Freitag, 6. Dezember 2019

Rekordjagd an der Börse Dax und Dow im Höhenrausch

Rekordmarke erreicht: Seit Jahren bestimmt der Bulle das Geschehen an der Börse

Die Rekordjagd an der Börse geht weiter: Dank der Geldflut der EZB hat der Dax erstmals die Marke von 11.000 Punkten geknackt. An der Wall Street erreicht der marktbreite S&P Index ebenfalls ein historisches Hoch. Bankentitel sind gefragt - und Ölwerte.

Frankfurt am Main - Kaufrausch dank EZB: Der Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen schraubte seinen Rekord am Freitag zeitweise auf 11.013 Punkte hoch. Am Ende des Xetra-Handels notierte der Index der 30 wichtigsten deutschen Aktien noch 0,4 Prozent höher bei 10 963 Punkten, was auch der höchste je erreichte Schlussstand war.

Der MDax Börsen-Chart zeigen zog um 0,4 Prozent auf 19 288,16 Punkte an. Der Index der mittelgroßen Werte hatte zuvor bei 19.318 Punkten einen Höchststand erreicht.

Plötzlich fügten sich die Puzzleteile wieder positiv zusammen mit einer Waffenruhe in der Ukraine und Signalen über eine Kompromissbereitschaft Griechenlands, sagte ein Händler. Das gebe den Börsen den entscheidenden Schub.

Gute Konjunkturdaten kamen hinzu: Die Wirtschaft Deutschlands und des Euroraums als Ganzem ist zum Jahresende hin stärker gewachsen als erwartet. Volkswirt Heinrich Bayer von der Postbank zufolge wurden die Erwartungen weit übertroffen.

Der Eurozone-Leitindex Eurostoxx50 kletterte mit plus 1,10 Prozent auf ein Hoch seit September 2008.

Wall Street: Dow Jones über 18.000 Punkten, S&P auf Rekordhoch

Auch die US-Börsen sind wieder auf Rekordkurs. Erstmals in diesem Jahr gelang dem US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen am Freitag der Sprung über die 18.000 Punkte-Marke.

Der Index für die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen, S&P 500, stieg sogar in Rekordhöhen.

Auftrieb kam vor allem von positiven Nachrichten jenseits des Atlantiks durch Anzeichen einer europäischen Wirtschaftserholung und nach einer Annäherung im griechischen Schuldenstreit. Die von der Universität Michigan gemeldete Abschwächung des US-Konsumklimas im Februar tat der guten Stimmung keinen Abbruch, denn das Verbrauchervertrauen befindet sich weiter auf hohem Niveau. Der Januar-Wert war der höchste Stand seit 11 Jahren.

Unter den Einzelwerten im Dow zählten die Papiere der Ölgesellschaften Chevron Börsen-Chart zeigen mit plus 1,40 Prozent und Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen mit plus 0,83 Prozent zu den größten Gewinnern. Sie profitierten von wieder steigenden Ölpreisen.

Billiges Geld treibt die Kurse

Zuvor habe die politische Unsicherheit die eigentlich gute Stimmung gedämpft und die Aufmerksamkeit der Anleger von dem sich verbessernden wirtschaftlichen Umfeld in der Eurozone abgelenkt, sagte Händler Markus Huber vom Londoner Broker Peregrine & Black. Portfoliomanager Ludwig Donnert von Orca Capital ergänzte mit Blick auf die Großwetterlage, dass die Notenbanken weiterhin die weltweiten Kapitalmärkte mit billigem Geld fluteten. Da es zur Aktie derzeit keine klare Anlagealternative gebe, jagten die Börsen weiterhin von einem Rekord zum nächsten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte Mitte Januar mit einer billionenschweren Geldspritze die Börsen euphorisiert und die Kursrally weiter angeheizt. Dabei ist die Bewertung des Dax laut Donnert immer noch nicht zu teuer - weder historisch, noch im Vergleich zu anderen Börsen. Vor allem gelte dies aber relativ zu Anleihen.

