Börsenausblick Stimmt der Ausblick, geht's nach oben

Händler blicken zuversichtlich auf die neue Handelswoche. Die Berichtssaison dürfte dem Dax neuen Schwung geben. Unter anderem legen Siemens und SAP ihre Zahlen vor. Aber weniger die Ergebnisse selbst als der Ausblick der Konzerne sei entscheidend, heißt es. Denn die Ertragsfantasie sei derzeit die Haupttriebfeder für steigende Kurse.
Nach dem Wettbewerber Philips wird Siemens am Dienstag über das erste Geschäftsquartal berichten

Nach dem Wettbewerber Philips wird Siemens am Dienstag über das erste Geschäftsquartal berichten

Foto: A2585 Frank Leonhardt/ dpa

Frankfurt am Main - Die Zuversicht, dass sich nach Jahren der Krise nun eine nachhaltige Konjunkturerholung durchsetzt, hatte den Leitindex Dax  in den vergangenen Tagen zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit Mai 2008 getrieben. In der neuen Woche erreicht die Bilanzierungswelle zunehmend Europa, und mit Siemens und SAP berichten auch die ersten Dax-Werte.

"Konjunkturoptimismus, reichlich Liquidität und der positive Start in die Berichtssaison sind Trumpf", beschreibt es die Landesbank Berlin (LBB) in einem Kommentar. Mit Ausnahme einiger Finanzinstitute, wie zum Beispiel der Citigroup, hätten bisher alle Konzerne die Erwartungen übertroffen. "Die Ertragsfantasie gehört derzeit zu den Haupttriebfedern des Aktienmarktes", so die LBB.

Unsicherheitsfaktor bleiben die Diskussionen rund um die europäische Schuldenkrise; und dabei vor allem um die Ausweitung des europäischen Rettungsfonds EFSF. Anfang der Woche wird der EFSF erstmals am Kapitalmarkt Geld einsammeln - über eine fünfjährige Anleihe mit einem Volumen zwischen drei bis fünf Milliarden Euro. Viele Analysten gehen davon aus, dass die Papiere reißenden Absatz finden werden.

Schuldenkrise bleibt Unsicherheitsfaktor

In der vergangenen Woche hat der Dax nur leicht zugelegt. Nachdem der Leitindex Mitte der Woche bis auf 7165 Zähler gestiegen war, nahmen Anleger Gewinne mit. Am Freitag hatte der Dax den Handel bei 7062 Punkten beendet.

"Entscheidend für den Dax wird sein, was machen die Unternehmen, welchen Ausblick geben sie, und wie beurteilen sie ihr Umfeld", sagt Postbank-Stratege Heinz-Gerd Sonnenschein. "Das gibt wichtige Aufschlüsse über die konjunkturelle Lage."

Gleich am Montag berichtet Siemens-Rivale Philips . Analysten gehen davon aus, dass der Elektronikkonzern vor allem dank seiner Leuchtstoffsparte den Reingewinn mehr als verdoppelt hat. Siemens  wird am Dienstag Zahlen zum ersten Quartal 2010/11 vorlegen und seine Hauptversammlung abhalten. Dabei steht unter anderem das Vergütungssystem des Aufsichtsrats zur Abstimmung.

SAP  folgt am Mittwoch mit seinen Geschäftszahlen. Da Eckdaten bekannt sind, wird vor allem der Ausblick spannend. Außerdem warten Investoren auf Informationen darüber, wie die Kosten des Oracle-Prozesses gestemmt werden sollen. Ein US-Gericht hatte SAP Ende November zur Zahlung von umgerechnet einer Milliarde Euro an den Konkurrenten verurteilt. Zurückgestellt hat SAP dafür bisher nur umgerechnet 120 Millionen Euro.

Unternehmen, deren Zahlen außerdem auch für Anleger am hiesigen Markt interessant werden dürften, sind Texas Instruments , Johnson & Johnson , Procter & Gamble  und Nokia .

Deutliche Belebung der US-Wirtschaft erwartet

Von Konjunkturseite wird wohl die erste Schätzung zum US-Wirtschaftswachstum im vierten Quartal (Freitag) den Optimismus weiter anheizen. Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank  erwartet eine deutliche Belebung und sagt ein Plus von 3,5 (Vorquartal: 2,6) Prozent voraus. Hauptgrund seien die Verbraucher, denen das Geld in der Weihnachtszeit wieder deutlich lockerer in der Tasche gesessen haben dürfte.

Wichtige Hinweise zur Konjunkturdynamik erhoffen sich Investoren auch von den europäischen Einkaufsmanagerindizes am Montag sowie den Verbraucherpreisdaten aus Deutschland am Donnerstag. "Wir gehen davon aus, dass die Teuerungsrate in Deutschland im Januar erneut leicht gestiegen ist und sie sich mit 1,9 Prozent allmählich der aus Sicht der EZB kritischen Zwei-Prozent-Marke nähert", so Balz.

Zentralbank-Chef Jean-Claude Trichet hatte erst vor kurzem seine Rhetorik deutlich verschärft und vor einem kurzfristig höheren Inflationsdruck gewarnt. An den Märkten hatte dies Zinserhöhungsspekulationen ausgelöst.

rei/reuters
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