Bitcoin-Kursrallye Warum Bitcoin von Chinas Mining-Verbot profitiert

Die Kryptowährung Bitcoin hat binnen fünf Wochen rund 70 Prozent an Wert gewonnen – obwohl China die Cyberdevise immer stärker reguliert. Langfristig könnte der Bann aus Peking den Kryptomarkt sogar stabilisieren.
Bitcoin: China jagt die Miner aus dem Land. Der Bitcoin-Kurs ist dennoch stark gestiegen

Bitcoin: China jagt die Miner aus dem Land. Der Bitcoin-Kurs ist dennoch stark gestiegen

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Dado Ruvic / REUTERS

Es ist ein rasantes Comeback. Mitte Juli war die weltweit wichtigste Kryptowährung Bitcoin zeitweise unter die Marke von 30.000 US-Dollar gestürzt, ihr Wert hatte sich seit dem Rekordhoch von Mitte April mehr als halbiert. Berichte, dass China die Regulierung des Kryptomarktes verstärken und das Bitcoin-Mining verbieten werde, beschleunigten seinerzeit den Kursrutsch. Bitcoin störe die Wirtschaftsordnung und erleichtere die Geldwäsche, hieß es von den chinesischen Behörden. Bereits Ende Juni zog Peking vielen Server-Farmen im Land den Stecker und traf das Zentrum des Bitcoin-Minings damit hart: Fast 70 Prozent aller Bitcoin-Miner weltweit saßen bis dato in China, doch inzwischen sind fast alle Bitcoin-Mining Pools im Reich der Mitte geschlossen.

Doch Bitcoin  hat sich von diesem Schlag erstaunlich rasch erholt. Seit Mitte Juli hat die Kryptowährung wieder rund 70 Prozent an Wert zugelegt und Ende August die runde Marke von 50.000 US-Dollar überschritten. Die immer stärkere Regulierung verschiedener Wirtschaftsbereiche hat zwar den chinesischen Aktienmarkt in die Knie gezwungen – Chinas Techriesen wie Aliaba, Tencent oder Baidu haben durch den harten Zugriff aus Peking Börsenwert in Milliardenhöhe verloren. Doch die Bewertungen am Kryptomarkt sind seit Mitte Juli deutlich gestiegen. Wie kann das sein?

"Bitcoin und andere Kryptowährungen werden durch die stärkere Regulierung nicht verschwinden", sagt Susanne Fromm, CEO der Hamburger Krypto-Beteiligungsgesellschaft Coinix. "Das Mining-Verbot in China wird Bitcoin langfristig sogar nützen".

Dezentrale Struktur sorgt für mehr Sicherheit im Netzwerk

Fromm führt drei Argumente an, warum das Verbot aus Peking für die Bitcoin-Wirtschaft und den Kryptomarkt insgesamt positiv zu werten sei: Mehr Sicherheit durch Dezentralität, langfristig weniger Volatilität sowie auf lange Sicht ein wahrscheinlich geringerer Einsatz klimaschädlicher Energien beim Schürfen von Bitcoin. Laut einer Erhebung des Datenanalysten Statista war China bislang für 67 Prozent der Bitcoin-Hashrate verantwortlich , gefolgt von USA (7,2 Prozent), Russland (6,9 Prozent), Kasachstan (6,1 Prozent) und Malaysia (4,3 Prozent). "Viele hatten befürchtet, dass Bitcoin versagen würde, falls die chinesischen Miner ausfallen", ergänzt der Krypto-Unternehmer und bekennende Bitcoin-Fan Marc Friedrich: "Jetzt haben wir das Gegenteil erlebt."

Beispiel Dezentralität: Bitcoin-Miner wandern derzeit verstärkt nach Kasachstan oder in die USA ab. So schaffen aktuell Texas, Wyoming oder auch die Region Miami Anreize für die Immigration von Bitcoin-Minern. "Die Mining-Standorte sind künftig viel dezentraler verteilt als zuvor", sagt Coinix-CEO Fromm. Dezentralität gehöre zu den Kerngedanken der Blockchain-Technologie. Wenn der Einfluss eines einzelnen Landes deutlich sinke, erhöhe sich auch die Sicherheit des Bitcoin-Netzwerks. Hintergrund: Die im Netzwerk vertretenen Computer ("Nodes") müssen die Transaktionen im Bitcoin-Netzwerk bestätigen und sicherstellen, dass zum Beispiel Bitcoin-Beträge nicht doppelt ausgegeben werden können. "Hier spielt Dezentralität eine wichtige Rolle: Wer den Großteil des Netzwerkes beherrscht, könnte theoretisch auch Einfluss auf die Sicherheit von Bitcoin nehmen", sagt Fromm. Die schwindende Mining-Konzentration in China habe einen positiven Effekt auf die Sicherheit der Kryptowährung.

