Dax-Spitze um 3,32 Prozent auf 87,56 Euro. JPMorgan erhöhte unter Verweis auf das Nutzfahrzeuggeschäft als größte Triebfeder Gewinnschätzungen und Kursziel. Am Nachmittag kam die Meldung, dass Konkurrent Volvo seine Lastwagenproduktion in den USA erhöht, als Kursstütze hinzu.

Die Vorzugsaktien von Volkswagen  gewannen unterdessen 2,7 Prozent auf 115,30 Euro. Über die Beteiligungen an MAN und Scania sowie mit dem Bau eigener Lastwagen ist der Wolfsburger Fahrzeugherstellers ebenfalls in diesem Bereich engagiert.

Ökoaktien verlieren weiter

Nach Einschätzung des Finanzvorstandes des Autozulieferers Grammer , Alois Ponnath, könnte es schon in wenigen Wochen Auswirkungen geben. Grammer-Aktien zeigten sich davon unbeeindruckt, und reagierten mit einem Plus von 2,6 Prozent auf die Rückkehr des Unternehmens in die Gewinnzone.

Auch bei den Titeln der Autohersteller und anderer Zulieferer griffen Anleger zu, der europäische Stoxx-Branchenindex gewann 1,4 Prozent. Größter Dax-Gewinner war nach einem positiven Analystenkommentar MAN  mit einem Plus von 3,4 Prozent auf 87,65 Euro. JP Morgan erhöhte das Kursziel für die Papiere des Lkw-Bauers auf 117 von 110 Euro. Der Ausblick für das Geschäft im Diesel- und Turbo-Bereich verspreche ein gleichbleibendes Niveau 2011 und ein Umsatzwachstum von rund 5 Prozent 2012, erklärten die Analysten.

Die Aktien der beiden schwedischen Hersteller Scania  und Volvo  legten drei beziehungsweise 1,5 Prozent zu, Daimler-Titel gewannen 1,9 Prozent. Die in keinem großen Index gelisteten Aktien von Porsche  verloren ex Bezugsrechte 1,2 Prozent auf 48,58 Euro. Die Bezugsrechte haben einen Wert von 8,34 Euro. Das Unternehmen platziert mehr als 131 Millionen neue Aktien am Markt. Der Bezugspreis für die neuen Stamm- und Vorzugspapiere liegt bei 38 Euro.

Gagfah weiter unter Druck

Die Aktien des designierten Porsche Fusionspartners Volkswagen  verteuerten sich um 2,8 Prozent. Die Aktien des Münchener Konkurrenten BMW  legten 1,8 Prozent zu.

Bei den Nebenwerten im MDax  wurden die Aktien von Gagfah  laut Händlern erneut von offenen Fragen um die Klage der Stadt Dresden gegen den Wohnungskonzern belastetet. Sie büßten 0,8 Prozent ein. Einem Zeitungsbericht zufolge könnten sich die Forderungen der sächsischen Landeshauptstadt wegen des Vorwurfs von Verstößen gegen die Sozialcharta auf bis zu eine Milliarde Euro belaufen. Stadt und Unternehmen wollten sich dazu nicht äußern.

Praktiker-Aktien  verbuchten ein Minus von 2 Prozent. Die Baumarktkette ist im vergangenen Jahr wegen eines teuren Konzernumbaus und Problemen in Osteuropa tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Die zuletzt wegen der Atomkatastrophe gefragten Wind- und Solarwerte weiteten ihre Vortagesverluste aus.

Der ÖkoDax gab 1,8 Prozent nach. Die Aktien des Windanlagenherstellers Nordex  fielen nach einer Herabstufung durch die Commerzbank um 7,5 Prozent. Zwar dürften in Deutschland künftig alternative Energien favorisiert werden, doch werde Nordex vermutlich davon nicht so stark profitieren, schrieben die Analysten.

Kurs des Euro leicht gesunken

Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 3,08 (Vortag: 3,04) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,11 Prozent auf 121,51 Punkte. Der Bund Future gab 0,12 Prozent auf 121,36 Punkte ab.

Der Kurs des Euro sank im Vergleich zum Vortag auf 1,4095 US-Dollar. Am Nachmittag hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs auf 1,4090 (Dienstag: 1,4066) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,7097 (0,7109) Euro gekostet.

mg/nis/rtr/dpa-afx
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