Börse Kurssturz bei Eon und RWE belastet Dax

Der Dax baut im späten Handel seine Verluste aus und schließt nur knapp über Tagestief. Aktien der AKW-Betreiber RWE und Eon stehen stark unter Verkaufsdruck. An der Wall Street geben die Indizes ebenfalls nach. Im TecDax haussieren Solartitel.
Abwärts: Die Belastungsfaktoren für den deutschen Leitindex sind derzeit zahlreich. Neben der Katastrophe in Japan belastet auch die Entwicklung in Bahrain

Abwärts: Die Belastungsfaktoren für den deutschen Leitindex sind derzeit zahlreich. Neben der Katastrophe in Japan belastet auch die Entwicklung in Bahrain

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Zum Handelsschluss sank der deutsche Leitindex Dax  um 1,65 Prozent auf 6866 Punkte. Der MDax  der mittelgroßen Werte verlor 1,3 Prozent auf 9880 Punkte.

Der TecDax schloss hingegen dank fulminanter Kursaufschläge bei Aktien aus der Erneuerbaren-Energien-Branche mit einem Plus von 0,15 Prozent bei 870 Punkten. Der Grund: Die geplante Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke in Deutschland ist vorläufig ausgesetzt.

Auch die US-Börsen lagen bei Handelsschluss in Europa im Minus. Der Dow Jones  fiel um 1,1 Prozent, der S&P 500 um 1,2 Prozent. Der Nasdaq Composite  gab um 1,1 Prozent nach.

Geldspritze der Bank of Japan

Laut Chefhändler Fidel Helmer vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser halten sich angesichts des starken Einbruchs an der Tokioter Börse die Verluste am deutschen Markt noch einigermaßen in Grenzen: "Viele hatten auch hierzulande am Morgen zunächst gezittert und mit schlimmen Einbußen am deutschen Markt gerechnet. Insofern sind die Verluste zum Handelsschluss fast schon wieder als moderat zu bezeichnen." Japans Leitindex Nikkei  war am ersten kompletten Handelstag nach dem Erdbeben und dem Tsunami um mehr als 6 Prozent abgestürzt.

Kreditfinanziertes Aufbauprogramm in Japan erwartet

"Die Japaner werden ihr Land schnell wieder aufbauen, auch um den Preis noch höherer Schulden", kommentierte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank etwas optimistischer und teilt damit die Einschätzung zahlreicher anderer Marktbeobachter. Die massiven Liquiditätsspritzen der japanischen Notenbank und mögliche weitere Maßnahmen "sollten der Binnenkonjunktur auf die Sprünge helfen". Auch das weltweite fundamentale Wirtschaftsumfeld, das mittelfristig für weitere Kursgewinne an den Börsen sorgen sollte, sei intakt.

Analysten der US-Investmentbank Merrill Lynch erklärten die eher besonnene Reaktion der Anleger mit der weltwirtschaftlichen Bedeutung Japans. Das Land spiele heutzutage nicht mehr so eine wichtige Rolle wie noch 1995, als das Erdbeben in Kobe die Märkte erschütterte.

Versorger und Versicherer im Dax unter Druck

Unter Druck gerieten wegen der neu entfachten Diskussion um die Laufzeit von Kernkraftwerken die Aktien von Eon und RWE , die Prozent 5,3 beziehungsweise 4,8 Prozent nachgaben. Die Titel der Versicherer Allianz und Münchener Rück verloren 2,9 und 3,4 Prozent.

Auch die Aktien der Versicherungsunternehmen gerieten durch die Nachrichten aus Japan unter Druck. Münchener Rück  büßten zeitweise mehr als 4 Prozent auf rund 107 Euro ein, die Titel des Wettbewerbers Hannover Rück  rutschten im MDax um rund 2,4 Prozent ab. Aktien der Allianz  präsentierten sich um rund 2,2 Prozent leichter.

Zu den besten Titeln im Dax zählten die Aktien der Deutschen Bank . Analyst Christoph Schmidt von der N.M.F. AG sagte: "Die Hoffnung auf einen weiteren Schub an billigem Geld stützt die Banken. Nach der Katastrophe in Japan könnten die Notenbanken weltweit weiteres Geld in die Märkte pumpen und das entkräfte die jüngsten Sorgen um einen Zinserhöhungstrend."

TecDax: Kurssprung bei Solartiteln

Mit teilweise zweistelligen Kursgewinnen profitierten indes im TecDax  die Aktien aus dem Bereich Erneuerbare Energien von den Nachrichten aus Japan. Die Titel des Windkraftanlagenbauers Nordex schossen um 16,65 Prozent auf 6,78 Euro hoch. Noch deutlicher nach oben ging es für das Solarunternehmen Conergy . Auch Q-Cells und Solarworld gewannen kräftig. Robert Halver von der Baader Bank sah darin aber allenfalls eine sehr kurzfristige Entwicklung und keine Trendwende für die zuletzt angeschlagene Branche.

Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,98 (Freitag: 2,91) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,29 Prozent auf 121,82 Punkte. Der Bund Future fiel um 0,14 auf 122,19 Punkte. Der Eurokurs legte am Montag zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte ihn auf 1,3948 (Freitag: 1,3773) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7169 (0,7261) Euro.

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Atomkraft: Restlaufzeiten der deutschen Atomkraftwerke

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rei/la/dpa-afx/dpa/reuters
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