Börse Anleger wechseln die Klassen

Berichte über neue Steuerpläne in China dienen Investoren als Anlass, bei Autotiteln Gewinne mitzunehmen. Dafür sind Finanztitel gefragt. Anleger wechseln zu Titeln, die vermeintlich noch Nachholpotenzial haben.
Börse in Frankfurt: Autotitel bauen ihre Verluste aus

Börse in Frankfurt: Autotitel bauen ihre Verluste aus

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

New York / Frankfurt am Main - Verluste bei zuletzt sehr gefragten Aktien haben den Dax  ins Minus gezogen. Der deutsche Leitindex büßte am Donnerstag 0,2 Prozent ein und ging mit 6964 Punkten aus dem Handel. Er blieb damit aber in Schlagdistanz zur 7000-Punkte-Marke, die er am Dienstag erstmals nach zweieinhalb Jahren wieder übersprungen hatte.

Der MDax sank um 0,85 Prozent auf 9806,02 Punkte, während der TecDax um 0,3 Prozent auf 823 Punkte stieg und somit den siebten Handelstag in Folge ein Plus einfuhr.

Anleger wechseln - von Lieblingen zu Nachzüglern

"Derzeit findet ein Wechsel statt - von Werten, die gut gelaufen sind, in Werte, die bislang nicht gut liefen", sagte Marktanalyst Christoph Schmidt von der Wertpapierhandelsbank N.M.F. AG. Unter anderem haben schwache Autowerte den Dax belastet.

Ähnlich sah es Marktstratege Thilo Müller vom Fondsberater MB Fund Advisory mit Blick auf zuletzt schwächelnde Titel aus der Kommunikations- und Finanzbranche sowie Versorgeraktien. "Dieses Bild hat sich genau umgekehrt." Bei so viel Liquidität im Markt würden auch Nachzügler gekauft. Und bei den Favoriten der jüngsten Vergangenheit wiederum werde Kasse gemacht.

Steuerpläne in China lösen Gewinnmitnahmen bei Autotiteln aus

Vor diesem Hintergrund sanken die Aktien von BMW um 2,75 Prozent auf 60,200 Euro, für die Vorzugstitel von Volkswagen ging es sogar um 3,91 Prozent auf 124,20 Euro nach unten. Nach sehr starken Autoabsatzzahlen aus China wird zunehmend befürchtet, dass die chinesische Regierung im kommenden Jahr keine Steuernachlässe mehr beim Kauf von kleineren Neuwagen gewähren wird. Außerdem gibt es Händlern zufolge Spekulationen, dass nur noch ein Auto pro Haushalt in China erlaubt sein könnte.

In Mitleidenschaft gezogen wurden auch die Aktien einiger Autozulieferer. Die Papiere des Reifenherstellers Continental etwa verloren am Ende des MDax 6,54 Prozent auf 60,470 Euro, die Titel von ElringKlinger gaben um 6,18 Prozent auf 24,900 Euro nach.

Negativer Kommentar belastet Lufthansa

Dax-Schlusslicht waren die Titel der Lufthansa mit minus 4,81 Prozent auf 16,915 Euro. Sie litten unter einem negativen Kommentar der US-Bank Morgan Stanley. Einen Abschlag von 4,57 Prozent auf 6,971 Euro mussten Infineon-Aktien hinnehmen. Auf die Stimmung drückten Aussagen von Vorstandschef Peter Bauer. Er hatte gesagt, Infineon sei nicht auf eine "astronomisch hohe Dividende" aus.

Finanztitel wieder gefragt - Deutsche Bank sehr fest

Zu den Favoriten zählten die in den vergangenen Monaten häufig geschröpften Finanzwerte. Die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank zählten mit plus 2,18 Prozent auf 39,400 Euro sowie 2,46 Prozent auf 5,877 Euro zu den besten Werten im Dax.

Spitzenreiter waren Allianz-Papiere, für die es um 3,16 Prozent auf 90,87 Euro nach oben ging. Der Versicherer hatte am Vortag angekündigt, die Verzinsung seiner Lebensversicherungen für 2011 zu senken und dies mit dem historischen Zinstief an den Kapitalmärkten begründet.

Ein vergleichbares Bild zeigte sich im TecDax, hier dominierten die 2010 bislang unterdurchschnittlich gelaufenen Solarwerte. An der Spitze gewannen die Titel von Q-Cells 10,87 Prozent auf 2,519 Euro.

Wall Street leicht im Minus

Der US- Leitindex Dow Jones lag zum europäischen Handelsschluss im Minus. Belastet von Kursverlusten bei den Papieren des Chemiekonzerns DuPont hat der Dow Jones  bis zum Abend 0,3 Prozent nachgegeben. Positive Konjunkturdaten aber grenzten das Minus ein.

In den USA war die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche überraschend deutlich um 17.000 auf 421.000 gefallen. Ökonomen hatten hingegen nur mit einem Rückgang auf 428.000 gerechnet.

Euro gibt wieder nach

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,56 (Vortag: 2,57) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,07 Prozent auf 124,72 Punkte. Der Bund Future verlor 0,07 Prozent auf 125,13 Punkte. Der Kurs des Euro fiel wieder unter die Marke von 1,32 US-Dollar. Zuletzt notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,3195 Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs noch auf 1,3214 (1,3200) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7568 (0,7576) Euro.

mg/la/dpa-afx
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