Dax, Euro, Öl Deutscher Aktienmarkt gewinnt deutlich

Atempause an der Börse in Frankfurt: Nach sechs Verlusttagen in Folge, erholte sich die hiesige Leitbörse heute. Der deutsche Aktienmarkt hat trotz der Katastrophe in Japan erheblich fester geschlossen. Besonders deutlich nach oben ging es allerdings für den Euro.
Börsen weltweit: Nikkei im Minus, Dax und Dow im Plus

Börsen weltweit: Nikkei im Minus, Dax und Dow im Plus

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Die deutsche Leitbörse hat sich am Donnerstag stabilisiert. Der hiesige Aktienleitindex Dax  gewann 2,2 Prozent auf 6657 Punkte. Der MDax  der mittelgroßen Werte legte um 1,8 Prozent auf 9741 Zähler zu, und der technologielastige TecDax verbesserte sich um 2,2 Prozent auf 873 Punkte. Händler sprachen von einer rein technischen Reaktion auf die bisherigen Verluste. Insgesamt bleibe die Lage fragil und hänge sehr stark von den jeweiligen Nachrichten ab, ergänzte Klaus Stabel, Chefanalyst bei ICF.

An der Tokioter Börse hatte der Nikkei-Index  1,4 Prozent tiefer geschlossen - und gab damit deutlich weniger stark nach als am Mittwoch die Wall Street und die Börsen in Europa, deren Verluste sich wie beim Dax auf rund 2 Prozent belaufen hatten. Allerdings zogen japanische Anleger in Scharen ihr Geld aus dem Dollar-Raum ab und trieben damit ihre Landeswährung Yen zum Dollar zeitweise auf ein Rekordhoch. Sie wollen damit den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete sowie die Bewältigung der Atomkatastrophe finanzieren. Japans Notenbank pumpte erneut weitere 45 Milliarden Euro in die Märkte, um Engpässe bei der Liquiditätsversorgung der Unternehmen und Banken zu verhindern.

Erfreut reagierten Händler auf US-Konjunkturdaten: So stieg der Philadelphia-Fed-Index überraschend an. Im Marktfokus steht nun der große Verfalltermin am Freitag an der Terminbörse Eurex. Er könnte erneut für heftige Kursbewegungen sorgen, hieß es weiter.

Nach drei Verlusttagen in Folge zeigten sich somit auch die US-Aktienindizes an der Wall Street mit einer festeren Tendenz. Der Dow-Jones-Index  stieg bis 20.00 Uhr MEZ um 1,1Prozent auf 11.740 Punkte. Der Nasdaq-Composite-Index  rückte um 1,28 Prozent auf 2660 Stellen vor.

Versichereraktien erholen sich

Dennoch: Die Folgen der Naturkatastrophe in Japan bestimmten auch heute den Aktienhandel in Frankfurt am Main. Die vergleichsweise moderate Schadenschätzung des Risikospezialisten Eqecat hellte die Stimmung für die Versicherer wieder etwas auf. Die Aktienkurse der Allianz  und Münchener Rück  legten im Dax  jeweils mehr als 4 Prozent zu, die Titel der Hannover Rück  verteuerten sich im MDax  um knapp 4 Prozent. An den vergangenen fünf Handelstagen hatten die Papiere zwischen 11 und 12 Prozent an Wert verloren.

Deutlich zulegen konnten im Dax auch HeidelbergCement-Aktien , die ein Plus von 4,7 Prozent verzeichneten. Der Baustoffkonzern verspricht sich vom Wiederaufbau in Japan zusätzliche Geschäftschancen. Ebenfalls gefragt waren Siemens-Anteilsscheine  mit einem Aufschlag von 4,4 Prozent. "Siemens wird als Anbieter von Gas-Turbinen zu den Profiteuren einer Abschaltung von Kernkraftwerken gehören", erklärten die Analysten der Unicredit .

Nach anfänglichen Gewinnmitnahmen zogen auch die Kurse der Solarwerte wieder an. Händler erklärten, viele Anleger setzten angesichts der Katastrophe in Japan auf alternative Energieanbieter. So gewannen dann auch heute die Aktien des Windkraftanbieters Nordex  im TecDax 13,3 Prozent an Wert, die Titel von SMA Solar  knapp 6 und die Solarworld-Aktien  schließlich 2,8 Prozent.

Der Euro  hat am Donnerstag die im Vormittagshandel übersprungene Marke von 1,40 US-Dollar knapp verteidigt. Noch am frühen Morgen kostete der Euro nur etwas mehr als 1,39 Dollar. Danach setzte die Gemeinschaftswährung zu einem Höhenflug an und erreichte in der Spitze sogar 1,4052 Dollar. Zuletzt stand der Euro bei 1,4003 Dollar.

Euro überspringt 1,40-Dollar-Marke

Nachdem der Euro zuletzt immer wieder an der 1,40er-Marke abgeprallt sei, habe er nun mit dem Überspringen dieser Marke einen wichtigen Widerstand überwunden, sagte Devisenexperte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus in Düsseldorf. Dies rufe weitere Käufer auf den Plan.

Sartoris rechnet damit, dass der Euro in den kommenden zwei bis drei Wochen um weitere drei bis vier Cent zulegen wird: "Ich gehe davon aus, dass ungeachtet der Katastrophen in Japan die Europäische Zentralbank den Leitzins im April anheben wird. Das wird den Euro weiter stützen", sagte Sartoris.

Ölpreise legen stark zu

Am deutschen Anleihenmarkt mussten die Kurse am Donnerstag einen Teil ihrer starken Kursgewinne der vergangenen Handelstage im Zuge der Erdbebenkatastrophe in Japan wieder abgeben. Händler begründeten die Verluste mit einer kräftigen Kurserholung an den europäischen und amerikanischen Aktienmärkten. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future sank im späten Nachmittagshandel um 0,57 Prozent auf 122,94 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 3,167 Prozent.

Am Vortag hatten immer neue alarmierende Nachrichten im Zuge einer drohenden Nuklearkatastrophe im Atomkraftwerk Fukushima die Anleger in den "sicheren Hafen" Staatsanleihen getrieben. Der Bund-Future stieg zur Wochenmitte zeitweise auf 123,92 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Mitte Januar getrieben.

Die Ölpreise haben am Donnerstag ihre starke Erholung vom Vortag fortgesetzt. Der Preis für US-Rohöl sprang über die Marke von 100 US-Dollar. Seit der Wochenmitte sei die Talfahrt an den Ölmärkten im Zuge der verheerenden Erdbebenkatastrophe in Japan gestoppt und die Preiserholung habe kräftig an Fahrt gewonnen, hieß es von Händlern. Im späten Nachmittagshandel verteuerte sich ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit Auslieferung im Mai um 3,39 Dollar auf 113,99 Dollar. Der Preis für US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Auslieferung im April stieg um 2,80 Dollar auf 100,78 Dollar.

kst/dpa-afx/rtr/dapd/afp
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.