Weniger Einfluss aus China führt womöglich zu weniger Volatilität

Beispiel Volatilität: Die zuletzt starken Kursschwankungen von Bitcoin könnten mit dem schwindenden Einfluss Chinas abnehmen – und das Vertrauen der Investoren in die Kryptowährung zunehmen. In der Vergangenheit hatten regulatorische Eingriffe Chinas regelmäßig zu extremen Kursschwankungen bei Bitcoin und Co geführt: Als die chinesische Zentralbank Ende 2013 den Banken Bitcoin-Transfers verbot, stürzte der Kurs binnen drei Wochen um 50 Prozent ab. Als Peking im Herbst 2017 lokale Krypto-Börsen schließen ließ, gab es binnen weniger Tage einen Kurseinbruch um rund 30 Prozent.

Die Hoffnung vieler Krypto-Investoren: Wenn China beim Thema Bitcoin-Mining kaum noch eine Rolle spielt und solange Pekings Zentralbank die ungeliebte Bitcoin-Währung zumindest als "Investitionsalternative" duldet (so formulierte es jüngst der stellvertretende Gouverneur der chinesischen Zentralbank, Li Bo ), dann könnte man mit nachlassendem Störfeuer aus China rechnen. Ein stabilerer und weniger volatiler Bitcoin-Kurs könnte die Folge sein.

Der C02-Abdruck von Bitcoin wird ein wenig kleiner

Beispiel Energieverbrauch: Auch der hohe Energieverbrauch von Bitcoin, in China noch gespeist aus überwiegend fossilen Energien wie Kohle, könnte durch den Abschied der Bitcoin Miner aus dem Reich der Mitte möglicherweise verringert werden. Beim Schürfen von Bitcoin müssen große Computeranlagen durch die Fusion ihrer Leistung äußerst komplizierte Rechenaufgaben lösen. Bitcoin-Miner stellen enorme Rechnerleistung zur Verfügung, um den jeweils nächsten Block auf der Blockchain zu erzeugen. In diesem Prozess entstehen neue Bitcoin Münzen – doch dieser Prozess verschlingt auch Unmengen an Energie. Bitcoin Mining ist zu einem bedeutenden Industriezweig gewachsen, der viel Energie, elektronisches Equipment und Platz benötigt sowie viele Arbeitsplätze schafft.

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Ein Teil der in China vom Netz gegangenen Hash-Rate, also der Rechnerleistung der Bitcoin-Miner, wandert nach Kasachstan, Russland und die Mongolei ab. Diese wird voraussichtlich auch dort überwiegend Strom aus fossilen Energiequellen verbrauchen. Jedoch zieht es viele Miner auch in andere Regionen. Billige, da im Überfluss vorhandene Wasserkraft in Lateinamerika zum Beispiel lockt viele Mining-Unternehmer. Genauso wie günstige politische Rahmenbedingungen in den USA und Europa, wo der Energiemix ebenfalls grüner als in Fernost. Zudem besteht dort technologisch die Möglichkeit, überschüssige Energie aus regenerativen Energiequellen wie Sonne und Wind für das Bitcoin-Mining einzusetzen. Experten schätzen, dass rund 25 Prozent der bislang in China tätigen Bitcoin-Miner in andere Regionen in Zentralasien abwandern, 25 Prozent in die USA, 15 Prozent nach Lateinamerika und rund 10 Prozent nach Europa.

Die jüngste Kursrallye der vergangenen Wochen hat gezeigt: Das Ende der Mining-Farmen in China hat Bitcoin keinen Todesstoß versetzt, sondern die Attraktivität der Digitalwährung bei Investoren im Gegenteil sogar erhöht. Sie versprechen sich mehr Stabilität, sowohl was die Sicherheit des Bitcoin-Netzwerkes als auch die Volatilität des Bitcoin-Kurses betrifft. "Der CO2-Fußabdruck von Bitcoin ist natürlich immer noch zu groß", stellt Fromm fest. Doch zumindest habe der Miner-Exodus aus China den Trend zu einem nachhaltigeren Strommix verstärkt.

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