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Proteste gegen Gaddafi: Machtkampf in Libyen

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Börse Aufstand in Libyen vertreibt Anleger

Die Eskalation der Gewalt in dem wichtigen Ölförderstaat Libyen lassen die Preise für Öl und Gold deutlich steigen. Aktien geraten dagegen unter Druck. Der Dax verliert im Tagesverlauf mehr als 100 Punkte und schließt nur knapp über 7300 Zählern.

Frankfurt am Main - Die sich zuspitzende Lage in Libyen hat am Montag unter anderem die Aktien europäischer Energiekonzerne belastet. Zugleich zog der Ölpreis steil an - und diese Gemengelage drückte die Aktienmärkte.

Der Dax  baute bis zum späten Nachmittag seine Verluste auf 1,4 Prozent aus und schloss bei 7321 Punkten. Am Vormittag hatte er zeitweise bei 7440 Zählern notiert. An der New Yorker Wall Street wurde heute wegen eines Feiertags nicht gehandelt.

Die Papiere der im deutschen Leitindex schwer gewichteten BASF  gehörten mit einem Abschlag von rund 3 Prozent zu den größten Verlierern im Index. Händler verwiesen auf das Engagement der Konzerntochter Wintershall in Libyen, die ihre dortige Produktion der acht Ölfelder wegen der Proteste drosseln muss.

Wintershall produziert in Libyen pro Tag bis zu 100.000 Barrel Öl, BASF benötigt den Rohstoff zur Herstellung vieler Chemikalien.

Ölpreis auf 30-Monats-Hoch

Die Massenproteste gegen den libyschen Machthaber Muammar Gaddafi haben Menschenrechtlern zufolge inzwischen mehr als 200 Tote gefordert. Eine Beruhigung ist nicht in Sicht: Gaddafis Sohn kündigte einen Kampf bis zum Ende an.

Angesichts dieser Entwicklungen stieg der Preis für ein Barrel der Nordsee-Ölsorte Brent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 104,60 Dollar. Die Anteilsscheine der in Libyen tätigen Ölfirmen Eni  und OMV notierten jeweils mehr als 4 Prozent im Minus. Neben Wintershall haben auch Konzerne wie BP inzwischen ihre Aktivitäten im Land zurückgefahren. Die Aktien des britischen Ölkonzerns machten am Nachmittag aber Verluste wett und notierten 0,2 Prozent im Plus.

ifo-Index: Deutsche Firmen bleiben optimistisch

Am Morgen hatten neue Rekordhochs beim Ifo-Geschäftsklimaindex und dem Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe noch für Schwung gesorgt und den Dax zeitweise auf 7441 Punkte gehievt, den höchsten Stand seit drei Jahren.

Händlern zufolge fehlten aber die Investoren aus den USA, um dem deutschen Leitindex im Laufe des Handelstages wieder auf die Beine zu helfen. In den USA blieben die Börsen wegen eines Feiertages geschlossen. "Die große Frage für den Aktienmarkt ist, wie geht es mit der Konjunktur weiter", sagte Aktienstratege Jörg Rahn vom Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co. Und da sei ein weiter steigender Ölpreis tendenziell negativ.

Merck nach Zahlen gefragt

Im Moment kämen aber sowohl von den Makrodaten als auch von den Unternehmensbilanzen weiter optimistische Signale. "Man kann davon ausgehen, dass bei den Bilanzen in diesem Quartal noch sehr viel Dynamik drin ist, nicht zuletzt stützen auch die Zahlen von Merck diese Einschätzung." Der Darmstädter Konzern überzeugte die Anleger vor allem mit seinem Ausblick auf die kommenden Monate. Die Investoren trieben die Aktien um 4,4 Prozent nach oben an die Dax-Spitze.

Fusionsphantasien treiben MAN

Ebenfalls gefragt blieben die Titel von MAN mit einem Plus von 2,3 Prozent. Der Lkw-Hersteller hat die Veröffentlichung seiner Jahresbilanz und auch seine Hauptversammlung nach hinten verschoben. "Das heizt nun Fusionsspekulationen an", sagte ein Händler.

Großaktionär VW will, dass MAN mit dem schwedischen Konkurrenten Scania zusammengeht. Zuvor muss allerdings der endgültige Ausstieg bei der einstigen Tochter Ferrostaal gelingen. Noch hält MAN 30 Prozent an dem Industriedienstleister. "Die Leute hoffen, dass die Verschiebung der Bilanzvorlage auch mit den entsprechenden Verhandlungen zu tun haben könnte", sagte der Händler.

