Wertpapierhandel Börsianer gehen optimistisch ins neue Jahr

Zum Jahresauftakt an der Frankfurter Börse sind die Anleger positiv gestimmt. Vieles spricht dafür, dass sich die Dax-Rally des vergangenen Jahres in 2011 fortsetzen wird. Börsianer hoffen auf ein Comeback der USA und richten ihren Blick auf die Arbeitsmarktdaten und den Einkaufsmanagerindex.
Ein neues Börsenjahr beginnt: Die Terminkalender deutscher Unternehmen sind zu Jahresbeginn noch spärlich gefüllt

Ein neues Börsenjahr beginnt: Die Terminkalender deutscher Unternehmen sind zu Jahresbeginn noch spärlich gefüllt

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Frank May/ dpa

Frankfurt am Main - In der ersten Woche des neuen Jahres könnte es an den internationalen Finanzmärkten rasch wieder zu Sache gehen. Zwar sehen die Terminkalender auf der Unternehmensseite noch recht jungfräulich aus, doch schon am 10. Januar fängt in den USA wieder die nächste Berichtssaison an, und da sind einem Börsianer zufolge Überraschungen in alle Richtungen möglich.

Zudem ist mit Blick auf die Konjunkturdaten ein schnelles Erwachen aus dem Winterschlaf angesagt: So wird unter anderem am Freitag der Arbeitsmarktbericht für Dezember aus den USA erwartet.

Generell gelte, "dass frisches Geld angelegt werden will, und gewinnbringendere Alternativen zu den Aktien gibt es kaum", sagte der Börsianer. Banken und Broker sind für das neue Jahr positiv gestimmt und halten es für wahrscheinlich, dass sich der Dax oberhalb der 7000-Punkte-Marke etablierten wird.

Nach einer Umfrage vom Dezember rechnen die Experten im Schnitt damit, dass der Index in zwölf Monaten rund 9 Prozent höher bei 7625 Zählern notiert. Vor einem Jahr waren die meisten wesentlich skeptischer: Im Dezember 2009 hatten Analysten im Schnitt bei einem Stand von 5957 Zählern ein relativ mageres Plus von 4 Prozent auf 6200 Punkte prognostiziert.

Voraussichtlich leichte Entspannung auf dem US-Arbeitsmarkt

Doch der Dax lief 2010 vielen Anlegern davon und stieg um über 17 Prozent auf 6995 Zähler (Stand Mittwochabend). Noch kurz vor Weihnachten hatte es gar nach einem Bruch der 7100er Marke ausgesehen, über der der Dax zuletzt im Juni 2008 notiert hatte - also gut drei Monate vor dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers.

Doch in der letzten verkürzten Handelswoche des Jahre mochte kaum jemand Aktien kaufen. Somit verlor der Leitindex gegenüber der Weihnachtswoche fast ein Prozent. Vor allem die Zinserhöhung in China am zweiten Weihnachtstag verdarb einigen Anlegern den Appetit auf Aktien. "Viele fürchten, dass die Wachstumslokomotive Asien ins Stocken kommen könnte", warnte ein Börsianer.

Die Hoffnungen für 2011 richten sich zum Teil nun wieder auf die USA. "Mit dem ISM-Index am Montag und dem Arbeitsmarktbericht am Freitag stehen zwei sehr spannende Daten an", erklärt Postbank-Analyst Heinrich Bayer. "Um das Bild einer Erholung dort abzurunden, fehlen vor allem noch gute Arbeitsmarktdaten."

Analysten gehen für Dezember von einem Zuwachs von 125.000 nach 39.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft im November aus. Die Arbeitslosenrate könnte auf 9,7 von 9,8 Prozent fallen und damit eine leichte Entspannung signalisieren.

Spanien und Portugal wollen weniger Kredite aufnehmen

Davor steht am Montag der Einkaufsmanagerindex ISM für Dezember an, am Dienstag folgen die Auftragseingänge und am Abend wird das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank vom 14. Dezember veröffentlicht. Am Mittwoch dürfte der Bericht des privaten Dienstleisters ADP zum Arbeitsmarkt den Investoren einen konkreteren Hinweis auf die amtlichen Daten am Freitag geben.

Genau beobachten werden die Anleger 2011 auch die Entwicklung an den Rentenmärkten, nicht nur zum Jahresauftakt. Dass die hoch verschuldeten Länder Spanien und Portugal im nächsten Jahr den Kapitalmarkt weniger anzapfen wollen als 2010, dürfte für ein wenig Entspannung sorgen.

Doch könnten die Anleger auch bei den Schuldpapieren von als sicher geltenden Ländern höhere Renditen verlangen, warnen Analysten. Das bekamen zwischen den Jahren schon die USA zu spüren, als den Anlegern einige Papiere nicht attraktiv genug waren.

Am Euro-Kurs wird man Börsianern zufolge das Vertrauen der Anleger in die Fähigkeit der Staaten, ihre Schulden begleichen zu können, ablesen können. 2010 hat der Euro elf Cent eingebüßt - vor allem wegen der Sorge um die Zukunft der Euro-Zone. Die bekommt dessen ungeachtet am Neujahrstag aber Zuwachs: Estland wird das 17. Mitglied der Währungsunion.

Andrea Lentz, rtr
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