Börsenausblick Turbulent, aber stabil

Auch in der kommenden Woche dürfte der Dax hin- und hergerissen werden. Sorgen um die Lage in Arabien und den Ölpreis stehen positive Unternehmens- und Konjunkturdaten gegenüber. Experten bleiben trotz des Drucks, der zuletzt auf den Kursen lastete, optimistisch.
Im Zeichen des Bullen: Noch halten die Kurse dem Druck stand

Im Zeichen des Bullen: Noch halten die Kurse dem Druck stand

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Frankfurt am Main - Anleger am deutschen Aktienmarkt müssen sich auch in der neuen Woche auf unruhige Zeiten einstellen: Der anhaltende Machtkampf in Libyen könnte den Ölpreis nach Einschätzung von Analysten zumindest kurzfristig weiter nach oben treiben - und damit auch der Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft neue Nahrung geben. "Die Märkte sind sehr nervös, weil die politische Situation in der arabischen Welt nur schwer einschätzbar ist", sagt Markus Reinwand, Aktienstratege bei der Helaba. Er rechnet im Dax daher mit einem ähnlichen Auf und Ab, wie ihn die Anleger bereits in der abgelaufenen Woche erlebt haben.

Die Sorge vor einem Übergreifen der Unruhen auf den weltgrößten Ölexporteur Saudi-Arabien hatte den Dax  zwei Tage in Folge ins Minus gedrückt. Auf Wochensicht verlor der Leitindex 0,1 Prozent und ging am Freitag bei 7179 Zählern aus dem Handel. Allen internationalen Rücktrittsforderungen zum Trotz kämpft der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi weiterhin gegen einen Volksaufstand, der zunehmend einem Bürgerkrieg ähnelt.

Die Auswirkungen der Unruhen auf die Ölproduktion sind nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch bereits beträchtlich. Das größte Risiko liege aber darin, dass auch Saudi-Arabien von den Unruhen erfasst werde. Das Land produziert Fritsch zufolge mehr als neun Millionen Barrel Rohöl täglich und verfügt als einziges Land über hinreichend freie Förderkapazitäten.

Experten glauben nicht an große Rückschläge

Neben Libyen dürfte in der neuen Woche auch die europäische Schuldenkrise wieder für Gesprächsstoff in den Handelsräumen sorgen. Der Zeitpunkt, an dem richtungsweisende Entscheidungen über einen langfristigen Krisenmechanismus gefällt werden sollen, rückt näher. Auf dem Treffen der Regierungschefs der Euro-Zone am Freitag steht der von Deutschland und Frankreich geforderte Pakt für Wettbewerbsfähigkeit zur Diskussion. Über das Gesamtpaket gegen die Schuldenkrise, bestehend aus Rettungsfonds und Reformen, soll beim EU-Gipfel am 24. und 25. März entschieden werden. "Die Erwartungshaltung ist groß, sollte sie enttäuscht werden, könnte das für die Aktienmärkte ein Dämpfer sein", sagt Helaba-Experte Reinwand.

Viele Experten halten den Dax aber derzeit trotz des turbulenten Umfelds für stabil. Aktienstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank etwa sieht den Dax mittelfristig eher im Aufwind. Attraktive Dividendenrenditen und steigende Unternehmensgewinne dürften Anleger weiterhin an den Aktienmarkt locken, ist sich der Experte sicher. Hürkamp prognostiziert, dass die Dividenden der im Dax gelisteten Unternehmen für das Jahr 2010 um 30 Prozent steigen werden, da viele Unternehmen vom starken globalen Wachstum profitieren konnten.

Nachdem sich der Karnevalstrubel gelegt hat, veröffentlichen mehrere Dax-Konzerne ihre Geschäftsberichte: Wie sich Eon , K+S , Linde , Volkswagen , Deutsche Post  und Münchener Rück  zuletzt geschlagen haben und wie sie die Aussichten beurteilen, dürften die Anleger am Mittwoch und Donnerstag erfahren.

Wichtige Konjunkturdaten stehen in der neuen Woche ebenfalls an: In Deutschland werden die Daten zu den Auftragseingängen (Dienstag) und zur Industrieproduktion (Mittwoch) im Januar erwartet. Insgesamt dürfte sich zeigen, dass der Aufwärtstrend der deutschen Industrie unverändert intakt sei, hieß es in einem Kommentar der Postbank. Aus den USA werden am Freitag das vorläufige Verbrauchervertrauen der Uni Michigan und der US-Einzelhandelsumsatz erwartet. Letztere dürften im Februar laut Postbank dank gestiegener Autoverkäufe ein deutliches Plus verzeichnet haben.

Weiterhin beschäftigen dürfte die Anleger auch das Schreckgespenst Inflation, nachdem EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag bereits für April eine Zinserhöhung in Aussicht gestellt hatte. Am Donnerstag steht der Zinsentscheid der Bank of England an. Die britische Notenbank hatte jüngst ihre Inflationsprognosen angehoben und damit die Tür für die erste Zinserhöhung seit Ausbruch der Finanzkrise aufgestoßen.

cr/rtr
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