Börse Tokio Nikkei stürzt - Notenbank hilft mit Milliarden

Nach dem Erdbeben folgt der Kursrutsch an den Märkten. Der Nikkei verliert am Montag mehr als 6 Prozent. Als Beruhigungspille pumpt die Notenbank sofort rund 130 Milliarden Euro in die Märkte. Das Rückkaufprogramm für Wertpapiere weitet sie auf insgesamt 350 Milliarden Euro aus.
Kurzsturz in Tokio: Der Nikkei beendet am Montag den Handel mit Verlusten von mehr als 6 Prozent. Die Notenbank startet ein historisches Rückkaufprogramm für Wertpapiere

Kurzsturz in Tokio: Der Nikkei beendet am Montag den Handel mit Verlusten von mehr als 6 Prozent. Die Notenbank startet ein historisches Rückkaufprogramm für Wertpapiere

Foto: Eugene Hoshiko/ AP

Tokio - Das Ausmaß der Katastrophe in Japan erschüttert die Finanzwelt: Der Aktienmarkt in Tokio hat am ersten Handelstag nach dem Erdbeben massive Kursverluste verzeichnet. Der Nikkei-Index  stürzte am Montag 6,2 Prozent auf 9610 Punkte ab. Der japanische Leitindex fällt damit unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten.

Der breiter gefasste Topix  brach 7,5 Prozent auf 847 Punkte ein und verzeichnete damit den größten Tagesverlust seit der Lehman-Brothers-Pleite im Oktober 2008. Händler trennten sich panikartig von Papieren. Die Angst vor schweren Nachbeben und weiteren Atomunfällen ließ die Kurse zahlreicher Unternehmen in die Tiefe stürzen. Die Sorge vor langfristigen Engpässen bei der Stromversorgung verschärfte den Ausverkauf. Mit knapp 4,9 Milliarden Papieren wechselten so viele Anteilsscheine wie nie zuvor ihren Besitzer in der Geschichte der Tokioter Börse.

"Investoren verkaufen aggressiv, weil sie kein Risiko eingehen wollen", sagte der Berater Hiroshi Arano von Mizuho Asset Management. Man könne den Umfang des Ausverkaufs nicht absehen. Der Analyst Shinichi Ichikawa von Credit Suisse in Tokio sagte: "Es wird schwer werden für Japan, seine Abhängigkeit vom Atomstrom zu beenden, denn solche Energie ist nötig, um das stabile Wirtschaftswachstum der Volkswirtschaft zu halten." Wenn die Inspektionen an den beschädigten Atomreaktoren negativ ausfallen sollten, dürfte dies langfristige Auswirkungen auf die japanische Wirtschaftsentwicklung haben.

Die Aktie des AKW-Betreibers Tepco musste sogar vom Handel ausgesetzt werden. Neben Aktien von AKW-Betreibern wurden besonders Anteilsscheine von Autobauern, Elektroherstellern und Ölraffinerien verkauft. Viele Konzerne mussten wegen der Zerstörungen die Produktion in wichtigen Fabriken einstellen. So blieben unter anderem alle Toyota-Werke  in Japan am Montag geschlossen. Die Produktion soll nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo bis mindestens Mittwoch ruhen. Die Aktie gab um fast 8 Prozent nach. Honda-Papiere  lagen ebenfalls mit knapp 8 Prozent im Minus. Aktien von Sony  verloren mehr als 9 Prozent. Atsushi Saito, Chef der Börse in Tokio, versprach, der japanische Aktienhandel werde auch nach den katastrophalen Ereignissen in seinem Land weiter geführt.

Atsushi Saito, Chef der Börse in Tokio, versprach, der japanische Aktienhandel werde auch nach den katastrophalen Ereignissen in seinem Land weiter geführt.

Rückkaufprogramm auf 350 Milliarden Euro ausgeweitet

Die japanische Zentralbank hat zur Beruhigung der Märkte angekündigt, die Rekordsumme von 15 Billionen Yen (mehr als 130 Milliarden Euro) in den Geldmarkt zu pumpen. Drei weitere drei Billionen Yen sollen am Mittwoch folgen. Die Bank will damit Befürchtungen entgegenwirken, dass Banken und andere Finanzinstitutionen nach dem schweren Erdbeben in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten könnten.

Die japanische Notenbank weitet wegen der Erdbebenkatastrophe ihr Programm zum Wertpapierkauf aus. Der Umfang werde auf 40 Billionen Yen (knapp 350 Milliarden Euro) von zuvor 35 Billionen Yen erhöht, teilte die Bank of Japan am Montag kurz vor Handelsschluss in Tokio mit. Mit der weiteren Lockerung der Geldpolitik solle verhindert werden, dass die Wirtschaftsstimmung sich verschlechtere. Die Notenbank hielt an ihrem Wirtschaftsausblick fest. Die Industrieproduktion werde wegen der Erdbebenkatastrophe aber wahrscheinlich bis auf Weiteres zurückgehen.

Der Nordosten Japans war am Freitag vom schwersten Erdbeben in der Geschichte des Landes erschüttert worden und anschließend von einem Tsunami überrollt worden. Dabei sind auch mehrere Atomkraftwerke schwer beschädigt worden.

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