Sonntag, 18. August 2019

Ständige Fehlprognosen Schluss mit der Panik!

Ruhe als erste Anlegerpflicht: Die Börse kann schnell hektisch werden - im Bild Händler in Sao Paulo

Während sich die deutsche Wirtschaft und mit ihr der hiesige Leitindex Dax deutlich erholen, scheint uns auf europäischer Ebene die größte Krise aller Zeiten heimgesucht zu haben. Doch Panik ist nicht angebracht, sondern Ruhe vor dem neuen Jahresstart an der Börse - und den neuen Anlageentscheidungen.

Hamburg - Die Bundesbürger schauen auf ein Jahr zurück, dass so niemand für möglich gehalten hat. Plötzlich ist die Bundesrepublik zur Wachstumslokomotive Europas geworden, die Kurse an der Börse in Frankfurt am Main schossen in die Höhe; am heutigen Donnerstag erreichte der Dax gar ein Jahreshoch. Doch jetzt ist es besonders turbulent geworden - insbesondere für Anleihen- und Devisenanleger. Der Grund dafür liefert Europa.

Weil die Wirtschaft der europäischen Nordstaaten viel besser läuft als die vieler Südstaaten, steht die Euro-Zone mächtig unter Spannung. Wie stark, kann jeder Anleger jeden Tag insbesondere an den Kursen der Süd-Staatsanleihen ablesen: Investoren weltweit fordern scheinbar immer höhere Risikoentschädigungen dafür, dass sie Portugal, Spanien, Italien, Griechenland und zuletzt auch Irland, ja, sogar selbst dem eigentlich wirtschaftlich soliden Belgien ihr Geld leihen sollen.

Im Gegenzug erwärmten sich die Anleger für die Bundesanleihen: Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen sind bis Spätsommer massiv gefallen. Im Tief notierte die zehnjährige Anleihe nur noch knapp über 2 Prozent. Doch dann kam die Wende.

Aus Furcht, auch die Bundesrepublik könne in den Abwärtssog der europäischen Schuldenstaaten gezogen werden, ist die Umlaufrendite der deutschen Anleihen wieder bis auf 2,65 Prozent in die Höhe gegangen. Das ist ein Anstieg um satte 46 Prozent innerhalb von nicht einmal vier Monaten. Heute notieren zehnjährige deutsche Anleihen bei 3,02 Prozent, spanische Schuldtitel bei 5,50 Prozent. Aus der berühmten Konvergenz zur Einführung des Euros ist heute eine Divergenz geworden. Aber vergessen wir dabei nicht: Am 30.12.2009 notierte die Umlaufrendite bei 3,02 Prozent, also viel höher als heute. Mittelfristig gesehen kann man also nicht von einem Zinsanstieg sprechen. Deutschland refinanziert seine Staatsverschuldung heute günstiger als vor einem Jahr.

Die zweite rasante Bewegung fand an den Devisenmärkten statt. Der Euro notierte zu Jahresbeginn bei 1,43 Dollar, fiel im Zuge der Panik um Griechenland bis zum 7. Juni 2010 auf unter 1,19 Dollar. Anschließend erholte er sich bis zum 4. November 2010 wieder auf fast 1,43 Dollar und holte damit nahezu seinen gesamten Jahresverlust auf. Die anschließend neu aufflammenden Ängste um Irland, Spanien und Portugal sorgten für eine erneute Abwärtsbewegung bis heute auf 1,33 Dollar. Trotz der sich ausweitenden Krise damit noch immer rund 14 Cent über den Tiefs vom Juni 2010. Die Devisenmärkte scheinen diese Panikattacken nicht mehr nachzuvollziehen - vielleicht ein gutes Beispiel für die Zukunft, wenn man sich den vergangenen Jahresstart mit seinen übertriebenen Ängsten vor Augen führt.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung