Zweitgrößte Kryptowährung Ethereum - das sollten Sie über die Kryptowährung wissen

Was ist Ethereum, was ist der Unterschied zum Bitcoin und wie könnte sich die Krypotowährung entwickeln? Alles Wichtige, was Sie über Ethereum wissen sollten.
Foto: DADO RUVIC / REUTERS

Hinter Bitcoin ist Ether die Kryptowährung mit der zweithöchsten Marktkapitalisierung. Zwar ist der Bitcoin unbestrittene Nummer eins, Ether oder auch Ethereum erfreut sich aber zunehmender Beliebtheit.

Was ist Ethereum?

Ethereum ist ein dezentrales Netzwerk basierend auf einer Blockchain. Das ist ein Computernetz, zu dem sich Nutzer auf der ganzen Welt zusammenschließen. Weltweit können Programmierer das Open-Source-Netzwerk nutzen, da die Quellcodes öffentlich zugänglich sind. Nutzer sind zwar verschlüsselt, lassen sich also nicht einfach identifizieren, aber die Aktionen sind einsehbar. Dadurch lassen sich Tätigkeiten und Transaktionen in der Blockchain wie in einem Register für alle nachvollziehen, was Manipulationen erschweren soll.

2013 wurde Ethereum erstmals in einem Whitepaper beschrieben, 2015 ging es an den Start. Seitdem wird die Blockchain als sogenannte Smart Contract Platform genutzt. Dabei arbietet Ethereum ähnlich wie ein Betriebssystem, auf dem unterschiedliche Anwendungen laufen können. Diese Anwendungen sind die Smart Contracts, das sind beispielsweise Crowdfunding-Aktionen, Versteigerungen oder Verkäufe von NTFs, auch können virtuelle Anteile oder Mitgliedsbescheinigungen erworben werden. Genutzt wird ein Peer-to-Peer-System, bezahlt wird in der hauseigenen Währung Ether (ETH).

"Die unterschiedlichen Vermögensgegenstände werden mittels Token digital abgebildet", beschreibt Philipp Sandner (42), Professor an der Frankfurt School of Finance & Management, gegenüber manager magazin das Prinzip. Decentralized Finance-Tokens (also Defi-Tokens), NFTs, Metaverse-Tokens seien oft - aber nicht immer - auf Ethereum programmiert.

Derzeit ist geplant, eine neue Ethereum-Generation aufzuspielen. Sie soll die Blockchain leistungsfähiger und schneller machen - bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch. Der Haken: Es steht bisher noch kein Datum fest. Nach mehrmaligem Aufschub sprach Mitgründer Vitalik Buterin (28) Anfang diesen Jahres inzwischen Ende 2023 oder Anfang 2024.

Wer sind die Gründer?

Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin

Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin

Foto: Michael Ciaglo / Getty Images

Anders als beim Bitcoin sind die insgesamt acht Mitgründer von Ethereum bekannt – zu ihnen gehören neben dem russisch-kanadischen Softwareentwickler Buterin auch der kanadisch-amerikanische Unternehmer Joseph Lubin (57), der Brite Gavin James Wood (41) sowie der US-Amerikaner Charles Hoskins (34). Wood hat inzwischen das Krypto-Netzwerk Polkadot mitgegründet, Hoskins die Plattform Cardano. Ebenfalls zum Gründerteam zählen Mihai Alisie, Anthony Di lorio, Amir Chetri und Jeffrey Wilke.

Was ist der Unterschied zwischen Bitcoin und Ethereum?

Experten sprechen bei Ethereum von Plattform-Token im Gegensatz zum Bitcoin als Payment-Token. Der Bitcoin wurde einst als Währung konzipiert, mit der bezahlt, spekuliert und investiert werden kann. "Der Bitcoin könnte sich zu digitalem Gold entwickeln", meint Krypto-Experte Sandner. Mit dieser Meinung steht er nicht allein. Erst kürzlich verlautbarte Milliardär Frank Thelen (46), der in Bitcoin und Ethereum investiert hat, in einem Interview mit der Schweizer "Handelszeitung" , der Bitcoin bleibe aller Voraussicht nach der "Store of Value", also der bevorzugte Wertspeicher. Für den Bitcoin erwarte er eine deutliche Wertsteigerung. Kern des Bitcoins ist seine Knappheit, die auf 21 Millionen limitiert ist. "Knapp wie Gold, aber eben nicht anfassbar wie Gold", fasst Sandner zusammen.

