Sonntag, 31. Mai 2020

Kurssprung nach US-Deal Telekom-Aktionäre im Freudentaumel

T-Mobile-laden am Times Sqaure in New York: An AT&T verkauft

Die Deutsche Telekom verkauft ihre US-Tochter, und die Anleger frohlocken. Sie feiern das Ende des problematischen US-Geschäfts als Erfolg nach vielen frustrierenden Jahren. Aber Achtung: Der Deal könnte am Ende die Qualität der T-Aktie als Dividendenlieferant in Gefahr bringen.

Bonn/New York - Die Aktionäre haben ihr Urteil gefällt: Sie finden den Deal der Deutschen Telekom mit dem US-Konkurrenten AT&T richtig gut. Um mehr als 13 Prozent ging es mit dem Kurs der Telekom-Aktie am heutigen Montag nach oben - die meisten T-Aktien-Inhaber dürften sich gar nicht mehr daran erinnern, wie sich ein solcher Kurssprung anfühlt.

Auch die Analysten äußern sich mehrheitlich positiv über die geplante Transaktion, viele stuften das Magenta-Unternehmen spontan herauf. Die Unicredit etwa setzte die Aktie der Deutschen Telekom von "Hold" auf "Buy". Analyst Hugh McCaffrey von Goldman Sachs sprach gar von einem Kurspotenzial von 16 Prozent.

Der Tenor der Experten-Urteile ist klar: Mit der Aktion befreie sich die Telekom auf einen Schlag von ihrem schwächelnden US-Geschäft - und das zu einem sehr guten Preis. Mit rund 34 Millionen Kunden liegt T-Mobile USA auf Platz vier im US-Mobilfunkmarkt, und zwar mit sinkender Tendenz. Allein im Schlussquartal 2010 verlor das Unternehmen netto rund 320.000 Vertragskunden. Mit den Wettbewerbern Verizon Wireless (knapp 100 Millionen Kunden), AT&T (etwa 95 Millionen) und Sprint Nextel (50 Millionen Kunden) kann die Telekom-Tochter kaum noch mithalten.

Der Preis begeistert die Analysten

Zwei Gründe werden für die Misere genannt: Erst vergaß die Telekom rechtzeitig in ein hochwertiges Datennetz für mobiles Internet zu investieren. Dann hatte sie beim Exklusivvertrieb von Apples Iphone das Nachsehen - den sicherte sich in den USA vor vier Jahren AT&T. "Um langfristig wettbewerbsfähig zu sein, müsste die Telekom vermutlich fünf bis sieben Milliarden Dollar in die Infrastruktur investieren", sagt Equinet-Analyst Adrian Pehl. Hinzu kämen nach seinen Schätzungen bis zu zwei Milliarden Dollar für den Erwerb zusätzlicher Frequenzbereiche. "Da T-Mobile nur rund ein Drittel der Kunden von AT&T und Verizon hat, würden sich diese Investitionen erst vergleichsweise spät amortisieren."

Umso erfreulicher, dass ausgerechnet einer dieser Wettbewerber zur Lösung der Probleme beiträgt: Für 39 Milliarden Dollar (27,5 Milliarden Euro) will die Telekom ihre Tochter T-Mobile USA an AT&T veräußern. 25 Milliarden Dollar erhielte der Konzern in bar, den Rest in Form von Aktien. Die Telekom würde dadurch mit 8 Prozent zum größten Einzelaktionär am bisher zweitgrößten Mobilfunkanbieter der USA, der durch die Übernahme mit dann etwa 130 Millionen Kunden zur Nummer eins aufsteigen würde. Es müssen nur noch die Regulierungsbehörden zustimmen.

Vor allem der Preis, den die Telekom für die US-Tochter erzielt, begeistert die Experten. Nach Angaben von Unicredit-Analyst Thomas Friedrich liegen die vereinbarten 27,5 Milliarden Euro etwa sechs Milliarden Euro über dem von ihm geschätzten Unternehmenswert. Laura Janssens von der UBS schrieb, der Wert liege um etwa drei Euro je Aktie über ihrer Schätzung und circa 50 Prozent über der Markterwartung.

Nach Einschätzung von Heike Pauls von der Commerzbank gibt es zwar noch ein Restrisiko, dass der Deal an der Ablehnung der Wettbewerbsbehörden scheitern könnte. Die Chancen auf einen erfolgreichen Verkauf standen jedoch nie besser, so die Analystin. Kommt er zustande, hält sie einen Kurs von 13 Euro für vernünftig. Zum Vergleich: Auch nach dem Kurssprung heute notierte das Papier bei weniger als 11 Euro.

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