Dienstag, 25. Juni 2019

Börsenhype Die Rückkehr der Reichmacher

Facebook ist angeblich 50 Milliarden Dollar wert. Start-ups wie Groupon, LinkedIn oder Twitter hetzen an die Börse, weil Fantasie wieder mehr zählt als nüchterne Bilanzen. Wie 1999 werden Reichmacher herumgereicht - und Anleger machen mit, weil eine Geldwelle sie ins Casino trägt.

Hamburg - Nun also Groupon. Die Investorengemeinde ist noch von dem für 2012 geplanten Facebook-Börsengang berauscht, da wartet bereits der nächste Börsenkandidat mit einer wundersamen Wertvermehrung auf.

Vor sieben Wochen erst wies Groupon-Gründer Andrew Mason die sechs Milliarden Dollar schwere Kaufofferte des Internetgiganten Google zurück. Vor einer Woche zog die Schnäppchenjäger-Plattform mühelos eine der größten Kapitalerhöhungen der Start-up-Szene durch und sammelte rund eine Milliarde Dollar von Investoren ein, darunter die US-Investmentbank Morgan Stanley. Groupon wolle noch in diesem Jahr an die Börse gehen und lasse sich derzeit von verschiedenen Topbanken beraten, raunen sich jetzt entzückte Banker an der Wall Street zu. Das rund zwei Jahre junge Unternehmen soll nun bereits 15 Milliarden Dollar wert sein.

Damit wäre der Rabattmarkenvermittler Groupon weniger wert als Facebook, aber bereits mehr als doppelt so wertvoll wie die Deutsche Lufthansa. Der Bewertung des hoch gehandelten Internetstart-ups kommt zugute, dass die Regeln während dieser neuen Spekulationsblase genau entgegengesetzt sind zu den Regeln des eigenen Geschäftsmodells: Je horrender der Preis, desto größer die Zahl der Interessenten.

Nicht anfassen, nur anschauen

Das gilt erst recht, wenn die Mehrzahl der potenziellen Käufer an Anteile noch gar nicht herankommt, sondern die Preisbildung über Investmentbanken funktioniert, die sich frühzeitig Anteile gesichert haben. Alle anderen dürfen die neuen Reichmacher nur anschauen, nicht anfassen - das treibt das Verlangen und den Preis weiter. So hat es Goldman Sachs mit seiner Facebook-Beteiligung vorgemacht, so zieht Morgan Stanley im Fall Groupon nach. Investmentbanken haben ohnehin den größten Löffel, wenn es Brei regnet, und werden mit Sicherheit zu den Gewinnern der neuen Blase gehören.

Nun zählt jede Woche. Facebook, das Netzwerk mit rund 500 Millionen Mitgliedern, hat mit seinen Börsenplänen die neue Ära der vermeintlichen Internet-Reichmacher eingeläutet. Facebook ist "the next big thing". Die Schnäppchenjägerplattform Groupon, das Karrierenetzwerk Linkedin oder der Zwitscherdienst Twitter haben längst nicht die Strahlkraft von Facebook, werden aber ebenfalls bereits im grauen Kapitalmarkt gehandelt und könnten an der Börse sein, bevor Facebook mit einem IPO im kommenden Jahr das Geld abschöpft. Groupon, Linkedin oder Twitter sind nicht "the next big thing", aber vielleicht "the next thing."

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