Rohstoffe Sogar der Goldpreis fällt

Die Angst vor einer atomaren Katastrophe und einem möglichen Rückfall Japans in die Rezession lässt die Preise für Öl und die meisten Industriemetalle fallen. Selbst die Krisenwährung Gold gibt nach. Händler vermuten, dass sich einige Anleger das Edelmetall derzeit physisch ausliefern lassen.
Krisenwährung Gold: Spekulative Anleger auf dem Rückzug - das drückt neben Öl und anderen Industriemetallen auch den Preis für Silber und Gold

Krisenwährung Gold: Spekulative Anleger auf dem Rückzug - das drückt neben Öl und anderen Industriemetallen auch den Preis für Silber und Gold

Foto: Corbis

London - Im Sog fallender Rohstoff-Märkte haben sich Anleger am Dienstag auch Gold verkauft. Der Preis für das Edelmetall sackte um 3,2 Prozent auf ein Vier-Wochen-Tief von 1380,90 Dollar je Feinunze ab. Der Silberpreis rutschte sogar um mehr als 6 Prozent auf 33,56 Dollar ab.

"Es ist nicht unüblich, dass auch der Goldpreis fällt, wenn es große Verkäufe über viele Anlageklassen hinweg gibt", erklärte UBS-Analystin Edel Tully. "Die Investoren haben manchmal keine andere Wahl als das Edelmetall zu verkaufen, um auftretende Verluste in anderen Bereichen auszugleichen."

Die Commerzbank hat eine weitere Erklärung für den Preisrutsch der Krisenwährung Gold: Anleger ziehen Geld derzeit aus allen Assetklassen ab, weil die Risikoaversion extrem gestiegen sei. Zuflüsse in Gold-ETFs, die den Preis stützen könnten, seien derzeit nicht ersichtlich. Der weltweit größte Gold-ETF, der SPDR Gold Trust, berichtete am Montag den zweiten Tag in Folge über Abflüsse von knapp 2 Tonnen. Möglicherweise lassen sich einige Anleger derzeit Gold physisch ausliefern, heißt es in einer Analyse der Commerzbank vom Dienstag.

Auch Platin und Palladium mussten kräftig Federn lassen. Die Preise für diese beiden, die wegen ihrer Bedeutung für den Bau Autokatalysatoren von Anlegern eher als Industriemetalle betrachtet werden, fielen jeweils auf den tiefsten Stand seit etwa drei Monaten.

Platin verlor wegen der Furcht vieler Anleger vor einer Abschwächung der Weltkonjunktur 3,2 Prozent auf 1693,65 Dollar je Feinunze, Palladium gab bis zu 4,4 Prozent auf 707,23 Dollar nach.

Auch Ölpreis gibt deutlich nach

Die Ölpreise sind am Dienstag im Zuge der jüngsten Zuspitzung der Atomkatastrophe in Japan weiter stark gefallen. Im frühen Nachmittagshandel rutschte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent um 5,33 US-Dollar auf 108,34 Dollar.

Hauptgrund für die fallenden Ölpreise sei die drohende Ausweitung der Atom-Katastrophe in Japan und ein damit verbundener Rückgang der Ölnachfrage in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, hieß es am Markt. Auch spekulative Anleger würden sich verstärkt aus den Ölmärkten zurückziehen.

Gleichzeitig würden aber die jüngsten Ereignisse in den Ölregionen des Nahen Ostens die Ölpreise vor einem noch stärkeren Preisrutsch bewahren, hieß es weiter von der Commerzbank. Der Einmarsch saudi-arabischer Truppen in den Nachbarstaat Bahrain, um auf Bitte der dortigen Regierung die Proteste niederschlagen zu helfen, habe für neue Unsicherheit bei den Investoren gesorgt.

la/dpa-afx