Ethereum entstand hingegen als Plattform, auf der verschiedene Apps beziehungsweise Anwendungen laufen. So lassen sich einerseits Bezahlvorgänge abwickeln, andererseits kann Ethereum auch genutzt werden, um Verträge abzuschließen.

Branchenkenner rechnen damit, dass die Plattform-Token den Payment-Token in der Zukunft den Rang ablaufen könnten. Begründet wird dies damit, dass die Marktkapitalisierung des Bitcoins prozentual am Gesamtmarkt bereits abgenommen habe und Plattform-Token wie Ethereum, aber auch Solana und Cardano zugelegt hätten. Plattform-Token erweisen sich beispielsweise bei Start-ups einer größeren Beliebtheit, um über das Netzwerk Investoren zu finden, ohne dass Gebühren oder andere Forderungen von Dritten anfallen.

Ein wichtiger Unterschied ist weiter, dass Ether endlos geschürft werden kann - im Gegensatz zum Bitcoin. Technisch können mit Ether zur selben Zeit zudem mehr Transfers veranlasst werden als mit dem Bitcoin.

Welchen Wert hat Ethereum?

Die Gründer von Ethereum haben es geschafft, eine große vernetzte Community rund um die Plattform aufzubauen. Dennoch schwankt der Wert von Ethereum wie bei allen Kryptowährungen stark. Derzeit hat Ethereum die zweithöchste Marktkapitalisierung nach dem Bitcoin. Kryptofreundin udn Starinvestorin Cathie Woods (66) von Ark Invest prognostiziert für Ethereum gar eine Marktkapitalisierung von 20 Billionen Dollar bis 2030 – Ende Februar 2022 lag sie bei rund 269,007 Milliarden Euro.

Milliardär Thelen sagt in der Schweizer "Handelszeitung" zumindest, dass die Vorherrschaft von Ethereum gegenüber anderen Plattformen derzeit nicht für gefährdet sei. Er schränkt jedoch ein, die Situation genau zu beobachten - insbesondere in Hinblick auf die beiden konkurrierenden Plattformen Solana und Cardano. Nicht festlegen will sich der Investor hingegen, ob Ethereum noch in fünf Jahren die führende Position inne haben könnte.

Wie alle Kryptowährungen unterliegt Ethereum einer hohen Volatilität – ein hoher Kursverlust steht einem hohen möglichen Gewinn gegenüber. Die amerikanische Bank JP Morgan galt längere Zeit als Fürsprecher von Ethereum, Kryptoexperte Nikolaos Pamigirtzoglou warnte allerdings einem Bericht von "Bloomberg " zufolge Anfang 2022, dass Ethereum seine Vormachtstellung verlieren könnte, da die Plattform zu langsam sei. Die neue Version käme zu spät, dagegen entwickele sich die Konkurrenz schnell.

Johannes Blassl, Rechtsanwalt bei Ernst & Young Law mit Schwerpunkt Digital Assets und Banken- und Kapitalmarktrecht, möchte sich gegenüber manager magazin ebenfalls nicht festlegen, wie lange Ethereum Bestand haben wird. "Ob Ethereum mittel- oder langfristig von einer anderen Technologie abgelöst werden wird, lässt sich aktuell nicht abschätzen." Neben Ethereum würden zahlreiche "Konkurrenz"-Plattformen entwickelt, mit ganz eigenen Spezifikationen, teilweise zugeschnitten auf spezielle Anwendungsfälle, sagt Blassl. Diese Plattformen basierten aber oftmals auch auf Ethereum oder seien mit Ethereum verknüpfbar. Immerhin: "Ein Untergang von Ethereum wäre nur in dem Falle denkbar, in dem das Netzwerk keine Nutzer mehr hätte", sagt Blassl. Das sei allerdings eher unwahrscheinlich, da sich Ethereum stetig weiterentwickelt.

