Finanzmärkte Milliardenspritze der Bank of Japan erwartet

Die japanische Notenbank will offenbar mit einer Geldspritze in Milliardenhöhe verhindern, dass es in Folge der verheerenden Naturkatastrophen zu einem weiteren Kurseinbruch an den Börsen kommt. Bereits am Freitag hatte der Nikkei deutlich nachgegeben - und die Lage hat sich seither drastisch verschlimmert.
Japans Wirtschaftsminister Kaoru Yosano an der Tokioter Börse: Regierung und Notenbank wollen "alles Mögliche tun", um die Finanzmärkte zu beruhigen

Japans Wirtschaftsminister Kaoru Yosano an der Tokioter Börse: Regierung und Notenbank wollen "alles Mögliche tun", um die Finanzmärkte zu beruhigen

Foto: REUTERS

Tokio - Bereits am Montag könnten die Währungshüter den Märkten mehrere Billionen Yen zur Verfügung stellen, um Engpässe an den Finanzmärkten zu vermeiden, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Samstag (MEZ), ohne Nennung von Quellen.

Zuletzt hatte die japanische Notenbank im Mai über außerordentliche und kurzfristige Maßnahmen zwei Milliarden Yen (17,4 Mrd Euro) in den Markt gepumpt, um die Turbulenzen der Eurozonen-Schuldenkrise zu bekämpfen.

Die japanische Notenbank hatte bereits am Freitag nach dem Beben angekündigt, alles mögliche zu unternehmen, um die Stabilität der Finanzmärkte zu sorgen.

Bereits am Freitag hatte das Erdbeben für deutliche Kursverluste an der Tokioter Börse gesorgt, obwohl die Folgen während der Handelszeit noch nicht deutlich sichtbar waren. Der Nikkei-225-Index rutschte zum Wochenausklang um 1,72 Prozent ab auf 10.254 Punkte ab. Am Devisenmarkt verlor der Yen etwas an Boden - allerdings hielt sich die Reaktion in Grenzen.

Beobachter erwarten Aufbauprogramm der Regierung

Spätestens am Dienstag würde die Bank of Japan zu einer regulären Sitzung zusammenkommen. Sie hat am Freitag bereits angekündigt, alles Notwendige zur Stabilisierung des Zahlungsverkehrs zu tun. "Japan wird auch in der kommenden Woche ein Thema am Markt bleiben", sagte Marktstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. "Die Bank of Japan kann aber nicht viel machen, denn selbst wenn sie Geld in den Markt pumpt, wirkt das erst mittel- bis langfristig." Die Regierung sei im Grunde in der Pflicht, ein Wiederaufbauprogramm zu starten.

Lage dramatisch verschlimmert - Angst vor nuklearer Katastrophe

Inzwischen hat sich die Lage in einigen Landesteilen und vor allem in zwei Atomkraftwerken des Landes drastisch verschlimmert. Die Zahl der Todesopfer und der von der Katastrophe betroffenen Menschen steigt ständig. Zudem droht dem Land eine nukleare Katastrophe. Derzeit versuchen Fachleute in einen Wettlauf gegen die Zeit, diese abzuwenden.

In sechs Reaktoren an der Ostküste Japans fiel die Kühlung aus. Am gefährlichsten ist die Lage im Atomkraftwerk Fukushima Eins. Dort pumpten Experten seit Samstagabend ein Gemisch aus Meerwasser und Borsäure in den Reaktor Nummer 1. Bor kühlt den Reaktor zusätzlich ab. Damit soll eine Kernschmelze verhindert werden.

Eine ähnlich dramatische Entwicklung drohte in einem zweiten Reaktor in Fukushima Eins. Ob eine teilweise oder vollständige Kernschmelze bereits im Gang ist oder war, blieb weiter unklar. Nach Angaben der Atomsicherheitsbehörde wird die Möglichkeit als groß angesehen, dass es in dem AKW Fukushima Eins schon vor der Explosion vom Samstag zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen ist.

la/dpa-afx/reuters
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