Börsenschluss Omikron-Furcht drückt Dax um 1,9 Prozent

Anleger befürchten einen neuen Lockdown und ergreifen zu Wochenbeginn die Flucht. Reisewerte wie Lufthansa und Fraport stehen unter Verkaufsdruck.
Händlerin an der Deutschen Börse: Angst vor Omikron

Händlerin an der Deutschen Börse: Angst vor Omikron

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Am deutschen Aktienmarkt befürchten Anleger einen erneuten Lockdown. Zur Eindämmung der vorhergesagten massiven fünften Corona-Welle beraten Bund und Länder schärfere Einschränkungen von privaten Treffen. Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen brachte einen Lockdown nach den Feiertagen ins Spiel. Der Leitindex Dax  verlor 1,88 Prozent auf 15 239,67 Punkte. Der MDax  fiel um 1,30 Prozent auf 34 012,60 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  verlor 1,30 Prozent auf 4107,13 Zähler.

Dax

"Das Wort vom Lockdown macht wieder die Runde", schrieb Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei dem Handelshaus Robomarkets. "Die Niederlande sind schon im Lockdown, und auch in Deutschland könnte es nach Weihnachten so weit sein." Die Angst der Investoren vor einem erneuten Stillstand in weiten Teilen der Wirtschaft nehme wieder zu und schicke die Börsen rund um den Globus auf Talfahrt. Wegen Omikron sei von vorweihnachtlicher Ruhe auch in diesem Jahr am Aktienmarkt nichts zu spüren, die Jahresendrallye scheine endgültig abgeblasen.

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Experten verwiesen aber auch auf erfreuliche Nachrichten, die die Kursverluste zumindest etwas eingedämmt hätten. So erhöht eine Auffrischdosis mit dem Impfstoff von Moderna die Immunabwehr des Körpers gegen Omikron nach Herstellerangaben deutlich. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA machte zudem den Weg frei für die Zulassung des Corona-Impfstoffs des US-Herstellers Novavax in der EU.

An der New Yorker Wall Street notierten alle wichtigen Indizes im Minus. Gegen 18 Uhr (MEZ) gab der marktbreitere S&P 500 , rund 1,7 Prozent leichter, der Standardwerte-Index gab rund 1,8 Prozent nach wie auch der Index der Technologiebörse Nasdaq rund 1,8 Prozent verlor.

Lufthansa und Fraport mit Verlusten

Die bedenkliche Ausbreitung der Coronavirus-Variante Omikron stößt unter anderem den Anlegern von Luftfahrtwerten mächtig auf. So sackten die Papiere der Lufthansa um rund 2 Prozent ab, im Handelsverlauf waren es zwischenzeitlich sogar 4 Prozent. Auch die Anteilsscheine des Flughafenbetreibers Fraport konnten ihre Verluste reduzieren und gingen 1,1 Prozent leichter aus dem Handel. Sorgen bereitet Anlegern, dass Großbritannien in Deutschland nun als Corona-Virusvariantengebiet gilt. Damit ist die Einreise nach Deutschland nur unter starken Einschränkungen möglich.

Die Anteilsscheine von Fresenius verloren 2,2 Prozent. Dem Medizin-Konzern mit seinen Krankenhaus-Aktivitäten macht die Corona-Pandemie zu schaffen, weil Betten vorgehalten werden müssen und medizinische Eingriffe aufgeschoben werden.

Darüber hinaus blickten die Anleger besorgt in Richtung USA. Der demokratische Senator Joe Manchin hatte verkündet, dass er einem billionenschweren Sozial- und Klimapaket nicht zustimmen könne. Nun ist unklar, ob das Prestigeprojekt von Präsident Joe Biden noch zu retten ist. Damit machten Anleger auch einen Bogen um Aktien aus dem Umfeld der erneuerbaren Energien, die von dem Vorhaben profitieren könnten. Die Papiere von Siemens Energy etwa verloren 2,8 Prozent und die des Windanlagenbauers Nordex büßten 4,7 Prozent ein.

Türkische Lira erneut auf Rekordtief

Die Talfahrt der türkischen Währung geht ungebremst weiter. Dollar und Euro steigen im Gegenzug um jeweils fast 7 Prozent und markieren mit 17,5135 beziehungsweise 19,6945 Lira den vierten Tag in Folge neue Rekordhochs. Börsianer sehen das Vertrauen in die türkische Zentralbank erschüttert, da diese die Leitzinsen auf Druck des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan in den vergangenen Monaten trotz steigender Inflation mehrfach gesenkt hat.

Bitcoin mit Verlusten

Der Bitcoin machte einen Teil seiner Verluste wieder wett und notierte am Montagabend auf der Handelsplattform Bitstamp  mit 46.450 Dollar gut 1000 Dollar höher als noch am Vormittag. Ende der vergangenen Woche hat der Bitcoin noch Kurs auf 50.000 US-Dollar genommen. Ihren diesjährigen Tiefstand markierte die Cyberdevise bei 27.734 US-Dollar am 4. Januar, seitdem hat sicher der Kurs zeitweise mehr als verdoppelt. Anfang November erreichte der Bitcoin ein Rekordhoch bei 67.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise fallen deutlich

Die Ölpreise haben am Montag ihre Kursverluste deutlich ausgeweitet. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  69,67 US-Dollar. Das waren 3,84 Dollar weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 4,62 Dollar auf 66,25 Dollar.

Belastet wurden die Ölmärkte durch die verschärfte Corona-Lage. Die Ausbreitung der besonders ansteckenden Variante Omikron führte bereits in vielen Ländern zu neuen Beschränkungen. Einschränkungen des Flug- und Reiseverkehrs belasten die Nachfrage nach Rohöl.

Brent

Zudem droht eines der innenpolitischen Kernvorhaben von US-Präsident Joe Biden komplett zu scheitern. Der demokratische Senator Joe Manchin will einem billionenschweren Sozial- und Klimapaket nicht zustimmen. Es ist unklar, ob das Programm noch zu retten ist. Die Investmentbank Goldman Sachs reduzierte nach der Entscheidung Manchins die Wachstumsprognose für die USA für die kommenden Quartale.

Mit Nachrichtenagenturen