Sonntag, 25. August 2019

Finanzplätze Die Börsenwelt im Umbruch

Die Fusion von NYSE Euronext und der Deutschen Börse bewegt seit Tagen auch die Händler an der Wall Street. Dass diese bald in "Wall Straße" umbenannt wird, wie eine New Yorker Zeitung titelte, ist unwahrscheinlich. Die Amerikaner dürften im neuen Gebilde das Sagen haben.

Die Deutsche Börse fusioniert mit der NYSE. In der Branche jagt zudem ein Übernahmegerücht das nächste. Wer sind die wichtigsten Spieler? Und was treibt die weltweite Konsolidierung an? Ein Überblick.

Hamburg - Seit Dienstag ist es offiziell. Die Deutsche Börse AG und der Börsenbetreiber NYSE Euronext fusionieren. Die Präsentation der Jahresbilanz, die der Dax-Konzern für den heutigen Mittwoch angekündigt hatte, wurde kurzfristig abgesagt. Zu bedeutsam ist der Zusammenschluss zur weltweiten Nummer eins im Börsenhandel. Der Umsatz des neuen Unternehmens würde bei gut vier Milliarden, die Marktkapitalisierung bei knapp 20 Milliarden Euro liegen.

Für den umstrittenen Zusammenschluss, der bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll, sprechen vor allem Synergien und Skalenerträge. Durch einheitliche IT-Architekturen, gebündelte Dienstleistungen, gemeinsame Handelsplattformen und zentralisierte Verwaltungen wollen die Fusionspartner rund 300 Millionen Euro jährlich einsparen.

Dies dürfte beiden Unternehmen im weltweiten Wettbewerb Luft verschaffen. Denn die globale Konsolidierung schreitet voran. Angetrieben wird sie durch mehrere Faktoren.

Handelssysteme Chi-X und BATS knabbern an den Margen

So haben sich die globalen Börsenbetreiber längst zu IT-Dienstleistern gewandelt. Die Deutsche Börse AG nutzt beispielsweise seit 1997 das elektronische Handelssystem Xetra, um Angebot und Nachfrage zusammenzuführen. Wo die Server stehen, ist fast egal. Den Parketthandel in Frankfurt stellt das Unternehmen im Mai ein. Und auch das Läuten der Glocke an der Wall Street wird wohl bald Geschichte sein.

Vor allem in Europa wird die Konsolidierung zusätzlich durch eine 2007 in Kraft getretene EU-Richtlinie verschärft, die es Anbietern von alternativen und weniger regulierten Handelssystemen erlaubt, mit klassischen Börsen zu konkurrieren. Die zwei größten unter ihnen, Chi-X und BATS, stehen mittlerweile für fast 30 Prozent des Aktienhandels in Europa. Und sie knabbern an den Margen der klassischen Börsen.

Weniger Ausgaben, aber nicht mehr Einnahmen

Kostenseitig wird die geplante Fusion von Frankfurter und New Yorker Börse daher von kaum einem Experten angezweifelt. Auf der Einnahmeseite hingegen schon. Denn die weltweite Konsolidierung wird diesbezüglich vor allem von zwei weiteren Trends angefacht.

Einerseits streben Anleger seit Jahren weg vom klassischen Aktienhandel hin zu Derivaten. In diesem Segment erwirtschaftet die Deutsche Börse AG über ihre Terminbörse Eurex inzwischen mehr als ein Drittel ihrer Umsätze. Im klassischen Aktienhandel sind es demgegenüber weniger als 10 Prozent. Die Terminbörse Liffe von NYSE Euronext kann da nicht mithalten.

Außerdem hilft die Fusion keinem der Partner im Wettbewerb um Wachstumsmärkte. Während auf den gemeinsamen Märkten Deutschland, Europa und Nordamerika die Zahl der Börsengänge stagniert, gelten Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien als zukunftsträchtig. Dutzende Neuemissionen stürmen in diesen Ländern Jahr für Jahr an die Börsen.

Im Hinblick auf die weltweite Konsolidierung werden sowohl Kosteneffizienz als auch Wachstumschancen über Allianzen, Übernahmen und Zusammenschlüsse entscheiden. Mit Blick auf die jetzt verkündete Fusion von Deutscher Börse und NYSE Euronext geraten zunächst allerdings die Wettbewerber unter Druck.

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