Nebenwerte: MTU gefragt, Gewinnmitnahmen bei Q-Cells

Die Gewinnerliste im MDax führten MTU Aero Engine mit einem Plus von 4,1 Prozent auf 52,06 Euro an. Analysten rechnen bei der Vorlage der Bilanz des Triebwerksbauers am Mittwoch mit einem höheren Gewinn und einer Anhebung der Dividende.

Gewinnmitnahmen belasteten Q-Cells, die im TecDax um 5,1 Prozent auf 3,28 Euro nachgaben. Händler verwiesen darauf, dass die Titel allein in den vergangenen fünf Handelstagen rund 25 Prozent zugelegt hatten. Am Dienstag will Q-Cells vorläufige Zahlen zum vierten Quartal vorlegen.

Drohende Klagen belasten Porsche-Aktien

Ein Bericht über weitere Schadenersatzklagen belastete indes die Aktien von Porsche , die um 1,69 Prozent auf 66,15 Euro nachgaben. Dem Sportwagenbauer drohten im Zusammenhang mit der gescheiterten VW-Übernahme neue Klagen von 14 Investoren über insgesamt mehr als eine Milliarde Euro, zitierte die "Wirtschaftswoche" einen Rechtsanwalt. "Das ist leicht negativ, da diese Klagen die kommende Kapitalerhöhung gefährden könnten", kommentierte ein Börsianer. Dass Porsche laut Aussagen des Unternehmenschefs Matthias Müller in der Fachzeitschrift "Automotive News Europe" über eine Produktion in China und den USA nachdenkt, sollte dagegen keinen Kurseinfluss haben. Die im Dax gelisteten VW-Vorzüge büßten 0,79 Prozent auf 118,70 Euro ein.

Die Commerzbank-Titel  rückten um 0,65 Prozent auf 6,19 Euro vor. Händler verwiesen darauf, dass die Bank nach einem "Focus"-Bericht einen möglichst großen Teil ihrer milliardenschweren Staatshilfen bis zum Sommer zurückzahlen wolle. Diese Rückzahlungen sind laut Marktexperte Klaus Stabel von der ICF Kursmakler AG ein "großes Thema" bei der Commerzbank, über das er sich spätestens am Mittwoch zur Vorlage der Jahreszahlen 2010 Aussagen erhofft. "Darüber hinaus wird interessant sein zu erfahren, was mit der Aktienbeteiligung des Bundes von 25 Prozent geplant ist. Möglicherweise kann die Commerzbank nach IFSR-Standard sogar mit relativ positiven Zahlen überraschen. Davon könnten auch weitergehende Kapitalmaßnahmen abhängig sein."

K+S leiden unter negativer US-Vorgabe

Für die Anteilsscheine von Kali und Salz  ging es hingegen um 1,57 Prozent auf 56,53 Euro nach unten. Ein Händler sah einen negativen Impuls durch sinkende Getreidepreise und eine geldpolitische Straffung in China, was am Freitag in New York bereits die Aktien von US-Konkurrenten wie Mosaic und Potash  belastet hatte.

Am TecDax-Ende sackten die Aixtron-Papiere  um 4,89 Prozent auf 29,15 Euro ab und setzten damit die vor dem Wochenende begonnene Talfahrt fort. Händler verwiesen auf den Konkurrenten Veeco, dessen Aktien am Freitag in den USA um bis zu 7 Prozent zurückgefallen waren. Aixtron hatten am Freitag ebenfalls bereits deutliche Kursverluste von mehr als 4 Prozent verzeichnet, nachdem die Citigroup die Bewertung der Aktie mit "Sell" und einem Kursziel von 20 Euro gestartet hat. Vor allem die Aussagen über ein mögliches Ende der Subventionen in China seien belastend, betonten Händler. Zudem gab es Gerüchte, die kommende Woche anstehenden Zahlen des auf Leuchtdiodenanlagen spezialisierten Maschinenbauers könnten enttäuschen.

Euro schwächer

Der Euro  ist am Montag wieder unter die Marke von 1,37 Dollar gesunken. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Morgen 1,3675 Dollar. Ein Dollar war damit 0,7311 Euro wert. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,3627 (Donnerstag: 1,3560) Dollar festgesetzt.

Grund für den Schub des Euro am Freitag, als der Euro kurzzeitig leicht über die Marke von 1,37 Dollar gestiegen war, waren durch Vertreter der EZB geschürte Zinserhöhungserwartungen. Aus Sicht von EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi stellt die hohe Inflation eine Gefahr dar.

mg/dpa-afx/reuters

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