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Zehn Dinge, die Sie noch nicht wissen über: Warren Buffett

Foto: Nati Harnik/ AP

Firmenjäger Buffett "Mein Finger am Abzug juckt"

US-Investorenlegende Warren Buffett ist auf der Pirsch nach fetter Beute. In seinem Aktionärsbrief schreibt der Milliardär, wo er gute Investmentchancen sieht. Zugleich legt der Sparfuchs ausführlich Rechenschaft ab. Die Antwort auf eine entscheidende Frage aber lässt er offen.

Omaha - Der legendäre Firmenjäger Warren Buffett sucht nach fetter Beute. Seine Investmentholding Berkshire Hathaway brauche vor allem mehr große Übernahmen außerhalb der Versicherungsbranche, schrieb Buffett in seinem am Samstag veröffentlichten Aktionärsbrief. "Unser Elefantentöter ist nachgeladen und mein Finger am Abzug juckt."

Buffetts Überzeugung sei es, dass es weiter aufwärts geht mit der Wirtschaft, vor allem in seiner Heimat. "Die besten Tage liegen noch vor Amerika." Und die von Berkshire ist mit 38 Milliarden Dollar prall gefüllt.

Die Aussichten für den gebeutelten US-Immobilienmarkt, dessen Zusammenbruch Auslöser für die weltweite Finanzkrise war, beurteilt Buffett optimistisch. Die Erholung des Sektors werde wahrscheinlich innerhalb eines Jahres einsetzen, schrieb er. Berkshire habe deshalb seine Investitionen in den Immobilienmarkt bereits erhöht.

Die Investorenlegende hatte im vergangenen Jahr ihren bisher größten Treffer gelandet: Buffett kaufte für 26 Milliarden Dollar die Frachteisenbahn Burlington Northern Santa Fe. Das Geschäft hat sich gerechnet, weil mit der wirtschaftlichen Erholung auch das Frachtaufkommen stieg. "Das Geld fließt immer dahin, wo es die günstigsten Gelegenheiten gibt; und es gibt in Amerika günstige Gelegenheiten in Hülle und Fülle."

"Charlie und ich könnten den Nettogewinn in fast jede Richtung drehen"

Alleine im vergangenen Jahr verdiente Berkshire Hathaway unter dem Strich satte 13 Milliarden Dollar (rund neun Milliarden Euro). Der Nettogewinn sei für Berkshire Hathaway aber "fast bedeutungslos", räumte Buffett in seiner bekannt schonungslosen Offenheit ein. "Charlie (sein Kompagnon) und ich könnten den Nettogewinn zu jeder Zeit ziemlich legal in fast jede Richtung drehen, die wir wollen."

Der 80-Jährige, der aussieht wie der liebe Opa von nebenan, hat es faustdick hinter den Ohren: Er hatte in den 1960er Jahren die kleine Textilfirma Berkshire Hathaway übernommen und sie mit klugen Investitionen zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt ausgebaut. Er ist deshalb für unzählige Anleger in aller Welt eine Kultfigur. Sein fast untrüglicher Sinn fürs Geldverdienen hat ihm den Spitznamen "Orakel von Omaha" eingebracht und die Berkshire-Aktie auf unglaubliche 127.550 Dollar steigen lassen - pro Stück, wohlgemerkt!

Schlitzohr und Sparfuchs zugleich

Buffetts Investmentholding besitzt rund 80 eigene Tochterfirmen und hält Beteiligungen an einer ganzen Reihe von namhaften Großkonzernen. Dazu gehören Coca-Cola oder die Munich Re, die frühere Münchener Rück. In Zeiten der Finanzkrise war Buffett einer der wenigen, die noch ausreichend Cash und den nötigen Mut besaßen zu investieren.

So pumpte der Investor etliche Milliarden Dollar in den US-Industriekoloss General Electric, in die Schweizer Rückversicherung Swiss Re sowie in die US-Investmentbank Goldman Sachs. Die "großzügige" Geste ließ sich Buffett mit hohen Zinsen vergelten. Nun aber, da es wirtschaftlich wieder besser läuft, wollen die Konzerne die teuren "Kredite" gerne ablösen. Die Swiss Re hat es schon getan, General Electric dürfte im Oktober folgen. Nur Goldman Sachs hat ein Problem, wie Buffett schmunzelnd feststellt: "Sie wurde bis jetzt von der US-Notenbank zurückgehalten (zum Glück!)." Die Fed dürfte aber "bedauerlicherweise in Bälde grünes Licht geben".

Nachfolge-Frage ist noch nicht beantwortet

Buffett ist aber nicht nur ein Schlitzohr, er ist auch ein Sparfuchs und legt gegenüber seinen Aktionären genau Rechenschaft darüber ab, wie viel ihres Geldes er wofür ausgibt. "Die Miete in Berkshires weltweitem Hauptquartier liegt bei 270.212 Dollar im Jahr", ließ er wissen. Gegenüber den Multimillionen Dollar teuren Trutzburgen anderer Konzerne ist das ein Witz. Selbst für den Cola-Automaten rechtfertigt sich Buffett, ein bekennender Coca-Cola-Liebhaber. "Solange Charlie und ich Euer Geld wie unser eigenes behandeln, werden auch die Manager von Berkshire Hathaway sorgsam damit umgehen", versprach er.

Doch beide sind nicht mehr die Jüngsten: Buffett ist 80, seine engster Vertrauter Charlie Munger sogar 87. Die Frage, die die Berkshire-Aktionäre bewegt, ist deshalb: Wer wird die zwei rüstigen Finanzjongleure mal beerben? Ein paar Namen hat Buffett schon selbst in den Raum geworfen, ohne aber einen Favoriten zu benennen. Wahrscheinlich, so sagt er, wird es eine Führungsspitze aus mehreren Leuten geben.

Wer seine privaten, mittlerweile geschätzt wohl deutlich mehr als 50 Milliarden Dollar bekommt, steht dagegen schon fest: Er gibt sie für den guten Zweck her.

rei/dpa/reuters
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