Aktien, Euro, Öl Gewinne nach Berg- und Talfahrt

Den Anlegern ist der Schreck in die Glieder gefahren. Die heikle Lage in den Atomanlagen von Fukushima in Japan, die Kämpfe in Libyen und die Anspannung vor dem EU-Gipfel in Brüssel drückten auf die Stimmung. Nach einer Berg- und Talfahrt lag der Dax bei Handelsschluss nur knapp im Plus.
Noch die Kurve gekriegt: Dax schloss leicht im Plus

Noch die Kurve gekriegt: Dax schloss leicht im Plus

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch nach einem wechselhaften Handelsverlauf mit moderaten Gewinnen geschlossen. Der Leitindex Dax  stieg um 0,35 Prozent auf 6804,45 Punkte. Für den MDax  der mittelgroßen Werte ging es um 0,31 Prozent auf 9994,79 Punkte nach oben, der technologielastige TecDax  rückte um 0,36 Prozent auf 890,87 Punkte vor. Händler sprachen von einer weiter spürbaren Nervosität am Markt.

Ganz ähnlich das Bild an den übrigen bedeuten Aktienhandelsplätzen in Europa. In Paris verabschiedete sich der CAC 40  mit einem Plus von 0,54 Prozent bei 3913,73 Punkten, und der Londoner FTSE 100  gewann 0,58 Prozent auf 5795,88 Punkte. Die Börse in New York startete ebenfalls mit einem leichten Plus, obwohl einige Händler mit Verlusten gerechnet hatten. Der Dow-Jones-Index  verzeichnete gegen 18.45 MEZ ein Plus von 0,3 Prozent und notierte bei 12.053 Punkten.

Der Krieg in Libyen, der verzweifelte Kampf japanischer Rettungskräfte gegen den Super-GAU in Fukushima und die Schuldenkrise in Südeuropa machten die Investoren heute vor allem in Frankfurt nervös. "Es hängt derzeit alles von der Entwicklung in Japan und in Nordafrika ab", sagte Experte Udo Becker vom Bankhaus Silvia Quandt.

Am Nachmittag gerieten die Indizes weiter unter Druck, nachdem bekanntwurde, dass die Modalitäten zur Stärkung des Euro-Rettungsfonds EFSF voraussichtlich nicht beim EU-Gipfel Ende der Woche festgelegt werden.

Matthias Thiel: "keine neue Orientierung"

Einige Experten raten Anlegern angesichts dieser Gemengelage zur Zurückhaltung. "Das Spannungsfeld ist erheblich zwischen der sehr guten Konjunktur und den enormen Unsicherheiten", sagte Volkswirt Matthias Thiel von MM Warburg. "Solange sich nicht wenigstens bei ein, zwei Krisenherden Perspektiven abzeichnen, wird der Markt auch keine neue Orientierung finden. Abwarten kann derzeit durchaus die richtige Strategie sein."

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou warnte zudem am Tag vor Beginn des EU-Gipfels vor den Folgen einer Umschuldung Griechenlands. An den Finanzmärkten wurde diese Frage heftig diskutiert; Bankwerte wurden vorsorglich verkauft. Die Aktien von Deutsche Bank und Commerzbank gaben 0,5 beziehungsweise 0,3 Prozent nach. Der europäische Bankenindex schloss 0,2 Prozent schwächer.

Die Aktien der Rückversicherer gehörten heute insgesamt zu den Verlierern. Im Dax büßten die Papiere der Munich Re  0,41 Prozent auf 109,55 Euro ein, nachdem das Unternehmen erste Schätzungen zu den Schadensersatzansprüchen durch Erdbeben und Tsunami in Japan veröffentlicht und das bisherige Gewinnziel für 2011 kassiert hatte. Der MDax-notierte Konkurrent Hannover Rück bezifferte ebenfalls seine Belastungen wegen Japan, was die Titel  um 1,07 Prozent auf 38,31 Euro sinken ließ. Der MDax-notierte Konkurrent Hannover Rück bezifferte ebenfalls seine Belastungen wegen Japan, was die Titel um 1,07 Prozent auf 38,310 Euro sinken ließ.

Ölpreis steigt

Der Euro  litt unter der Lage im hoch verschuldeten Portugal. Vor der Abstimmung über ein hartes Sparprogramm in Lissabon mit unklarem Ausgang stiegen die Risikoprämien für portugiesische Staatsanleihen deutlich. Die Gemeinschaftswährung notierte gegen 17.45 Uhr bei 1,4122 Dollar. Die Europäische Zentralbank legte den Referenzkurs mit 1,4136 Dollar fest.

Sorgen vor länger anhaltenden Lieferausfällen haben die Ölpreise am Mittwoch gestützt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Auslieferung im Mai legte bis zum späten Nachmittag um 41 Cent auf 116,11 Dollar zu. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) erhöhte sich um 1,12 Dollar auf 106,09 Dollar. "Die anhaltenden Kämpfe in Libyen und die sich ausweitenden Proteste in anderen arabischen Ländern sorgen für eine steigende Risikoprämie auf den Ölpreis", heißt es in einem Kommentar der Commerzbank.

Der deutsche Rentenmarkt hat am Mittwoch von der erneut ins Blickfeld geratenen Schuldenkrise in der Euro-Zone profitiert. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg bis zum späten Nachmittag um 0,24 Prozent auf 122,31 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 3,226 Prozent.

kst/dpa-afx/rtr/apd/afp
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