Börsenschluss Zinsangst wächst wieder, Dax und Dow rutschen ab

Starke Jahreszahlen lassen die Volkswagen-Aktie steigen. Trotzdem überwiegt an der Börse die Belastung durch Inflationssorgen. Der Dax schließt im Minus, das Bild an der Wall Street ist gemischt.
Anflug von Schatten: Gebäude der New Yorker Börse

Anflug von Schatten: Gebäude der New Yorker Börse

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Äußerungen aus den Reihen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die wachsenden Inflationssorgen am deutschen Aktienmarkt am Freitag etwas gedämpft. Der Dax , zum Handelsauftakt noch unter 13.700 Punkte gerutscht, verringerte sein Minus deutlich. Am Nachmittag wurde der Leitindex zudem vom steigenden Kurs der Volkswagen-Aktien gestützt, bevor von schwachen Kursen an der Wall Street neuer Druck ausging. Zum Börsenschluss blieb mit 13.786,29 Punkten ein Abschlag von 0,7 Prozent auf der Kurstafel.

Dax

Am Vortag noch hatte der Dax einen kurzen Ausflug über die 14.000 Punkte gewagt und war in Richtung seines Rekordhochs vom 8. Februar bei 14.169 Punkten gelaufen. Doch rasch setzten dann Gewinnmitnahmen ein. Anleger werden nervös wegen der wachsenden Inflationsgefahr. Geprägt von Zinsangst fuhr der Dax im Laufe der Woche ein Minus von 1,5 Prozent ein. Für den Februar brachte er aber dennoch einen Zugewinn von 2,6 Prozent über die Ziellinie.

Der MDax  der mittelgroßen Unternehmen sank um 1,2 Prozent auf 31.270,86 Punkte. Der EuroStoxx 50 , der Leitindex der Euro-Zone, verlor 1,3 Prozent auf 3124,51 Punkte.

Inflationsangst lässt nach, Wall Street startet im Plus

Für eine Erholung an diesem Morgen hatte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel (49) gesorgt, indem sie eine weitere Stützung der Wirtschaft durch die Zentralbank signalisierte, falls dies durch stark steigende Kapitalmarktzinsen nötig werde. Das nahm den zuletzt deutlich gestiegenen Renditen für europäische Staatsanleihen prompt den Wind aus den Segeln und stützte den Aktienmarkt.

In den USA war am Vorabend die Rendite richtungsweisender zehnjähriger Staatsanleihen in den Fokus gerückt, als sie bis auf 1,55 Prozent und damit den höchsten Stand seit einem Jahr kletterte. Die US-Börsen gerieten daraufhin unter Druck und schließlich auch Asiens Aktienmärkte.

Am Bondmarkt entspannte sich die Lage am Freitag etwas. Die Renditen der zehnjährigen Titel aus Deutschland und den USA fielen auf minus 0,259 beziehungsweise plus 1,462 Prozent, nachdem sie am Donnerstag jeweils auf den höchsten Stand seit etwa einem Jahr geklettert waren.

Nach den größten Verlusten seit Oktober am Donnerstag eröffnete die Wall Street am Freitag überwiegend mit Kursgewinnen. Die Technologiebörse Nasdaq  gewann bis zum Xetra-Schluss 1,3 Prozent, der breite Aktienindex S&P 500  rund 0,4 Prozent. Der Dow Jones  hingegen verlor 0,7 Prozent.

Nasdaq 100

Volkswagen verspricht nach Gewinnwende stabile Dividende

Die Aktien von Volkswagen  erhielten am Freitagnachmittag vom Dividendenvorschlag und vorläufigen Geschäftszahlen Auftrieb. Sie drehten ins Plus und gewannen als zeitweise stärkster Dax-Wert rund 2 Prozent. Zum Börsenschluss blieb ein Plus von 1,1 Prozent, noch übertroffen von Infineon  mit plus 1,8 Prozent. Analyst Frank Schwope von der NordLB lobte zudem die Jahreszahlen. "Volkswagen schlug sich im Corona-Jahr 2020 deutlich besser als viele Konkurrenten und erzielte angesichts der Umstände noch ein starkes operatives Ergebnis." Gestützt worden sei das operative Geschäft des Volkswagen-Konzerns sowohl im abgelaufenen Jahr als auch im Januar 2021 vor allem durch China.

