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Japan: Hohe Tsunami-Welle trifft die Küste

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Börse Japan und Libyen drücken Dax unter 7000 Punkte

Das verheerende Erdbeben in Japan hat die Börsen am Freitag weltweit auf Talfahrt geschickt. Titel der Rückversicherer wie Munich Re gehörten zu den größten Verlierern. Der Index hat sämtliche Kursgewinne seit Jahresbeginn fast wieder abgegeben. Auch die Rohstoffpreise fallen.

New York/Frankfurt am Main - Das schwere Erdbeben in Japan und die anhaltend unsichere Lage in Libyen haben den deutschen Aktienmarkt am Freitag auf den tiefsten Stand seit Mitte Januar gedrückt. Der Dax  verlor 1,1 Prozent auf 6981 Punkte und sank damit erstmals seit dem 12. Januar unter die psychologische wichtige Marke von 7000 Punkten.

Im Verlauf der Woche büßte der deutsche Leitindex fast 3 Prozent ein und zehrte damit fast alle Gewinne vom Januar und Februar auf. Der Dax hatte in den ersten Wochen des Jahres kräftig zugelegt und war bis auf 7441 Punkte gestiegen.

Auch der MDax und der TecDax gaben zum Wochenausklang kräftig nach. Sie verloren 1,3 Prozent auf 10.011 Punkte beziehungsweise 1,1 Prozent auf 869 Zähler.

Seit dem Jahreshoch Mitte Februar ging es um rund sechs Prozent nach unten. Vor dem Beben in Japan hatten bereits die anhaltenden Unruhen in Nordafrika und im arabischen Raum die Märkte verunsichert. Der dadurch stark gestiegene Ölpreis hatte zuletzt bereits die gute Stimmung vertrieben und die größtenteils sehr guten Unternehmenszahlen überlagert.

An der Wall Street begrenzten die Indizes unterdessen bis zum frühen Abend ihre Verluste. Dow Jones  und Nasdaq Composite  tendierten bis 18 Uhr jeweils nur knapp unter Vortagesschluss.

Sony und Toyota schliessen Werke

Konkrete Auswirkungen der Naturkatastrophe auf einzelne Unternehmen wurden bereits bekannt. So schloss etwa der Elektronikkonzern Sony  nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg vorübergehend sechs Werke, der weltgrößte Autohersteller Toyota machte drei Fabriken dicht, und auch die Wettbewerber Honda und Nissan hielten die Bänder an.

In einem Honda-Entwicklungszentrum wurde angeblich eine Mitarbeiterin von einer einstürzenden Wand erschlagen und 30 Kollegen verletzt. Der Hauptflughafen in Tokio wurde zwischenzeitlich geschlossen, genauso wie Häfen in Erwartung einer Tsunami-Welle.

Rückversicherer unter Druck

An den Märkten gerieten angesichts solcher Nachrichten insbesondere die Aktien von Rückversicherern unter Druck. In Deutschland gingen die Aktien des weltweiten Branchenführers sowie des Dritten der Branche, Munich Re  und Hannover Rück, auf Tauchstation. Die Aktien der Munich Re verbilligten sich um rund 5 Prozent.

Rohstoffmarkt leichter - Ölpreise fallen

Das Jahrhundertbeben in Japan hat auch den Rohstoffmarkt auf Talfahrt geschickt. Händlern zufolge wird befürchtet, dass die Zerstörungen in der japanischen Industrie die Nachfrage nach Rohstoffen dämpfen. Das Beben könne die Risikoscheu der Anleger verstärken, urteilte die Commerzbank in einem Marktkommentar. "Japan ist nach China und den USA das weltweit drittgrößte Rohstoffverbrauchsland und bei nahezu allen Rohstoffen auf Importe angewiesen."

Die Tonne Kupfer verbilligte sich um bis zu 2,2 Prozent auf 8992 Dollar. Seit ihrem Rekordhoch von 10.190 Dollar am 15. Februar hat die Notierung damit fast zwölf Prozent an Wert eingebüßt. Die Preise für Aluminium, Nickel und Blei fielen bis zu 3,3 Prozent.

Am Ölmarkt verbilligte sich das Fass der Nordseesorte Brent um 1,8 Prozent auf 113,39 Dollar. Die US-Sorte WTI kostete mit 100,47 Dollar 2,2 Prozent weniger. "Vor allem am Ölmarkt steht weiter die Krise im Nahen Osten im Fokus, und da scheint die Angst etwas zu weichen, dass es in Saudi-Arabien richtig kritisch wird", sagte LBBW-Rohstoffanalyst Frank Schallenberger. In der saudi-arabischen Hauptstadt Riad blieb es zunächst ruhig. Die Opposition hatte im Internet zu einem neuerlicher Protesttag aufgerufen.

Die Risikoscheu zeigte sich auch an deutlichen Preisrückgängen bei Agrarrohstoffen. Die Notierungen für Zucker, Kaffee, Mais und Weizen brachen um bis zu 3,5 Prozent ein.

Euro kaum verändert

Der Euro  hat sich am Freitag nach den kräftigen Vortagesverlusten bei der Marke von 1,38 Dollar eingependelt. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Morgen 1,3811 Dollar. Ein Dollar war damit 0,7239 Euro wert. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,3817 (Mittwoch: 1,3928) Dollar festgesetzt.

Die Bank of Japan (BoJ) teilte indes mit, sie werde alles tun, um die Stabilität der Finanzmärkte zu sichern und Liquidität bereitzustellen. Es sei eine Arbeitsgruppe zur Beobachtung der Folgen auf die Banken gebildet worden. Der Yen schwächelte dann auch nur kurz und fing sich schnell wieder. Auch Dollar und Euro blieben stabil. "Der nur kurzzeitige Rückgang des japanischen Yen zeigt, dass die Märkte die wirtschaftlichen Folgen nicht so skeptisch beurteilen", sagte Commerzbank-Experte Leim.

mg/dpa-afx/rtr
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