Wochenausblick Dax im Zeichen des Ölpreises

Öl-Staaten wie Katar und Iran versuchen den Märkten die Furcht vor einem Lieferengpass zu nehmen. Zugleich beruhigen Analysten und der deutsche Wirtschaftsminister, der Konjunkturaufschwung sei nicht in Gefahr. Gleichwohl bleibt der Ölpreis das zentrale Thema der kommenden Börsenwoche.
Öl aus Libyen: Der Staat zählt keineswegs zu den größten Öl-Lieferanten. Dennoch die Märkte nervös

Öl aus Libyen: Der Staat zählt keineswegs zu den größten Öl-Lieferanten. Dennoch die Märkte nervös

Foto: DB Wintershall/ dpa

Frankfurt am Main - Firmenbilanzen, Konjunkturdaten, EZB-Ratssitzung - all die üblichen Termine dürften für die Aktienmärkte in der kommenden Woche angesichts des rasant steigenden Ölpreises in den Hintergrund treten. Die Furcht vor einem neuen Preisschock und einer daraus folgenden Abkühlung der Weltwirtschaft hat bereits in der abgelaufenen Woche zu heftigen Kursverwerfungen geführt.

So verlor der Dax  zuletzt auf Wochensicht mehr als 3 Prozent und ging bei 7185 Punkten in das Wochenende. "Die Bewertungen der Aktien erscheinen zwar nach wie moderat", urteilt Kapitalmarktanalyst Dennis Nacken von Allianz Global Investors. Auch Konjunkturdaten und die Bilanzen der Unternehmen hätten zuletzt größtenteils positiv überrascht. "Diese Aspekte scheinen derzeit aber kurzfristig von den politischen Risiken verdrängt zu werden."

Die Kämpfe zwischen Anhängern und Gegnern von Machthaber Muammar Gaddafi in Libyen hielten die Aktienmärkte zuletzt deshalb in Atem, weil dadurch Lieferengpässe bei Erdöl befürchtet wurden. Der Preis für die Öl-Sorte Brent verteuerte sich in der abgelaufenen Woche fast auf 120 Dollar pro Fass, dem höchsten Stand seit September 2008. Rund um den Globus rutschten die Aktienkurse daraufhin ab.

Angesichts von zuletzt starken Wirtschaftsdaten in Deutschland halten die Analysten der Landesbank Berlin die Furcht vor einer Eintrübung der Konjunktur aktuell aber noch für übertrieben. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle teilt diese Ansicht. "Unsere gute Konjunkturentwicklung ist so stabil, dass der derzeitige Ölpreisanstieg noch keinen Anlass zu konjunktureller Besorgnis gibt", sagte Brüderle der "Bild am Sonntag".

Katar: "Es gibt keinen Grund nervös zu sein"

Das Emirat Katar und der Iran versuchen derweil, Sorgen über Öl-Lieferengpässe durch Exportausfälle aus dem von Unruhen erschütterten Libyen zu dämpfen. Dem Markt stünde genügend Öl zur Verfügung stünde, teilten beide Staaten mit. Andere ölproduzierende Staaten könnten die libyschen Ausfälle kompensieren, sagte der Energieminister des Golfstaats Katar, Mohammed Saleh al-Sada, am Sonntag. Es gebe keinen Grund, nervös zu sein.

Der hohe Ölpreis wirft gleichwohl seinen Schatten auch auf die EZB-Sitzung am Donnerstag. Durch die höheren Energiekosten wird mit einer weiter steigenden Inflation gerechnet - viele Analysten erwarten deshalb, dass die Notenbank mit ihrer Entscheidung für eine Zinsanhebung nicht mehr allzu lange warten wird. Die meisten Experten rechnen mit einem ersten Zinsschritt im Herbst.

"Es ist nachvollziehbar, dass das Thema Inflation auf der Agenda der EZB steht, denn es würde ihre Glaubwürdigkeit bei der Inflationsbekämpfung stärken und signalisieren, dass sie Gewehr bei Fuß steht", sagte Allianz-Fachmann Nacken. Den Markt würde es zwar nicht unvorbereitet treffen, wenn die Notenbank den Ton verschärfe. Kurzfristige Kursschwankungen seien aber möglich.

Spannung vor neuen US-Arbeitsmarktdaten

Daneben hoffen die Anleger darauf, dass die bevorstehenden Konjunkturdaten auf einen anhaltenden Aufwärtstrend der US-Wirtschaft hinweisen. Einer der wichtigsten Termine des Monats steht am Freitag an, wenn in den USA Arbeitsmarktdaten für Februar vorgelegt werden. "Wir erwarten, dass 150.000 neue Stellen in den USA geschaffen wurden", schreibt Postbank-Analyst Thilo Heidrich. Die Arbeitslosenquote, die im Dezember und Januar wegen des schlechten Wetters verzerrt wurde, dürfte dagegen leicht von neun auf 9,1 Prozent gestiegen sein. Am Montag stehen zudem Daten zu den privaten Konsumausgaben in den USA an, am Dienstag folgt der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe.

Die Bilanzsaison, in der bereits zahlreiche Dax-Schwergewichte ihre Zahlen vorgelegt haben, geht mit den Veröffentlichung der Ergebnisse von Bayer  (Montag) und Adidas  (Mittwoch) in eine neue Runde. Die Senderkette ProSiebenSat1, deren Aktien im MDax gelistet sind, äußert sich am Donnerstag zur Bilanz 2010. Am selben Tag überprüft die Deutsche Börse  routinemäßig ihre Aktienindizes. Analysten räumen dem Motorenhersteller Deutz  die größten Chancen ein, in den MDax  aufzusteigen. Verabschieden müsste sich nach Einschätzung der Experten der Agrarhändler BayWa.

Aufschlüsse über Entwicklungen und Innovationen in der Pkw-Branche erhoffen sich Investoren vom Autosalon in Genf, der in der neuen Woche seine Tore öffnet.

rei/rtr/dpa
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