Volkswagen Vorzugsaktie

BASF enttäuscht Anleger, Telekom steigert Umsatz

Am deutschen Aktienmarkt stiegen Investoren bei BASF aus. Der Chemiekonzern liefere zwar üblicherweise einen zurückhaltenden Ausblick, sagte ein Börsianer. Der angepeilte operative Gewinn von 4,1 bis 5 Milliarden Euro bleibe aber hinter den Markterwartungen zurück. BASF-Papiere  gaben 0,7 Prozent nach. Schlusslicht im Dax war die Aktie der Deutschen Bank , die 3,5 Prozent verlor.

Die Titel der Deutschen Telekom  konnten sich dem allgemeinen Abwärtstrend entgegenstemmen und gewannen 0,5 Prozent. Vor dem Hintergrund der Pandemie habe der Ex-Monopolist sehr solide Zahlen vorgelegt, lobte DZ Bank-Analyst Karsten Oblinger. Der Ausblick, insbesondere für die US-Tochter T-Mobile, sei aber konservativ.

Grenke sieht sich selbst von Vorwürfen zunächst entlastet - Aktie erholt sich

Im Fokus dürfte zudem der wegen seiner Bilanzierung in der Kritik stehende Leasingspezialist Grenke stehen. Er sieht sich durch erste Zwischenergebnisse der BaFin-Sonderprüfung zumindest in Teilen entlastet. Die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mandatierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars habe den Vorwurf der Geldwäsche nicht bestätigt, teilte Grenke mit. Ein wesentlicher Kritikpunkt sei jedoch, dass die Franchise-Unternehmen nicht voll konsolidiert wurden. Dies solle nun für 2020 geschehen. Die Aktie  sprang um 17 Prozent hoch.

Euro fällt unter 1,21 Dollar

Der Euro litt am Freitag unter einer breiten Dollar-Stärke, zuletzt wurden 1,2095 US-Dollar bezahlt.

USD/EUR

Öl- und Kupferpreise fallen

Die Nervosität der Anleger spiegelte sich auch in Kursverlusten am Rohstoffmarkt wider. Viele gingen nach der Rallye der vergangenen Woche auf Nummer sicher und machten Kasse. So verbilligte sich die die Ölsorte Brent aus der Nordsee um 1,1 Prozent auf 66,14 Dollar je Barrel (159 Liter). Hier werfe außerdem das geplante Treffen der Förderländergruppe Opec+ in der kommenden Woche seine Schatten voraus, sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. "Angesichts der deutlich gestiegenen Preise dürfte sie eine graduelle Produktionserhöhung beschließen. Darüber hinaus dürfte Saudi-Arabien seine freiwillige Produktionskürzung zurücknehmen."

Brent

Der Preis für Kupfer fiel um 3 Prozent auf 9122 Dollar je Tonne, nachdem er am Donnerstag noch ein Neuneinhalb-Jahres-Hoch erreicht hatte. Dank der Spekulationen auf eine kraftvolle Erholung der Weltwirtschaft von den Coronavirus-Folgen könne aber kurzfristig mit einer Fortsetzung der Rally gerechnet werden, prognostizierten die Analysten des Research-Hauses Fitch Solutions.

Abwärts ging es anfangs auch für Bitcoin . Die älteste und wichtigste Cyberdevise fiel am Morgen zeitweise auf 44.160 Dollar und lag damit rund 25 Prozent unter ihrem Rekordhoch vom Wochenbeginn. Bis zum Abend drehten die Kurse aber ins Plus und notierten zeitweise wieder über 48.000 Dollar.

ak, la, rei/dpa-afx, Reuters