Börsenvorschau Dax hat noch Luft nach oben

Die Rekordjagd im deutschen Aktienmarkt wird sich nach Einschätzung von Analysten in der kommenden Woche fortsetzen. Dank sprudelnder Firmengewinne und neuer Geldspritzen der US-Notenbank rückt die 7000-Punkte-Marke beim Dax in Reichweite.
Feierstimmung: Der Dax könnte in der kommenden Woche weiter zulegen

Feierstimmung: Der Dax könnte in der kommenden Woche weiter zulegen

Foto: MICHAEL PROBST/ ASSOCIATED PRESS

Frankfurt - Die Chancen für eine weitere Rekordjagd am deutschen Aktienmarkt stehen in der neuen Woche gut. Analysten rechnen für den Dax mit Rückenwind von steigenden Unternehmensgewinnen und der Aussicht auf billiges Geld von der US-Notenbank Fed.

"Neben der reichlichen Liquidität und den moderaten Bewertungen sollten auch positive Impulse von einer zunehmenden Übernahmetätigkeit sowie dem geglückten Start in die US-Berichtssaison ausgehen", heißt es in einem Marktkommentar der Landesbank Berlin. Der Dax  erreichte am Freitag mit 6512 Punkten ein Zwei-Jahres-Hoch und hat damit seit Jahresbeginn rund 9 Prozent gewonnen.

"Die Finanzmärkte fangen an sich zu normalisieren, das ist aber noch nicht am Aktienmarkt angekommen", ist Marktanalyst Ralf Grönemeyer von Silvia Quandt Research überzeugt. "Es sieht deshalb alles nach einer Jahresendrally aus, wir könnten noch die 7000 Punkte im Dax sehen."

Nach Grönemeyers Einschätzung wird der deutsche Aktienmarkt wie zuletzt besser laufen als viele andere Börsen in Europa. "Die Menschen in Deutschland haben das Gefühl, dass es ihnen wieder bessergeht. Die Wirtschaft bekommt deshalb erstmals seit langer Zeit wieder Rückenwind vom Konsum." Für weitere Kursgewinne spricht nach Einschätzung von ICF-Experte Klaus Stabel derzeit auch die Charttechnik. "Der Dax probt den Ausbruch."

Das Hauptaugenmerk der Investoren dürfte auf der Federal Reserve (Fed) liegen. Sie werden Aussagen der US-Notenbank auf Hinweise abklopfen, in welchem Umfang diese mit einer weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik der US-Wirtschaft unter die Arme greifen wird. Allein für Dienstag sind bislang fünf öffentliche Auftritte führender US-Notenbanker angekündigt.

Fotostrecke

An die Schmerzgrenze: Welche Branchen unter dem teuren Euro leiden

Foto: Fabian Bimmer/ AP

Am Mittwoch folgt das "Beige Book" der Fed zur Konjunkturentwicklung. Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer wird die Fed schon allein wegen des schwächelnden Arbeitsmarktes Anfang November ihr Kaufprogramm für Anleihen ausweiten. Analysten rechnen mit einem Volumen von 500 Milliarden bis eine Billion Dollar.

Auch US-Konjunkturdaten dürften nach ihren Auswirkungen für die Geldpolitik abgeklopft werden, so am Montag die Industrieproduktion im September sowie am Freitag der Konjunkturindex der Fed von Philadelphia ("Philly-Fed-Index") und die Frühindikatoren für September.

Analysten erwarten gute Firmenzahlen

Die Fed steht nach Grönemeyer Einschätzung allerdings nicht nur wegen der Konjunkturlage unter Druck. "Die Zentralbank muss auch deshalb zur Unterstützung bereitstehen, weil sich bei den Banken neue Probleme bei verbrieften Hypothekendarlehen aufgetan haben", erläutert der Analyst.

Vor dem Hintergrund der ausgesetzten Zwangsversteigerungen von Häusern dürfte die Banken-Woche an der Wall Street noch gespannter verfolgt werden. Am Dienstag wollen Goldman Sachs  und Bank of America  ihre Quartalsbilanzen präsentieren. Morgan Stanley  folgt einen Tag später.

Auch jenseits des Bankensektors läuft die US-Bilanzsaison weiter auf Hochtouren. Analysten erwarten, dass wie schon in der abgelaufenen Woche zahlreiche Unternehmen die Erwartungen übertreffen werden. In Europa wird die Bilanzsaison außerhalb Deutschlands weiter Fahrt aufnehmen. Mit Peugeot  (Mittwoch), L'Oreal (Donnerstag) und Volvo  (Freitag) legen Konkurrenten von Dax-Konzernen Zahlen vor.

Auskunft über die Lage der deutschen Wirtschaft versprechen sich Marktteilnehmer vom ZEW-Index am Dienstag und dem Ifo-Index am Freitag. Postbank-Volkswirtin Fabienne Riefer rechnet beim als wichtigsten Indikator für die größte europäische Volkswirtschaft geltenden Ifo-Index zwar mit sinkenden Erwartungen, aber einer anhaltend gute Lageeinschätzung.

nis/rtr