Panikverkäufe Börsen weltweit unter Druck

Die dramatische Entwicklung in Fukushima schlägt Anleger in die Flucht: Nach dem zweistelligen Kursrutsch in Tokio bricht auch der Dax ein. Nicht nur die Versorger Eon und RWE setzten ihre Kurssturz fort. Auch Schwergewichte wie BASF geraten stark unter Druck. Dagegen klettern Solartitel.
Panikverkäufe: Die drohende Atomkatastrophe drückt den Dax tief ins Minus

Panikverkäufe: Die drohende Atomkatastrophe drückt den Dax tief ins Minus

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

New York / Frankfurt am Main - Der Dax  ging nach hohen Umsätzen 3,2 Prozent tiefer bei 6647 Zählern aus dem Handel. Das ist der tiefste Stand seit Mitte November. Im Verlauf war der deutsche Leitindex auf bis zu 6483 Punkte gefallen.

Auch die US-Börsen lagen bei Handelsschluss in Europa im Minus. Der Dow Jones  und der Nasdaq Composite  notierten jeweils mehr als ein Prozent tiefer. Anleger traten angesichts wachsender Panik die Flucht in deutsche Bundesanleihen und US-Staatsanleihen an. Der für Europa richtungweisende Bund-Future stieg um einen vollen Punkt auf 123,17 Zähler.

Nach weiteren Explosionen in einem Atomkraftwerk (AKW) in Fukushima stieg die Radioaktivität in der Region deutlich an. Auch in der Nähe der Hauptstadt Tokio, die rund 240 Kilometer südlich des AKW liegt, wurde der Agentur Kyodo zufolge erhöhte Radioaktivität gemessen.

"Der Markt wird alles tun, um das schlimmste mögliche Szenario einzupreisen", erklärte Keith Bowman, Analyst beim Fondsmanager Hargreaves Lansdown in London. "Aber die Lage ist sehr unsicher und ändert sich stündlich."

Er verwies zudem auf die Krise in der arabischen Welt. Die Regierung von des Königreichs Bahrain verhängte nach wochenlangen schweren Unruhen den Ausnahmezustand, nachdem am Montag auf ihre Bitte hin rund 1000 saudi-arabische Soldaten in das Land am ölreichen Persischen Golf eingerückt waren. Auch im Ölstaat Libyen hielten die Kämpfe zwischen der Armee und Rebellen an.

Lufthansa stellt Flüge nach Tokio ein - Aktie sehr schwach

Zahlreiche Unternehmen begannen mit der Evakuierung von Mitarbeitern, die Lufthansa  stellte ihre Flüge nach Tokio ein, die Aktie gehörte zu den schwächsten Werten im Dax.

An den Finanzmärkten wird befürchtet, dass die Krise in der global drittgrößten Volkswirtschaft die Welt in eine Rezession stürzen könnte. "Wenn in Japan nur einige Tage die Produktion ausfällt, kann das einige Unternehmen schon in den Konkurs treiben", erklärte Jörg Rahn, Marktstratege von Marcard Stein & Co. Das produzierende Gewerbe sei vermutlich besonders stark betroffen. Die Bank of Japan pumpte am Dienstag umgerechnet rund 45 Milliarden Euro in den Markt.

Industrie- und Technologiewerte besonders unter Druck

Wegen der Sorgen über das Wirtschaftswachstum trennten sich Anleger vor allem Aktien von Industrie- und Technologiewerten. Zu den größten Verlierern im Dax zählten die Aktien des Chemiekonzerns BASF  mit einem Abschlag von 5,3 Prozent.

Weltweit standen Halbleiterwerte unter Druck. Die Aktien von Branchenprimus Intel  verloren 3,3 Prozent; in Frankfurt gaben Infineon fünf Prozent und in Paris STMicro 4,4 Prozent nach.

Abschaltung von AKW belastet Eon und RWE

Am deutschen Aktienmarkt rutschten die Aktien der Energiekonzerne Eon und RWE weiter ab und lagen am Nachmittag je fast 5 Prozent im Minus. Die ältesten sieben deutschen AKW - darunter Kraftwerke von E.ON und RWE - sollen nach dem Willen der Bundesregierung für drei Monate vom Netz gehen.

Kernkraftwerke sind die Ertragsperlen der großen deutschen Energiekonzerne. Hingegen gewannen an der Börse Wien die Aktien des Versorgers Verbund 6,3 Prozent. Österreichs größter Stromkonzern erzeugt Strom fast ausschließlich in Wasserkraftwerken.

TecDax: Solar- und Windkraftfirmen weiterhin gefragt

Weiter angesagt waren auch die Aktien von Solar- und Windkraftfirmen. Der ÖkoDax, der die zehn wichtigsten Vertreter der Branche in Deutschland umfasst, legte 15 Prozent zu. Die Papiere des mitten in der Sanierung steckenden Solarunternehmens Conergy verdoppelten ihren Wert auf 0,84 Euro. Die Aktien von Nordex, Solarworld und Q-Cells schossen zwischen 16 und 28 Prozent nach oben.

Ölpreise sinken

Die Ölpreise sind am Dienstag weiter gesunken. Derzeit überwiege die Sorge vor den Folgen einer möglichen Atomkatastrophe in Japan die Auswirkungen der anhaltenden Unruhen in Nordafrika, hieß es am Markt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen im asiatischen Handel 111,78 Dollar und damit 1,89 Dollar weniger als am Vortag. Ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate büßte 1,75 Dollar auf 99,44 Dollar ein.

Händler begründeten den Preisrückgang mit den möglichen gravierenden Folgen der jüngsten Zuspitzung in Atomanlagen Japans nach dem Erdbeben und dem Tsunami vom vergangenen Freitag. Im Falle einer Atomkatastrophe wären die Folgen für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt laut Experten wohl enorm. Nach einer neuen Explosion im Atomkraftwerk Fukushima ist die radioaktive Strahlung auch in der Nähe der japanischen Hauptstadt Tokio angestiegen.

Euro schwach

Der Euro  hat am Dienstag seine Kursgewinne vom Vortag eingebüßt und ist zeitweise unter 1,39 Dollar gesunken. Während der Euro nach den Beschlüssen vom Euro-Gipfel am Montag zeitweise über die Marke von 1,40 Dollar geklettert war, stand die Gemeinschaftswährung zuletzt unter Druck. Grund ist laut Experten die wachsende Risikoscheu angesichts der Atom-Katastrophe in Japan.

Zeitweise sank der Euro bis auf 1,3894 Dollar. Zuletzt kostete ein Euro etwas erholt 1,3937 Dollar. Ein Dollar war 0,7173 Euro wert. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,3948 (Freitag: 1,3773) Dollar festgesetzt.

mg/la/reuters/dpa-afx
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