Ist Ethereum sicher?

Ethereum gilt bislang als sicher. Als Merkmal für Sicherheit kann die hohe Marktkapitalisierung herangezogen werden, die für eine weite Verzweigung des Open-Source-Projekts spricht. Ist die Vernetzung groß, gilt eine Manipulation der Kurse als deutlich schwieriger und der Aufwand für Änderungen als sehr hoch.

Wie für die Blockchain-Technologien üblich, sind die Daten bei Ethereum dezentral auf Geräten rund um den Globus verteilt, öffentlich einsehbar und nachvollziehbar, sagt EY-Experte Blassl. Dadurch lassen sich etwaige Manipulationen oder der alleinige Versuch zu manipulieren schneller entdecken. "Allerdings muss das Netzwerk stetig weiterentwickelt werden, um weiterhin diese Sicherheit zu gewährleisten", betont der Krypto-Experte.

Als Einfallstor für Hacker und Kriminelle gelten indes am häufigsten nicht ausreichend gesicherte Computer beziehungsweise Hardware von Nutzern, in dessen Folge Bitcoins und Co. gestohlen werden können. Das kann auch schon mal im großen Stil passieren. Die Uno berichtete beispielsweise,  dass immer wieder Hacker mit Nordkorea in Verbindung gebracht werden, die gezielt Plattformen für Kryptowährungen und Banken angreifen und sich die Coins aneigen. Damit, so schlussfolgert die Uno, finanziere das Land auch sein Atomraketenprogramm.

Kritik an Ethereum

Generell wird an Kryptowährungen kritisiert, dass es sich um hochspekulative Assets handelt, deren Kurse stark schwanken und immer ein Risiko tragen, stark an Wert zu verlieren, zumal kein Wert hinterlegt ist. Auch ist zum Teil zu wenig über Unternehmen bekannt, die Kryptowährungen entwickln oder anbieten, was für Unsicherheiten sorgt.

Sieht man einmal von diesen Unsicherheiten ab und betrachtet Ethereum aus Nutzersicht, sind die beiden Hauptkritikpunkte an Ethereum vor allem die hohen Transaktionsgebühren und der hohe Energieverbrauch.

Ethereum beansprucht für die Blockchain und dem Schürfen neuer Blocks weltweit die Rechenkapazitäten unzähliger Computer. Durch den Wechsel auf ein anderes Verfahren beim Mining will Ethereum künftig bis zu 90 Prozent des Energieaufwands einsparen. Wann das neue System allerdings eingeführt werden soll, ist bis dato nicht bekannt.

Blassl berichtet zudem, dass Ethereum wegen seiner schlechteren Skalierbarkeit häufiger kritisiert wird: "Bei einem hohen Transaktionsaufkommen droht eine Systembelastung, die wiederum zu hohen Transaktionsgebühren führt", so der Rechtsanwalt. Es sei aber zu erwarten, dass Ethereum mit der neuen Version künftig effizienter, schneller und skalierbarer sein wird.

Unter Beobachtung steht auch Ethereum-Mitgünder Lubin mit seinem Unternehmen Consensys, einer der großen Akteure der Plattform. Wie sein Handeln sich auf die Plattform auswirkt, lesen Sie in unserem Bericht "Inside Ethereum " von mm-Redakteur Mark Böschen.

Wie entsteht Ether?

Ether ist die Währung von Ethereum - oft werden beide Namen als Synonym verwendet. Die Nutzer stellen Ethereum Rechenleistung zur Verfügung und werden für Transaktionen mit Ether bezahlt. Dabei kann man sich die Blockchain als eine Kette von Blöcken vorstellen. Ein Block besteht aus einer Transaktion, die aus Daten und Prozessen besteht. Für jeden Block erhalten Nutzer Ether. Dieser Prozess nennt sich Mining. Ether kann aber auch direkt über Handelsbörsen gekauft werden.

