Ständige Fehlprognosen Schluss mit der Panik!

Während sich die deutsche Wirtschaft und mit ihr der hiesige Leitindex Dax deutlich erholen, scheint uns auf europäischer Ebene die größte Krise aller Zeiten heimgesucht zu haben. Doch Panik ist nicht angebracht, sondern Ruhe vor dem neuen Jahresstart an der Börse - und den neuen Anlageentscheidungen.
Von Thomas Grüner
Ruhe als erste Anlegerpflicht: Die Börse kann schnell hektisch werden - im Bild Händler in Sao Paulo

Ruhe als erste Anlegerpflicht: Die Börse kann schnell hektisch werden - im Bild Händler in Sao Paulo

Foto: REUTERS

Hamburg - Die Bundesbürger schauen auf ein Jahr zurück, dass so niemand für möglich gehalten hat. Plötzlich ist die Bundesrepublik zur Wachstumslokomotive Europas geworden, die Kurse an der Börse in Frankfurt am Main schossen in die Höhe; am heutigen Donnerstag erreichte der Dax gar ein Jahreshoch. Doch jetzt ist es besonders turbulent geworden - insbesondere für Anleihen- und Devisenanleger. Der Grund dafür liefert Europa.

Weil die Wirtschaft der europäischen Nordstaaten viel besser läuft als die vieler Südstaaten, steht die Euro-Zone mächtig unter Spannung. Wie stark, kann jeder Anleger jeden Tag insbesondere an den Kursen der Süd-Staatsanleihen ablesen: Investoren weltweit fordern scheinbar immer höhere Risikoentschädigungen dafür, dass sie Portugal, Spanien, Italien, Griechenland und zuletzt auch Irland, ja, sogar selbst dem eigentlich wirtschaftlich soliden Belgien ihr Geld leihen sollen.

Im Gegenzug erwärmten sich die Anleger für die Bundesanleihen: Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen sind bis Spätsommer massiv gefallen. Im Tief notierte die zehnjährige Anleihe nur noch knapp über 2 Prozent. Doch dann kam die Wende.

Aus Furcht, auch die Bundesrepublik könne in den Abwärtssog der europäischen Schuldenstaaten gezogen werden, ist die Umlaufrendite der deutschen Anleihen wieder bis auf 2,65 Prozent in die Höhe gegangen. Das ist ein Anstieg um satte 46 Prozent innerhalb von nicht einmal vier Monaten. Heute notieren zehnjährige deutsche Anleihen bei 3,02 Prozent, spanische Schuldtitel bei 5,50 Prozent. Aus der berühmten Konvergenz zur Einführung des Euros ist heute eine Divergenz geworden. Aber vergessen wir dabei nicht: Am 30.12.2009 notierte die Umlaufrendite bei 3,02 Prozent, also viel höher als heute. Mittelfristig gesehen kann man also nicht von einem Zinsanstieg sprechen. Deutschland refinanziert seine Staatsverschuldung heute günstiger als vor einem Jahr.

Die zweite rasante Bewegung fand an den Devisenmärkten statt. Der Euro notierte zu Jahresbeginn bei 1,43 Dollar, fiel im Zuge der Panik um Griechenland bis zum 7. Juni 2010 auf unter 1,19 Dollar. Anschließend erholte er sich bis zum 4. November 2010 wieder auf fast 1,43 Dollar und holte damit nahezu seinen gesamten Jahresverlust auf. Die anschließend neu aufflammenden Ängste um Irland, Spanien und Portugal sorgten für eine erneute Abwärtsbewegung bis heute auf 1,33 Dollar. Trotz der sich ausweitenden Krise damit noch immer rund 14 Cent über den Tiefs vom Juni 2010. Die Devisenmärkte scheinen diese Panikattacken nicht mehr nachzuvollziehen - vielleicht ein gutes Beispiel für die Zukunft, wenn man sich den vergangenen Jahresstart mit seinen übertriebenen Ängsten vor Augen führt.

Bond-Blase voraus?

Während man heute erneut das Platzen der "Anleihenblase" prognostiziert und steigende Zinsen fürchtet, war dies bereits am Jahresanfang 2010 nicht anders. Lassen Sie sich also nicht verwirren.

Eine Standortbestimmung mehrmals im Jahr ist dabei sehr hilfreich. Legen Sie sich doch einfach mal eine Zeitung pro Monat in Ihr persönliches Research-Archiv. Sie werden staunen, wie schnell sich die Themen und Erwartungshaltungen radikal ändern, je nach Nachrichtenlage und Marktkonsens. Im Nachhinein hat das dann angeblich wieder jeder schon vorher gewusst. Um diese, wie Psychologen das nennen, Rückschaufehler zu vermeiden und aus Ihren Fehleinschätzungen zu lernen, hilft eine simple Bestandsaufnahme. Mein persönliches Zeitungsarchiv ist mittlerweile sehr umfangreich. In der Bibliothek meines Partners Ken Fisher finden Sie eine Sammlung vieler Jahrzehnte.

Frühere Markteinschätzungen können Sie wie einen Kompass nutzen. Diese dienen Ihnen als Standortbestimmung. Denken Sie immer daran: Die Mehrheit liegt in ihrer Erwartungshaltung fast immer falsch. Mit dem Strom zu schwimmen heißt auch, fast alle Wendepunkte zu verpassen und immer wieder den diversen Krisendiskussionen nachzugeben und in ebenso diverse Fallen zu tappen.

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