Börse Eskalation in Ägypten verunsichert Investoren

Die Angst vor einer weiteren Eskalation der Auseinandersetzungen in Ägypten hat am Donnerstag die Anleger an den europäischen Aktienmärkten gebremst. Der Dax schließt dennoch auf dem höchsten Niveau des laufenden Jahres.
Börse in Frankfurt: Der Dax notiert kaum verändert

Börse in Frankfurt: Der Dax notiert kaum verändert

Foto: PAWEL KOPCZYNSKI/ REUTERS

Frankfurt am Main - Der Dax  hat am Donnerstag auf dem höchsten Stand des laufenden Jahres geschlossen. Gute Zahlen der Deutschen Bank stützten den Index. Die Ergebnisse der EZB-Sitzung gaben am Nachmittag allerdings ebenso wenig nachhaltige Impulse wie aktuelle Konjunkturdaten aus den USA.

Am Ende rückte der Leitindex um 0,14 Prozent vor auf 7193,68 Punkte. Der MDax legte um 0,28 Prozent auf 10.269,65 Punkte zu, während der TecDax um 0,15 Prozent auf 876,07 Punkte vorrückte.

Konflikt in Ägypten beunruhigt Anleger

"Der Konflikt in Ägypten nimmt an Schärfe zu. Das beunruhigt die Anleger", fasste ein Händler die Stimmung zusammen. In Kairo liefern sich seit Mittwoch Anhänger und Gegner des Präsidenten Husni Mubarak heftige Straßenschlachten. Anleger fürchten, dass die Proteste auf ölexportierende Länder der Region übergreifen, die Transportwege bedrohen und damit die Ölversorgung gefährden könnten.

Der Preis für ein Fass Nordseeöl der Sorte Brent zog zeitweise um rund einen Dollar auf 103,37 Dollar je Barrel an und notierte damit so hoch wie seit dem 26. September 2008 nicht mehr. "Damit könnten die Inflationsgefahren steigen", erklärte ein Händler.

EZB warnt vor kurzfristigen Inflationsrisiken

Auf ihrer mit Spannung erwarteten Sitzung beließ die Europäische Zentralbank den Leitzins wie erwartet abermals unverändert. EZB-Chef Jean-Claude Trichet blieb bei seiner Warnung vor kurzfristigen Inflationsrisiken, erwartet mittelfristig aber Preisstabilität.

Die EZB beließ den Leitzins wie erwartet bei einem Prozent. Auf der anderen Seite des Atlantiks dürfte US-Notenbankchef Ben Bernanke Analysten zufolge am Abend bekräftigen, dass für die Fed weiterhin die Ankurbelung der Konjunktur Vorrang hat.

Deutsche Bank stützt den Dax

Im Dax avancierten die Aktien der Deutschen Bank  gemeinsam mit MAN zum größten Gewinner, nachdem Vorstandschef Josef Ackermann sein Ziel eines Vorsteuergewinns von zehn Milliarden Euro für 2011 bekräftigt hatte. Zunächst hatten Zweifel an der Erreichbarkeit des für 2011 angepeilten Rekordgewinns die Aktie belastet. Im Schlepptau der Deutschen Bank stiegen auch die Titel der Commerzbank um 0,7 Prozent auf 5,73 Euro

Nebenwerte: Hugo Boss gefragt

Ebenfalls im MDax griffen die Anleger angesichts des Rekordgewinns von Hugo Boss bei den Aktien des Modeherstellers zu, sie gewannen 3,4 Prozent. "Die Zahlen waren besser als erwartet", erklärte ein Händler. Eine Kaufempfehlung schob die Titel von Salzgitter um 2,5 Prozent an.

ACS-Erfolg belastet Hochtief, ACS-Aktie bricht ein

Dagegen belastete der Erfolg von ACS im Übernahmepoker um Hochtief die Aktien von Deutschlands größtem Baukonzern. Mit einem Abschlag von 2,7 Prozent waren die Papiere zeitweise Schlusslicht bei den Nebenwerten. ACS hat sich gut 33 Prozent des Essener Traditionskonzerns gesichert. Damit können die Spanier über die Börse Hochtief-Aktien zukaufen und sich so in Ruhe die anvisierte Mehrheit sichern - ohne ein kostspieliges Pflichtangebot vorlegen zu müssen.

Die ACS-Papiere gaben in Madrid allerdings um 9,2 Prozent auf 33,91 Euro nach. Händler begründeten die herben Abschläge mit dem Anteilsverkauf eines Großaktionärs. Die Papiere von Singulus legten im TecDax mit 4,8 Prozent am deutlichsten zu. Der Spezialmaschinenbauer machte seinen Anlegern Hoffnung auf schwarze Zahlen in diesem Jahr. Zudem machten die Papiere von Qiagen nach einem positiven Analystenkommentar der Societe General mit einem Plus von 2,5 Prozent ihre Vortagesverluste wett.

Euro knapp unter 1,38 Dollar, Öl über 103 Dollar

Der Euro  hat sich am Donnerstag vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) knapp unter der Marke von 1,38 Dollar eingependelt. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Morgen 1,3795 Dollar. Ein Dollar war damit 0,7246 Euro wert. Die EZB hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,3803 (Dienstag: 1,3755) Dollar festgesetzt.

Die Gewalt in Ägypten hat die Ölpreise am Donnerstag weiter in die Höhe getrieben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im März kostete am Morgen 103,24 Dollar. Das waren 90 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate legte am Morgen um 62 Cent auf 91,48 Dollar zu.

Nach einer Zuspitzung in der Nacht mit mehreren Toten hat sich die Lage in Ägypten auf dem Tahrir-Platz in Kairo wieder etwas entspannt. Das nordafrikanische Land ist zwar kein wichtiger Ölproduzent, es kontrolliert aber den Suezkanal, über den ein großer Teil der regionalen Ölproduktion transportiert wird. Zudem wird befürchtet, dass die Unruhen auf weitere Staaten in Afrika und im Mittleren Osten übergreifen könnten.

mg/dpa-afx
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