Sonntag, 31. Mai 2020

Börse Dax taucht ab - Ölpreis bei 110 Dollar

Proteste im ganzen Land: Gaddafis Regime wankt
AP

Der Dax beschleunigt seinen Kursrutsch. Anleger fürchten, dass die Revolte in Libyen auf Bahrain und Saudi-Arabien übergreift - mit unabsehbaren Folgen für den Ölpreis. Auch an der Wall Street geben die Indizes weiter nach. Ein Barrel der Ölsorte Brent kostete am Mittwoch zeitweise 110 Dollar.

New York/Frankfurt am Main - Aus Unsicherheit über die weitere Entwicklung in Nordafrika und anderen arabischen Ländern haben sich viele Anleger am Mittwoch von ihren Aktien getrennt. Der Dax Börsen-Chart zeigen setzte seinen Abwärtstrend fort und rutschte um 1,7 Prozent auf 7194 Punkte. Seit Montag hat der deutsche Leitindex knapp 4 Prozent an Wert verloren.

Vor allem der Anstieg des Ölpreises machte den Anlegern zu schaffen. Sie erwarten, dass höhere Energiepreise die Konjunktur abwürgen könnten.

An den US-Börsen notierte zum Handelsschluss in Europa der Dow Jones Börsen-Chart zeigen mit 0,5 Prozent im Minus, während der Technologieindes Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen um 0,9 Prozent fiel. Hier belastete zusätzlich der enttäuschende Ausblick von Hewlett-Packard.

Die hohe Nervosität der Anleger macht sich auch an den Kursschwankungen bemerkbar. Der VDax, der die Volatilität des Index misst, schnellte auf den höchsten Wert seit sechs Wochen.

Unter der steigenden Risikoaversion litten auch die Nebenwerte: Der MDax büßte 1,77 Prozent auf 10.122 Punkte ein und der TecDax gab um 2 Prozent auf 881 Punkte nach.

Brent bei 110 Dollar - Ölpreis gefährdet Konjunkturerholung

"Das alles beherrschende Thema ist die Entwicklung in Libyen", sagte ein Händler. Sollten die Öllieferungen aus der arabischen Welt stärker ins Stocken kommen, sei die Erholung der Weltkonjunktur bedroht. "Und für neue Konjunkturprogramme haben die Staaten dieses Mal - anders als 2008 - kein Geld."

Für viele Anleger seien die Nachrichten aus Libyen und der damit steigende Ölpreis ein Grund, Kasse zu machen, erklärte ein Händler.

Die Revolte gegen den libyschen Machthaber Muammar Gaddafi hievte den Preis für US-Leichtöl WTI auf über 98 Dollar und für Nordseeöl der Sorte Brent auf über 110 Dollar. Beide Ölsorten kosteten damit so viel wie seit Frühherbst 2008 nicht mehr, als die Pleite der US-Investmentbank Lehman die Weltkonjunktur in ihre tiefste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg stürzte.

Ölkonzern OMV befürchtet Ausfall der Produktion

Selbst unerwartet gute Immobiliendaten aus den USA bremsten die Talfahrt des Dax kaum. Am Aktienmarkt trafen die Folgen der Unruhen vor allem die in Wien notierten Aktien des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV, die um 5,7 Prozent einbrachen. Das Unternehmen fürchtet einen zeitweiligen Totalausfall seiner Produktion in Libyen.

Autotitel sehr schwach - Volkswagen unter Druck

Gebremst wurde der Dax von Aktien jener Unternehmen, die stark von der Entwicklung der Wirtschaft abhängig sind. So zählten VW, BMW und Daimler mit Abschlägen von bis zu 3 Prozent zu den größten Verlierern. Sie waren im vorigen Jahr die Favoriten der Börse.

Ansonsten gingen die Verluste quer durch alle Sektoren. Verschont wurden nur Aktien der als unabhängig von der Konjunktur geltenden Gesundheits- und Pharmakonzerne wie Fresenius und Merck, die 1,4 beziehungsweise 0,4 Prozent im Plus schlossen.

Hewlett Packard bricht ein - Belastung für Technologiewerte

Gesenkte Umsatzziele von Hewlett-Packard (HP) belasteten die Technologiewerte europaweit. Im Dax zählten Infineon mit einem Abschlag von gut 3 Prozent zu den größten Verlierern. Hewlett-Packard Börsen-Chart zeigen büßten in New York zeitweise mehr als 10 Prozent ein.

Commerzbank nach Zahlen nur kurzzeitig gefragt

Die Aktien der Commerzbank konnten nur zeitweise von den Geschäftszahlen des Instituts profitieren. Bis zum Abend gaben die Titel ihre Gewinne von bis zu 3,6 Prozent wieder ab und schlossen mit 6,14 Euro 1,3 Prozent im Minus. Die Commerzbank habe zwar die Erwartungen übertroffen, schrieb DZ-Bank-Analyst Matthias Dürr. Die Qualität der Jahresbilanz sei aber gering.

Schlecht kam bei den Anlegern vor allem die Bilanz des Triebwerksbauers MTU an: Die Aktien brachen im MDax zeitweise um mehr als neun Prozent ein und beendeten den Handel mit einem Minus von vier Prozent. Demag-Cranes-Aktien fielen um über fünf Prozent, was Händler auf nachlassende Fusionsphantasie zurückführten.

mg/la/dpa-afx

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