Wo kann man Ether kaufen und was kann man damit bezahlen?

Wer in das Geschäft mit Ethereum einsteigen oder Ether kaufen möchte, hat verschiedene Optionen. Sicherheitsbehörden warnen allerdings weltweit vor Betrug bei Kryptoangeboten. Um Risiken zu minimieren, sollten Anleger deshalb über die Menschen und Unternehmen, die hinter Investmentangeboten stünden, aktiv Nachforschungen betreiben, um einem eventuellen Betrug vorzubeugen, heißt es beispielsweise bei der US-amerikanischen Anlegerschutzorganisation North American Securities Administrators Association (NASAA). Besonders misstrauisch sollten Anleger sein, wenn ihnen das schnelle Geld versprochen würde.

Anleger müssen sich entscheiden, ob sie direkt in die Coins investieren, über das Ethereum-Netzwerk beispielsweise Beteiligungen kaufen oder in den Handel mit Derivaten einsteigen wollen. Je nachdem bieten sich unterschiedliche Anbieter an.

Größter Marktplatz für Coins hierzulande ist Bitcoin.de , auf dem neben Bitcoin und Ether noch eine kleine Auswahl der insgesamt über 1700 existierenden Kryptowährungen angeboten werden. Weltweit hat die Krypto-Handelsplattform Binance , die kürzlich den Einstieg bei dem amerikanischen Magazin "Forbes" verkündete, die Nase vorn.

In den Handel mit Kryptowährungen kann man aber über beispielsweise die Börse Stuttgart eingestiegen oder man wählt einen Broker oder Neobroker aus. Krypto-Derivate lassen sich ebenfalls bei Brokern erwerben.

Mit Ether kann naturgemäß auf Ethereum bezahlt werden. Einige Unternehmen wie IBM, Microsoft und Samsung sollen inzwischen einzelne Leistungen gegen Ether anbieten. Auch haben sich vereinzelt Ladengeschäfte der Kryptowährung geöffnet. In den USA bietet Paypal an, bestimmte Kryptowährungen in herkömmliche Währungen umzutauschen. Für Aufsehen sorgte auch Ende Februar bot das Auktionshaus Christie`s, dass bei einer bis in den März laufenden Versteigerung Kryptoanhängern anbot, das digitale Kunstwerk "Everdays: The First 5000 Days" auch in Ether zu bezahlen. Allgemein ist Ether als Zahlungsmittel noch nicht so sehr in der Diskussion wie Bitcoin, mit dem in El Salvador auch per Handy-App bezahlt werden kann.

Wo speichere ich Ether?

Wer Kryptowährungen kaufen möchte, hat grundsätzlich die Wahl zwischen unterschiedlichen Aufbewahrungsmöglichkeiten:

1. Die Währung wird direkt bei der Kaufbörse im Konto gespeichert wie beispielsweise bei Binance oder eToro.

2. Die Währung wird in sogenannte Wallets gespeichert, die über eine Internetverbindung via Browser oder App verfügen. Dabei sollten Nutzer unbedingt auf sichere Websites achten und nur Geräte nutzen, die einen ausreichenden Schutz gegen Viren und Maleware haben.

3. Sogenannte Wallets ohne Internetverbindung werden meist für eine langfristige und sichere Aufbewahrung der Kryptowährungen genutzt. Dabei gibt es verschiedene Hardwareanbieter, zwischen denen man sich entscheiden muss.

4. Das offizielle Ethereum-Wallet mit dem Namen MIST. Das Wallet ist mit einem Keyword verschlüsselt, jedoch gilt die Nutzung für Anfänger als eher schwierig. Mit MIST wird die gesamte Ethereum-Blockchain runtergeladen – damit nimmt man an der Blockchain aktiv teil. Das kostet Zeit und Datenspeicher.

akn