Börse Kursrutsch erwartet - Blick auf die Notenbank

Naturkatastrophe in Japan, Gefechte in Libyen, Schuldenkrise im Euro-Raum - auf den Aktienmarkt prasseln Belastungsfaktoren ein. Händler erwarten starke Kursschwankungen. An der Börse in Tokio soll Montag gehandelt werden. Händler gehen davon aus, dass der Dax seine Talfahrt zunächst fortsetzen wird.
Börse in Tokio: Am Montag soll gehandelt werden - Börsianer erwarten einen weiteren Kursrutsch

Börse in Tokio: Am Montag soll gehandelt werden - Börsianer erwarten einen weiteren Kursrutsch

Foto: Koji Sasahara/ AP

Tokio/Frankfurt am Main - Die Tokioter Börse und die anderen japanischen Finanzmärkte sollen trotz der Tsunami- und Atomkatastrophe am Montag wie gewohnt arbeiten. Der für die Märkte zuständige Minister Shozaburo Jimi erklärte am Sonntag, die Behörden würden besonders auf Versuche von Manipulationen achten. Das gelte besonders für das Verbot von Leerverkäufen.

Beobachter gehen davon aus, dass der Nikkei-Index in Folge der Katastrophe unter die Marke von 10.000 Punkten fallen wird. Da die Aktien von Firmen aus allen Branchen unter Verkaufsdruck geraten würden, könne der Nikkei in nächster Zeit unter 9000 Punkte fallen, sagte Masaru Hamasaki von Toyota Asset Management.

Die Notenbank will einem Medienbericht zufolge am Montag die Finanzmärkte mit einer Notaktion beruhigen. Dem Geldmarkt sollten mehrere Billionen Yen zur Verfügung gestellt werden, berichtete die Nachrichtenagentur Jiji. Dies sei die erste kurzfristige Operation dieser Art seit Mai vergangenen Jahres.

Dax auf Acht-Wochen-Tief

Auch an Deutschlands Börsen dürften die jüngsten Entwicklungen in Japan ihre Wirkung zeigen. Der Dax  gab bereits in der abgelaufenen Woche deutlich nach und schloss am Freitag mit 6981 Punkten auf dem tiefsten Stand seit acht Wochen - auch hier dürfte es nach Einschätzung von Händlern am Montag zunächst weiter abwärts gehen.

"Die Konsolidierung am Aktienmarkt könnte bis Mitte April anhalten", sagte Aktienstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Er gehe aber davon aus, dass Anleger spätestens bei einem Niveau von 6800 Punkten wieder einsteigen.

RWE und Eon im Blick

Besonders im Blick stehen neben den deutschen Rückversicherern auch die großen deutschen Energiekonzerne wie Eon  und RWE . Der Atomunfall in Japan dürfte die Diskussion um die Restlaufzeiten der deutschen Atomkraftwerke sowie um die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland neu entfachen.

Rückversicherer stark unter Druck

Das verheerende Beben in Japan belastete schon am Freitag die Aktienmärkte rund um den Globus. In Europa gerieten vor allem die Aktien der Rückversicherer Münchener Rück , Hannover Rück  und Swiss Re unter Druck. Wie lange das Beben, der Tsunami und die schwere Beschädigung von Atomreaktoren die Finanzmärkte belasten, dürfte sich in der neuen Wochen abzeichnen.

"Japan wird auch in der kommenden Woche ein Thema am Markt bleiben", sagte Marktstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. "Die Bank of Japan kann aber nicht viel machen, denn selbst wenn sie Geld in den Markt pumpt, wirkt das erst mittel- bis langfristig." Die Regierung sei im Grunde in der Pflicht, ein Wiederaufbau-Programm zu starten.

Gefechte in Libyen gehen weiter

Neben der Katastrophe in Japan dürfte die Lage in Nordafrika und am Persischen Golf weiter für Beunruhigung sorgen. Im Ölförderland Libyen liefern sich Anhänger und Gegner von Machthaber Muammar Gaddafi weiter heftige Gefechte. Proteste gab es zuletzt zudem auch in Städten der wichtigen Erdölexporteure Saudi-Arabien und Kuwait.

Die Sorge um einen dramatischen Anstieg des Ölpreises und mögliche Lieferengpässe hat unter anderem die Titel von Fluggesellschaften wie Lufthansa und von Autobauern belastet. Die Schuldenkrise in der Euro-Zone dürfte in der neuen Woche ebenfalls Gesprächsthema sein.

Regierungschefs beschließen Ausweitung des Rettungsfonds EFSF

Am Freitag beschlossen die Staats- und Regierungschefs der Eurozone, dass der Rettungsfonds EFSF künftig 440 statt bislang 250 Milliarden Euro verleihen kann - und rüsteten sich damit für weitere Rettungsaktionen.

Trotz der Katastrophen und politischen Umwälzungen schauen die Börsianer aber auch weiter auf Unternehmensbilanzen - hier kehrt allerdings deutlich Ruhe ein - und Konjunkturindikatoren.

Am Dienstag soll das ZEW-Barometer Aufschluss über die Stimmung unter Börsenprofis geben. Von Reuters befragte Analysten rechnen beim Barometer für die Konjunkturerwartungen in den kommenden sechs Monaten mit einem Anstieg auf 16,0 Punkte nach 15,7 Punkten im Februar.

Ebenfalls am Dienstag tagt der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Federal Reserve. Experten rechnen damit, dass die Fed den Leitzins unangetastet lässt.

Am Donnerstag folgen neben den wöchentlichen US-Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe noch Zahlen zur Industrieproduktion in den USA.

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Atomkraft: Restlaufzeiten der deutschen Atomkraftwerke

Foto: Wolf-Dietrich_Weissbach/ picture-alliance / dpa
la/reuters
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