Commerzbank an der Spitze, Deutsche Bank fest

Commerzbank Börsen-Chart zeigen standen mit plus 3,07 Prozent auf 11,585 Euro an der Dax-Spitze. Mit der Hoffnung auf Griechenland verbessere sich auch die Stimmung für die Bankenwerte, sagte Experte Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel. Diese hätten nach ihrer zuletzt enttäuschenden Kursentwicklung zudem einiges Nachholpotenzial. Europaweit zeigte sich der Sektor entsprechend gefragt. Die Papiere der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen verteuerten sich um 2,22 Prozent.

Beiersdorf nach Zahlen gefragt

Beiersdorf Börsen-Chart zeigen legten nach der Bekanntgabe von Geschäftszahlen 0,95 Prozent zu. Die Ergebnisse des Nivea-Herstellers sind im vierten Quartal teilweise etwas besser als erwartet ausgefallen, sagten Händler und Analysten. Der Ausblick entspreche den Erwartungen. Analyst Thomas Maul von der DZ Bank schätzt die Finanzziele für das Jahr 2015 aber konservativ ein. Er stellt zudem auf die bessere Wachstumsdynamik der Hamburger im Vergleich zur Konkurrenz ab. Die Aktionäre sollen aber erneut nur eine Dividende von 0,70 Euro je Aktie erhalten. Viele Analysten hatten mit einer Erhöhung gerechnet.

Anleger nehmen bei ThyssenKrupp Gewinne mit

ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen rutschten dagegen nach der Zahlenvorlage um 3,22 Prozent auf 22,87 Euro ab und standen am Dax-Ende. Der Industriekonzern arbeitet sich zwar weiter aus der tiefsten Krise der jüngeren Firmengeschichte heraus und steigerte im ersten Geschäftsquartal Umsatz und Gewinn. Ein Händler zeigte sich jedoch nicht von allen Details des Zahlenwerkes überzeugt. Es sei offenbar nicht genug, nachdem der Kurs seit Mitte Januar um mehr als 20 Prozent angezogen habe. Der Händler sprach daher von Gewinnmitnahmen.

Kion springen trotz Platzierung an

Tagesgewinner im MDax waren Kion -Aktien , die trotz einer Anteilsplatzierung mit 35,31 Euro den höchsten Stand seit März 2014 erreichten. Das ist ein Plus von 7,10 Prozent bei den Papieren des Gabelstapler-Herstellers. Goldman Sachs und KKR haben ihren Anteil von knapp 19 Prozent auf rund 14 Prozent abgebaut. Nach Händlerinformationen wurden die Aktien zu je 32,40 Euro abgegeben. Marktteilnehmer sahen nun vor allem den gestiegenen Streubesitz als positiven Faktor. Denn damit erhöht sich das Gewicht von Kion im Index mittelgroßer Werte.

Infineon ex Dividende

Infineon-Aktien werden ex Dividende gehandelt. Der Chiphersteller schüttet 0,18 Euro je Aktie an seine Anteilseigner aus. Stützen könnte die Papiere einem Händler zufolge aber Konsolidierungsfantasie in der Branche. Laut "New York Post" führt die Ex-Motorola-Sparte Freescale Semiconductor Verkaufsgespräche. Der auf die Automobilindustrie konzentrierte Halbleiterhersteller habe Investmentbanken mit entsprechenden Marktsondierungen beauftragt, meldete die Zeitung aus informierten Kreisen. Börsianer erwarteten einen positiven Impuls.

Rocket Internet sammelt frisches Geld ein

Die Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet besorgt sich vier Monate nach dem milliardenschweren Börsengang frisches Geld über eine Kapitalerhöhung. Einem Händler zufolge werden die Aktien zu 49 Euro abgegeben. Das Unternehmen der Samwer-Brüder, das junge Internet-Firmen entwickelt, hatte zuletzt mit diversen Zukäufen massiv ins Geschäft mit der Essenszustellung investiert. Die Aktie verliert 8,59 Prozent an Wert auf 49,18 Euro.

mit dpa und reuters

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung