Börse Spanien setzt Finanztitel unter Druck

Der Rekordgewinn des Industrieriesen Siemens hat Anleger nicht aus der Reserve gelockt. Verluste an den US-Börsen drücken den deutschen Leitindex bis zum Handelsschluss auf Xetra ins Minus. Sorgen um spanische Finanzhäuser sorgen europaweit für deutliche Kursverluste bei Bankentiteln.
Börse in Frankfurt: Anlegern fehlt derzeit der Mut zu Anschlusskäufen

Börse in Frankfurt: Anlegern fehlt derzeit der Mut zu Anschlusskäufen

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

New York / Frankfurt am Main - Der Rekordgewinn des Industrieriesen Siemens hat Anleger am deutschen Aktienmarkt am Dienstag nicht aus der Reserve gelockt. Der Dax  schloss 0,1 Prozent tiefer bei 7059 Punkten. Die Nervosität der Anleger lässt sich auch am Kursverlauf der Siemens-Aktie ablesen. Das Papier schloss nach anfänglichen Kursgewinnen von rund 2 Prozent am Ende sogar 0,3 Prozent im Minus.

Der Grund: Die US-Börsen notierten bei Handelsschluss in Europa im Minus. Der Dow-Jones-Index, der S&P 500 und der Nasdaq-Composite gaben jeweils 0,6 Prozent ab.

"Gute Zahlen werden derzeit nur als Bestätigung für den jüngsten Aufwärtstrend gesehen, und ob der in den kommenden Monaten tatsächlich anhält, bleibt die große Unbekannte", sagte ein Börsianer. "Keiner weiß so recht, wo an den Aktienmärkten derzeit der Zug hinfährt", sagte ein anderer Börsianer. "Deshalb bleibt der Dax in seiner technischen Handelsspanne zwischen 6900 und 7200 Punkten gefangen."

Siemens mit starker Quartalsbilanz

Die Aktien von Dax-Schwergewicht Siemens  gaben im Handelsverlauf ihre kompletten Gewinne wieder ab. Allerdings hatte das Unternehmen schon vor einigen Wochen eine Orientierung für das Quartal gegeben. Deshalb ist die Überraschung begrenzt", erklärte ein Börsianer. Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft stieg bei den Münchenern von Oktober bis Dezember um fast ein Fünftel auf 1,79 Milliarden Euro.

Infineon sehr fest

Gegen den schwachen Gesamttrend legten die Aktien von Infineon  deutlich zu. BASF  und Bayer profitierten unterdessen laut Händlern von der Anhebung der Gewinnprognose des US-Chemiekonzerns DuPont und legten 1,4 beziehungsweise 0,5 Prozent zu.

Auf der Verliererseite standen dagegen zuletzt gefragte dividendenstarke Titel wie E.ON und RWE. Die Aktien der beiden Energiekonzerne verloren jeweils rund 2 Prozent.

Bankentitel europaweit unter Druck - Sorgen um spanische Geldhäuser

Zu den schwächsten Werten im Dax  zählten im Gleichlauf mit europäischen Finanzwerten die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank. "Das hat mit aufkeimenden Befürchtungen zu tun, dass die Europäer den Euro-Rettungsschirm EFSF nicht richtig einsetzen und dort weiter Unstimmigkeit zwischen den Regierungen herrscht", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research.

Auf Talfahrt gingen insbesondere spanische Bankenwerte: In Madrid gaben Bankinter, Banco de Valencia, Santander und BBVA zwischen 3,2 und fünf Prozent nach. Den Analysten der Matrix Group zufolge könnte die von der spanischen Regierung geforderte Kernkapitalquote von über 8 Prozent womöglich zu niedrig sein, um das Vertrauen in den spanischen Bankensektor zu stärken.

Euro rutscht unter 1,36 Dollar

Der Euro  ist am Dienstag unter 1,36 Dollar gerutscht. Händler machten für die Verluste eine große Verkaufsorder verantwortlich. Damit sei der Euro unter die charttechnische Marke von 1,3615 Dollar gefallen, was zusätzliche Verkaufsorders ausgelöst habe. Zuvor hatte die hohe Nachfrage nach den Anleihen des EU-Rettungsfonds EFSF den Euro noch bis auf 1,3687 Dollar getrieben.

mg/dpa-afx
Mehr lesen über Verwandte Artikel