Börse Viel Gesprächsstoff, wenig Käufer

Gesprächsstoff gab es am Mittwoch am Aktienmarkt jede Menge: nur so richtig drauf handeln konnte die Investoren nicht. Der Dax schloss auf Xetra kaum verändert, obwohl Bundesbankchef Axel Weber, die Deutsche Börse und die New Yorker Börse NYSE für Schlagzeilen sorgten.
Neuer Höchststand: Der Dax testete am Mittwoch zeitweise ein Dreijahreshoch bei 7350 Punkten, ging dann aber mit einem knappen Minus aus dem Handel

Neuer Höchststand: Der Dax testete am Mittwoch zeitweise ein Dreijahreshoch bei 7350 Punkten, ging dann aber mit einem knappen Minus aus dem Handel

Foto: Boris Roessler/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Frankfurt am Main - So wurden die Fusionsgespräche der Deutschen Börse mit dem Betreiber der New Yorker Börse Nyse Euronext erst bekannt, als die Aktien des Frankfurter Börsenbetreibers bereits vom Handel ausgesetzt waren. Zuvor hatte die Deutsche Börse  knapp 2 Prozent zugelegt und zogen nach Xetra-Schluss im außerbörslichen Handel um weitere 5 Prozent an.

Auch die Diskussionen um die Zukunft von Bundesbankchef Axel Weber bewegte zwar die Gemüter, aber nicht die Aktienkurse. Lediglich der Euro ging kurzzeitig in die Knie, erholte sich im späten Handel aber wieder.

Dax kaum verändert

Der Dax  beendete daher den Handel nahezu unverändert mit 7320 Punkten. "Aber sollte die Fusion der Deutschen Börse klappen, könnte das insgesamt die Spekulationen auf Übernahmen auch in anderen Branchen ankurbeln und den Dax weiter hoch treiben", sagte ein Händler. Schon vor der Aussetzung der Aktien am Nachmittag hatte Reuters über diverse Übernahmespekulationen berichtet. Auslöser dafür war das Übernahmeangebot der Londoner Börse (LSE) für die kanadische Börse TMX in Toronto.

Die Nyse Euronext bestätigte am Abend Berichte, wonach die Fusionsgespräche schon weit fortgeschritten sind. Ein Abkommen gebe es aber noch nicht. Sollte es dazu kommen, hoffen Anleger auf hohe Synergie-Effekte, was die Unternehmen und damit ihre Aktien attraktiver macht.

Aktien der NYSE Euronext klettern um knapp 20 Prozent

New York wurde am Abend der Handel mit den Aktien der Nyse Euronext wieder aufgenommen. Die Titel sprangen um über 18 Prozent in die Höhe. In Deutschland blieben den Anlegern nur alternative Plattformen, um sich mit den Aktien der Frankfurter Börsenbetreiber einzudecken.

Bei Lang & Schwarz stiegen die Aktien bis zum Abend auf 61,50 Euro an: ein Plus von gut 5 Prozent zum Kurs vor der Aussetzung. Wie positiv die Anleger die Konsolidierung der Börsen-Branche sehen, zeigt auch der Anstieg der Kurse der in Fusionsgesprächen stehenden Londoner Börse, die um 3Prozent zulegten. Die Aktien der Börse von Toronto stiegen um 5,7 Prozent an.

Weber verzichtet offenbar auf EZB-Chefkandidatur

Der sich abzeichnende Verzicht von Bundesbank-Chef Axel Weber auf den EZB-Chefposten löste an in den Handelsabteilungen der Banken Spekulationen aus, Weber könnte den Chef der Deutschen Bank - Josef Ackermann - beerben. In Frankfurter Finanzkreisen hieß es, dazu gebe es bislang keine Vereinbarung. Ackermann will spätestens 2013 seinen Posten räumen.

Börsianer äußerten sich zu den Chancen Webers unterschiedlich. Während einige an Webers Erfahrungen als Banker und Unternehmenslenker zweifelten, konnten andere der Idee einiges abgewinnen. "Weber ist so super gut vernetzt, dass das für die Deutsche Bank nur gut wäre", erklärte ein Börsianer. Der Aktienkurs der Deutschen Bank reagierte nicht auf die Spekulationen.

Über die Nachfolge von EZB-Chef Jean-Claude Trichet machten sich die Börsianer am Aktienmarkt weniger Gedanken. Egal wer die Leitung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) übernehme: die auf Preisstabilität ausgerichtet Politik der Notenbank werde garantiert, erklärte Unicredit-Zinsspezialist Kornelius Purps.

Metro und Linde profitieren von Empfehlungen

Ansonsten bewegten einige Analystenkommentare die Kurse im Dax: Ganz oben standen die Aktien der Metro  , mit einem Plus von 3,7 Prozent, nachdem die Analysten der Deutschen Bank Händlern zufolge ihre Kaufempfehlung bekräftigt hatten. Eine Kaufempfehlung der Societe Generale ließ Anleger bei den Linde-Aktien zugreifen, die um zwei Prozent zulegten.

MDax: Heidelberger Druck nach Zahlen gefragt

Die Berichtssaison nimmt derweil mit zahlreichen Unternehmen aus der zweiten Reihe ihre Fortsetzung. Mit Blick auf die laufende Berichtssaison standen zum Beispiel Maschinenbauer im Fokus. Das angeschlagene Unternehmen Heidelberger Druck  meldete sich im dritten Geschäftsquartal unerwartet stark zurück. Auftragseingang, Umsatz und Gewinn stiegen kräftiger als von Analysten erwartet. Die Aktien kletterten daraufhin an der MDax-Spitze um 5,83 Prozent auf 3,96 Euro.

Die Anteilsscheine von Gildemeister  sanken dagegen um 0,35 Prozent auf 16,85 Euro. Der Werkzeugmaschinenbauer blickt zwar nach einem erfolgreichen Geschäft 2010 optimistisch auf das laufende Jahr. Auch ein Börsianer lobte diesen "guten Ausblick". Die nun für das erste Halbjahr geplante Kapitalerhöhung sei allerdings zunächst wohl angesichts noch fehlender Details eine Belastung, obwohl sie bereits Ende vergangenen Jahres angekündigt worden war.

Tui verringert Verlust

Europas größter Reisekonzern Tui  startet dank anziehender Nachfrage und gesunkener Kosten mit einem verringerten Verlust in das neue Geschäftsjahr. Damit schnitt das Unternehmen deutlich besser ab als von Experten erwartet. Die Container-Schifffahrtsparte Hapag-Lloyd habe gut abgeschnitten, meinte Analyst Johannes Braun von der Commerzbank. Die Tui-Papiere zogen um 1,58 Prozent auf 10,61 Euro an.

Ölpreise gestiegen

Die Ölpreise sind ebenfalls gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im März kostete im asiatischen Handel 100,37 Dollar. Das waren 45 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediatekletterte um 54 Cent auf 87,48 Dollar.

Die Kursgewinne an den asiatischen Aktienmärkten stützten laut Händlern auch die Ölpreise. Die jüngste Leitzinsanhebung in China dürfte die robuste wirtschaftliche Entwicklung dort nicht zu sehr belasten.

mg/dpa-afx
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