Börsenbilanz 2010 Dax-Anleger lassen die Korken knallen

Am Silvesterabend konnten die Anleger am deutschen Aktienmarkt die Sektkorken knallen lassen. Der Dax hat trotz Schuldenkrise in der Euro-Zone und der Angst vor einem Rückfall der USA in die Rezession die Erwartungen der Anleger klar übertroffen. Seine gute Performance von plus 16 Prozent in diesem Jahr verdankt der Leitindex vor allem Titeln der "old economy".
Hoch hinaus und bester Stimmung: Der Dax hat in diesem Jahr mit einem Plus von 16 Prozent viele andere internationale Aktienindizes hinter sich gelassen

Hoch hinaus und bester Stimmung: Der Dax hat in diesem Jahr mit einem Plus von 16 Prozent viele andere internationale Aktienindizes hinter sich gelassen

Foto: DDP

Frankfurt - Mit einem Plus von 16 Prozent auf 6914 Punkte ist der deutsche Leitindex Dax  im Jahr 2010 nicht nur den Analysten, die im Schnitt für 2010 mit einem Zuwachs von 4 Prozent gerechnet hatten, davongelaufen. Er hat auch die meisten anderen großen Indizes hinter sich gelassen.

Dass Anleger so stark auf Dax-Titel setzten wie auf amerikanische Technologiewerte - das Jahresplus beim Nasdaq Composite  dürfte bei rund 17 Prozent liegen, wenn die US-Börsen an Silvester schließen - hängt laut Börsianern mit der Zusammensetzung des deutschen Leitindex zusammen. Die Industrie ist im Exportland Deutschland eben stärker als die Finanzwelt vertreten. Deutschlands größter Export-Rivale China hat bei den Investoren dagegen 2010 nicht punkten können: Der Shanghai-Composite verlor fast 16 Prozent.

Bankenwerte waren 2010 nicht gefragt

Seine Favoritenrolle verdankt der Dax also in erster Linie einer Reihe von Aktien, die noch zu Beginn dieses Jahrzehnts als "old economy" verspottet wurden: Volkswagen  und BMW  fuhren im fünften Gang so ziemlich allen davon und legten je gut 85 Prozent zu. Mit Infineon konnte aber auch eine der Ikone aus der Zeit des Neuen Marktes mithalten: Die Papiere des Chipherstellers aus München gewannen knapp 80 Prozent. Damit haben die Titel ihr beachtliches Comeback von 2009, als sie über 350 Prozent gewannen, fortgesetzt. Ende 2008 hatte eine Aktie noch weniger als einen Euro gekostet.

Rund 40 Prozent und mehr gewannen im Dax unter anderem die Aktien von Siemens , Lufthansa , Kali und Salz  und BASF . Daimler  fuhren mit einem Aufschlag von 36 Prozent hinterher. Besser als der Dax lagen zudem die Aktien der Metro , die über 25 Prozent gewannen. Ähnlich wie der Dax entwickelten sich die Aktien von SAP  und Fresenius Medical Care .

Schlusslichter waren die Versorger Eon  und RWE , die mehr als 20 Prozent verloren. Wenig en vogue waren auch die Bankenwerte, wobei die Aktien von Deutschlands Branchenprimus Deutsche Bank  mit einem Jahresverlust von gut 13 Prozent deutlich schlechter als die teilverstaatlichte Commerzbank  mit einem Minus von über 5,6 Prozent abschnitten.

Pro7 und Hugo Boss laufen im MDax allen den Rang ab

Pro7 und Hugo Boss laufen im MDax allen den Rang ab

Bei den Nebenwerten im MDax  zählten die Aktien der beiden Börsen-Neulinge Kabel Deutschland und Brenntag mit Kursgewinnen von fast 60 beziehungsweise gut 53 Prozent gegenüber den Ausgabekursen zu den Jahresgewinnern.

Doch mit ProSiebenSat1  und Hugo Boss Vz.  konnten die Debütanten nicht mithalten: Pro7 legten 180 Prozent und Hugo Boss 130 Prozent zu. Die Senderkette hatte schon 2009 bei den Anlegern mit einem Kursplus von 236 Prozent einen guten Eindruck hinterlassen.

Schwächster MDax-Wert waren die Aktien des Konkurrenten von Sky Deutschland, die 25 Prozent verloren. Die Anleger zweifeln am Geschäftsmodell des Bezahl-Fernsehsenders. Die Titel des MDax-Verlierers von 2009 - Tui  - holten dieses Jahr auf und stiegen um knapp 80 Prozent.

Im TecDax , der mit einem mageren Plus von 4 Prozent 2010 ein Mauerblümchen-Dasein führte, waren wie 2009 Q-Cells  die größten Verlierer: Die Aktien des Solarunternehmens verloren über rund 73 Prozent, nachdem sie 2009 schon 55 Prozent eingebüßt hatten.

rei/reuters