Freitag, 20. September 2019

Börse Wall Street stützt den Dax

Börse in Stuttgart: Anleger bleiben nervös

Sorgen um Fukushima bremsen weiterhin die weltweiten Aktienmärkte. Da die Indizes an der Wall Street jedoch im Vormittagshandel zulegen, kann der Dax bis Handelsschluss seine Verluste ausgleichen. Bayer und Lufthansa sind gefragt, während die Commerzbank unter Druck gerät.

New York/Frankfurt am Main - Rückendeckung für den Dax aus New York: Der deutsche Markt hat mit Unterstützung starker US-Technologiewerte im Schlussgeschäft seine Verluste wieder aufgeholt. Der Dax schloss am Dienstag nach niedrigen Umsätzen kaum verändert bei 6934 Zählern. Im Handelsverlauf hatte das Minus 0,9 Prozent betragen.

Die US-Börsen notierten bei Handelsschluss in Europa im Plus. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen und der S&P 500 lagen jeweils 0,4 Prozent höher. Der Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen rückte um 0,7 Prozent vor.

Das Handelsvolumen im Dax stieg auf 93,2 (Montag: 72,6) Millionen Aktien. Der Umsatz erhöhte sich auf 2,7 (2,3) Milliarden Euro.

Cisco lockt Anleger mit Cloud Computing

Der Auftrieb an der Wall Street ging vor allem von der Technologiebranche aus. Besonders beliebt bei Anlegern waren die Aktien von Amazon und Cisco Systems, die sich um 2,7 beziehungsweise 1,1 Prozent verteuerten. Das Internetkaufhaus Amazon startet einen Musikdienst im Internet. Cisco überzeugte mit dem Kauf des Software-Unternehmens newScale, mit dem der Netzwerkausrüster sein Geschäft im Bereich "Cloud Computing" ausbaut. Dabei werden Computeranwendungen vom Schreibtischrechner ins Netz verlagert.

Die Konjunkturdaten aus den USA zeichneten dagegen ein uneinheitliches Bild. So sanken die Hauspreise im Januar nicht so stark wie erwartet, das Verbrauchervertrauen im März dagegen trübte sich ein.

Die Börsianer blieben trotzdem vorsichtig und verwiesen auf die weiterhin hohe Unsicherheit aufgrund der Krisenherde im Nahen Osten und in Japan, die die positive Stimmung am Markt jederzeit wieder zum Kippen bringen könnte.

Plutonium-Leck in Fukushima

Die Lage im havarierten Kernkraftwerk von Fukushima sorgt jedoch weiter für Unsicherheit an der Börse. Die Lage bleibe "unvorhersehbar", sagte der japanische Ministerpräsident Naoto Kan. Aus dem beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi tritt offenbar weiterhin hochgiftiges Plutonium aus. Das radioaktive Material sickere ins Erdreich ein, hieß es am Dienstag aus Behördenkreisen.

Schuldenkrise in Euroland: S&P stuft Portugal herab

Zudem erlitten Hoffnungen auf eine Lösung der europäischen Staatsschuldenkrise einen Rückschlag, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) ihre Bonitätseinschätzung für die Staatsfinanzen der hoch verschuldeten Euro-Mitgliedsländer Griechenland und Portugal senkte.

Osram-Börsengang: Siemens-Aktie unverändert

Die Ankündigung von Siemens, etwas mehr als die Hälfte seiner Lichttechnik-Tochter Osram an die Börse zu bringen, lockte die Anleger nicht aus der Deckung. Die im Dax schwergewichteten Siemens-Aktien holten mit dem Markt ihre anfänglichen Verluste aber wieder auf und schlossen unverändert mit 94,23 Euro.

Die Aktien des niederländischen Siemens-Konkurrenten Philips profitierten dagegen von der Ankündigung und legten 1,7 Prozent auf 22,55 Euro zu. Experten taxieren den Wert von Osram auf bis zu 6,5 Milliarden Euro. Lege man eine ähnliche Bewertung für die Lichttechnik-Sparte von Philips zugrunde, erhöhe sich das Kursziel auf 29,10 von derzeit 27,50 Euro, sagte ING-Analyst Sjörd Ummels.

Italienische Großbank setzt Finanztitel unter Druck

Europaweit standen Banktitel im Fokus, der Stoxx-Branchenindex gab 1,2 Prozent nach. In Mailand gerieten Bankenwerte unter Druck, nachdem die UBI Banca überraschend eine Kapitalerhöhung um eine Milliarde Euro angekündigt hatte. Ihre Aktien brachen um gut zwölf Prozent ein. Im Stoxx50 hielten die Titel von Intesa San Paolo mit einem Abschlag von 4,5 Prozent die rote Laterne.

In Frankfurt wurde über eine im zweiten Quartal beginnende Kapitalerhöhung bei der teilverstaatlichten Commerzbank spekuliert. Ihre Aktien fielen um 4,3 Prozent auf 5,52 Euro. "Es geht um, dass eine Kapitalerhöhung zu einem Preis zwischen 5,25 und 5,30 Euro je Aktie kommen könnte", sagte ein Börsianer. Die Commerzbank lehnte einen Kommentar ab.

Den Dax führten nach einem positiven Analystenkommentar von JP Morgan die Aktien des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer Börsen-Chart zeigen mit einem Plus von 2,3 Prozent an. Auch Titel der Lufthansa Börsen-Chart zeigen legten deutlich zu.

Euro stark, Ölpreise gesunken

Der Kurs des Euro Börsen-Chart zeigen ist am Dienstag im frühen Handel leicht gestiegen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde mit 1,4111 Dollar gehandelt. Ein Dollar war 0,7086 Euro wert. Im asiatischen Handel hatte der Euro zeitweise nur 1,4064 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,4032 (Freitag: 1,4115) Dollar festgesetzt.

Die Ölpreise sind am Dienstag im asiatischen Handel belastet durch Erfolge der Rebellen in Libyen leicht gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Börsen-Chart zeigen zur Lieferung im Mai kostete 114,51 Dollar. Das waren 29 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate sank um 23 Cent auf 103,75 Dollar.

Die Lage in Libyen dominiere weiter den Ölmarkt, sagten Händler. Die Rebellen hatten zuletzt alle strategisch wichtigen Ölhäfen im Osten eingenommen. Dies habe für eine gewisse Entspannung am Ölmarkt gesorgt, sagten Händler. Allerdings stoßen die Aufständischen weiterhin auf Widerstand der Regierungstruppen.

mg/dpa-afx

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