Anne Brorhilker "Bloomberg" zählt Kölner Cum-ex-Staatsanwältin zu den Top-50-Personen weltweit

Besondere Ehre für Anne Brorhilker, Oberstaatsanwältin in Köln und Deutschlands führende Cum-ex-Jägerin: Als einzige Deutsche steht sie auf der Liste "Bloomberg 50" weltweit einflussreicher Personen und Institutionen.
Cum-Ex-Jägerin: Staatsanwältin Anne Brorhilker (r.) deckte den Milliardenskandal maßgeblich auf

Cum-Ex-Jägerin: Staatsanwältin Anne Brorhilker (r.) deckte den Milliardenskandal maßgeblich auf

Foto: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

Das US-Medienhaus Bloomberg hat seine jährliche "Bloomberg 50" -Liste veröffentlicht mit Personen und Institutionen, deren Aktivitäten nach Ansicht der Bloomberg-Redaktion für die Weltwirtschaft von besonderer Bedeutung waren. Auf der diesjährigen Liste befinden sich einige prominente Namen (etwa der italienische Industrielle John Elkann, Pop-Sängerin Britney Spears oder Hollywood Schauspieler Jason Sudeikis), ein wenig Skurriles ("The Meme Stock") und exakt eine Person aus Deutschland: die Kölner Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker, die maßgeblich die Aufklärung des milliardenschweren Cum-Ex-Steuerskandals vorantreibt.

Für Brorhilker sei 2021 das Jahr des Durchbruchs im Cum-ex-Skandal gewesen, schreibt Bloomberg in seiner Begründung. Im Sommer hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass die fragwürdigen Aktientauschgeschäfte um den Dividendenstichtag kriminell waren. Damit wurde ein wegweisendes Urteil aus Bonn rechtskräftig, bei dem im vergangenen Jahr zwei Londoner Aktienhändler verurteilt worden waren. In diesem Frühjahr hatte das Landgericht Bonn zudem in einem weiteren Verfahren erstmals einen deutschen Banker in der Angelegenheit zu einer Haftstrafe verureilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Beide Prozesse hatte Brorhilker angestrengt.

Mit der Ehrung durch Bloomberg erntet die Staatsanwaltschaft die Früchte ihrer jahrelangen Arbeit am Cum-ex-Skandal, bei dem findige – und wie inzwischen klar ist: kriminelle – Finanzjongleure Steuerzahler um viele Milliarden Euro gebracht haben sollen. Sie tauschten Aktien über den Dividendenstichtag so im Kreis, dass die Finanzämter den Überblick verloren und eine einmal gezahlte Steuer mehrfach zurückerstatteten. Beinahe zehn Jahre habe es gedauert, das komplexe Geflecht fragwürdiger Finanztransaktionen zu durchleuchten, schreibt Bloomberg anerkennend. Seit 2013 arbeitet Brorhilker an der Aufklärung des Skandals. Inzwischen ermittelt sie gegen mehr als 1000 Personen, die in den Skandal verwickelt sein sollen.

cr