Hohe Kursverluste Japan-Liveberichte bestimmen Dax

Deutschlands Aktienleitindex Dax hat nach starken Kursschwankungen den sechsten Tag in Folge im Minus geschlossen. Das Auf und Ab wird von den Nachrichten über die Zuspitzung der Krise des Atomkraftwerks Fukushima bestimmt. Weltweit sinken die Kurse.
Abwärts, weiter abwärts: Die Aktienkurse sinken in Frankfurt den sechsten Tag in Folge

Abwärts, weiter abwärts: Die Aktienkurse sinken in Frankfurt den sechsten Tag in Folge

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Nachdem der deutsche Leitindex zwischendurch noch klar auf über 6700 Punkte geklettert war, ließen am Nachmittag Aussagen vom EU-Energiekommissariat über die sich weiter zuspitzende Situation im japanischen Atomreaktor Fukushima Eins die Kurse wieder absacken. Zum Handelsschluss verbuchte der Dax  einen Abschlag von 2,01 Prozent auf 6513,84 Punkte; damit hat das bedeutendste Frankfurter Kursbarometer seit Beginn der Erdbebenkatastrophe in Japan am Freitag 7,8 Prozent an Wert eingebüßt.

Für den MDax  der mittelgroßen Werte ging es um 0,66 Prozent auf 9565,61 Punkte nach unten. Der technologielastige TecDax  verlor 1,44 Prozent auf 854,83 Punkte - und kaum anders ist auch das Bild an den anderen führenden Börsen der Welt: Der CAC-40-Index  sank in Paris um 2,23 Prozent auf 3696,56 Punkte und der FTSE 100  in London verlor 1,7 Prozent auf 5598,23 Zähler. Zudem notierten die großen US-Indizes Dow-Jones , S&P-500 und Nasdaq Composite  zum Handelsschluss in Europa jeweils mehr als ein Prozent schwächer .

Jede kleine Meldung aus Japan beeinflusse derzeit den Markt, kommentierte Marktstratege Thilo Müller von MB Fund Advisory das Handelsgeschehen. Experte Robert Halver von der Baader Bank äußerte sich ähnlich: "Im Grunde hängt die Entwicklung vom Liveticker zu Japan ab", sagte Halver.

Die Abwärtsbewegung an den Börsenplätzen in Europa und den USA beschleunigte sich am Nachmittag, nachdem EU-Energiekommissar Günther Oettinger vor unmittelbar bevorstehenden katastrophalen Ereignissen in Fukushima gewarnt hatte. Der Reaktor sei faktisch außer Kontrolle, sagte Oettinger vor dem EU-Parlament. Seine Sprecherin erläuterte später, die Äußerungen beruhten nicht auf besonderen Informationen, sondern auf Medienberichten.

Aktien deutscher Autokonzerne kurzfristig gesucht

Dennoch: In Frankfurt sorgten zumindest am Vormittag die Aktien von Autoherstellern zunächst für kleinere Käufe, weil Händlern zufolge die Kurse nach den Vortagesverlusten wieder attraktiv waren. Ein anderer Börsianer argumentierte, dass deutsche und europäische Autobauer auch mittel- bis langfristig von dem Ausfall der japanischen Hersteller profitieren dürften. So würden die japanischen Autokonzerne wohl auch wegen der Stromknappheit frühere Produktionsquoten nicht mehr so schnell erreichen. Die Kurse der Auto-Aktien rutschten am Nachmittag aber im Einklang mit dem Markt wieder ab. Die Kurse der Daimler- , BMW-  und Volkswagen-Anteilsscheine  sanken am Ende jeweils mehr als 2 Prozent unter ihren Vortageswert.

Ähnlich verhielt es sich mit Aktien der Versorgerbranche. Eon-  und RWE-Papiere  gewannen erst an Wert dazu; die Verluste durch die vom Netz genommenen Atomkraftwerke würden von positiven Effekten durch höhere Strompreise mehr als ausgeglichen, argumentierten etwa Experten der Deutschen Bank . Gegen Handelsschluss verloren Eon-Aktien dann aber 1,18 Prozent auf 21 Euro und RWE-Titel 2,59 Prozent auf 42,86 Euro.

Selbst an der Dax-Spitze waren heute keine deutlichen Kursgewinner auszumachen. Der Preis für Fresenius-Papiere  stieg immerhin um 0,79 Prozent auf 62,86 Euro. Der Kurs der Fresenoius-Aktien war an den Vortagen allerdings genauso deutlich gesunken, wie die Dax-Titel im Schnitt. Sie seien nun vor allem wegen ihrer klassisch defensiven Eigenschaften gefragt gewesen, argumentierte ein Händler.

Ans MDax-Ende rutschten die Titel von Wacker Chemie . Sie mussten trotz der angekündigten kräftigen Dividendenaufstockung Verluste von mehr als 4 Prozent hinnehmen. Analysten bemängelten vor allem den Ausblick des Halbleiterzulieferers und Chemiekonzerns.

Ölpreis steigt wieder

Neben den Sorgen um Japan drückte an den Aktienmärkten auch die Furcht vor einer Eskalation der Unruhen am Persischen Golf und der wieder steigende Ölpreis die Stimmung. Anleger fürchten ein Übergreifen des Konflikts in Bahrain auf den weltgrößten Ölexporteur Saudi-Arabien, der seinen Nachbarstaat militärisch unterstützt. In Libyen rückten die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Kampf gegen Oppositionelle weiter nach Osten vor.

Das Fass Nordseeöl der Sorte Brent  verteuerte sich um 2,2 Prozent auf 110,92 Dollar, US-Leichtöl wurde mit 98,28 Dollar 1,1 Prozent höher gehandelt. In Reaktion auf die Entwicklung in Japan - der weltweit drittgrößten Volkswirtschaft - war der Ölpreis zu Wochenbeginn eingebrochen.

Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere verglichen mit dem Vortag um zwei Stellen auf 2,83 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,10 Prozent auf 123,14 Punkte. Der Bund Future gewann 0,51 Prozent auf 123,65 Punkte. Auch der Euro-Kurs  stieg: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte ihren Referenzkurs auf 1,3951 US-Dollar fest nach 1,3884 Dollar am Dienstag; ein Dollar kostete damit 0,7168 Euro.

kst/rtr/dpa-afx/afp
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