Börse Dax taucht ab - Kursrutsch in Saudi-Arabien

Schwache US-Börsen und erneute Unruhen im arabischen Raum drücken den Dax ins Minus. Für Verunsicherung sorgen der wieder steigende Ölpreis und der Einbruch der Börse in Saudi-Arabien. VW und Eon bauen ihre Verluste aus.
Autowerte im Fokus: VW und BMW ringen um SGL Carbon

Autowerte im Fokus: VW und BMW ringen um SGL Carbon

Foto: Boris Roessler/ dpa

New York / Frankfurt am Main - Die Nervosität der Anleger wegen der anhaltenden Unruhen im ölreichen arabischen Raum hat die Aktienmärkte am Dienstag belastet. Der Dax  ging 0,7 Prozent tiefer bei 7223 Punkten aus dem Handel, nachdem er zeitweise um 1,3 Prozent geklettert war. Das Handelsvolumen stieg auf 112,2 (Montag: 101) Millionen Aktien. Der Umsatz verharrte bei rund 3,6 Milliarden Euro.

Die US-Börsen notierte zum Handelsschluss in Europa im Minus. Der Dow Jones  fiel um 0,4 Prozent, der Nasdaq Composite  um 0,5 Prozent in den roten Bereich.

Das Fass der für Europa wichtigen Ölsorte Brent verteuerte sich am Dienstag um knapp zwei Prozent auf 113,85 Dollar.

"Die Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten sowie der steigende Ölpreis sind nach der technischen Erholung der Vortage wieder auf den Tisch gekommen", sagte ein Händler. Nachdem bereits ein Kurssturz der Börse in Saudi-Arabien viele Anleger beruhigt hatte, wuchs am Nachmittag die Nervosität, als im weiteren wichtigen Ölförderland Iran die Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen Demonstranten vorgingen.

EZB-Sitzung: Diskussion um höhere Zinsen macht Anleger nervös

Der Markt habe außerdem auf gute Konjunkturzahlen reagiert, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. "Das fordert die Zentralbanken heraus, möglicherweise ihre laxe Geldpolitik aufzugeben." Vor diesem Hintergrund gehe bei Anlegern die Sorge vor einer Erhöhung der Zinsen um. In den USA hatte sich die Stimmung der Einkaufsmanager für das Verarbeitende Gewerbe stärker als erwartet aufgehellt. Zudem hatte der US-Notenbankchef Ben Bernanke gesagt, dass es vermehrt Hinweise für eine anhaltende Erholung der Wirtschaft gebe.

Börse in Saudi-Arabien bricht um knapp 8 Prozent ein

Die Angst vor einem Übergreifen der Unruhen aus Nordafrika auf Saudi-Arabien hat am Dienstag die Anleger am saudiarabischen Aktienmarkt vergrault. Der Standardwerte-Index brach um 7,7 Prozent auf 5484 Punkte ein und notierte damit so niedrig wie seit Sommer 2009 nicht mehr. Anleger fürchteten, dass im ölproduzierenden Osten des Landes, wo vor allem Schiiten leben, Unruhen ausbrechen könnten. Händler in Saudi-Arabien sprachen von panischen Verkäufen.

Positive Konjunkturdaten in Deutschland und USA

Vor diesem Hintergrund verpufften positive Konjunkturdaten: Dank des deutschen Aufschwungs kommt die Industrie in der Euro-Zone wieder in Fahrt. Der Markit-Einkaufsmanagerindex erreichte im Februar mit 59,0 Punkten das höchste Niveau seit mehr als zehneinhalb Jahren. Zudem sank in Deutschland im Februar die Zahl der Arbeitslosen. Auch die US-Industrie nahm im Februar deutlich Fahrt auf, wie der Konjunkturindex der Einkaufsmanager signalisierte.

Autowerte trotz Genfer Autosalon schwach - VW unter Druck

Die Lage im Nahen Osten überlagerte auch die Zuversicht, die viele Autokonzerne beim Genfer Autosalons versprühten. Der europäische Stoxx-Branchenindex fiel um 0,6 Prozent. Im Dax waren Volkswagen nach dem überraschenden Einstieg beim Graphitspezialisten SGL mit einem Minus von 1,6 Prozent einer der schwächsten Werte. Anleger fürchteten laut Händlern einen teuren Kampf um SGL. Deren im MDax gelisteten Aktien stiegen um fünf Prozent.

Viele Börsianern setzen zum einen darauf, dass BMW-Großaktionärin Susanne Klatten ihren Anteil an SGL von derzeit 22 Prozent wie angedeutet auf eine Sperrminorität aufstocken wird. Zum anderen könne auch VW noch zukaufen. Volkswagen hatte am Montagabend überraschend erklärt, 8,2 Prozent an SGL zu halten. Ein VW-Sprecher teilte jedoch mit, die Wolfsburger planten nicht, über zehn Prozent zu gehen.

BMW-Aktien ziehen an - Bankaktien sehr schwach

Ebenfalls gefragt waren BMW-Aktien, die 1,5 Prozent gewannen. Die Münchener haben laut Konzernchef Norbert Reithofer im abgelaufenen Monat 20 Prozent mehr Autos verkauft.

Die Unsicherheit der Anleger führte laut Händlern europaweit zum Verkauf von Bankaktien, deren Stoxx-Index 1,8 Prozent verlor. In London setzten die Aktien der größten europäischen Bank HSBC ihre Talfahrt des Vortages fort und verloren rund drei Prozent. Die Bank hat sich angesichts schärferer Eigenkapital-Anforderungen bescheidenere Ziele gesetzt. Die Titel des französischen Konkurrenten Societe Generale büßten 3,5 Prozent ein.

In Frankfurt schlossen Deutsche Bank 1,6 Prozent tiefer. Commerzbank schafften hingegen in der Schlussauktion den Sprung in die Gewinnzone und gingen 0,9 Prozent höher aus dem Handel.

mg/dpa-afx
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