Vermögenstransfer in Kryptowährung Bitcoin steigt zweistellig - Kryptomarkt profitiert von Swift-Ausschluss Russlands

Nutzen reiche Russen nun Kryptowährungen wie Bitcoin, um trotz des Swift-Ausschlusses und weiterer Sanktionen Vermögenswerte zu parken? Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether legen seit Wochenbeginn kräftig zu.
Krisengewinner: Bitcoin legte nach dem Ausschluss Russlands aus dem Zahlungssystem Swift zweitstellig zu

Krisengewinner: Bitcoin legte nach dem Ausschluss Russlands aus dem Zahlungssystem Swift zweitstellig zu

Foto: PHILIPPE LOPEZ/ AFP

Die Sanktionen des Westens gegen Russland setzen Aktien und den russischen Rubel unter Druck, doch Kryptowährungen wie Bitcoin legen als Reaktion auf die Sanktionen kräftig zu. Der Bitcoin war bereits am Montag über die Marke von 41 000 US-Dollar gestiegen und hatte damit binnen weniger Stunden mehr als 10 Prozent zugelegt. In der Nacht zum Dienstag setzte Bitcoin ebenso wie andere Kryptowährungen seine Kursrally fort und kletterte um weitere 8 Prozent auf 44.000 US-Dollar.

Seit Wochenbeginn hat Bitcoin rund 20 Prozent an Wert gewonnen. Zuletzt kostete die wichtigste Kryptowährung auf der Handelsplattform Bitstamp rund 43.500 US-Dollar. Auch andere Digitalanlagen wie Ether oder XRP legten kräftig zu.

Der Bitcoin profitiert nach Aussagen aus Branchenkreisen von dem Ausschluss Russlands aus dem Kommunikationssystem Swift. Diese Entscheidung ist Teil der Wirtschaftssanktionen des Westens als Reaktion auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine. "Bitcoin und Co. könnten kurzfristig als Vehikel fungieren, um Vermögenswerte zu parken und vor Sanktionen zu schützen", schreibt Timo Emden, Analyst bei Emden Research. Die fehlende Akzeptanz in Russland dürfte allerdings die Verwendung in der Realwirtschaft erschweren.

Fluchtwährung für Privatpersonen

In der Tat ist es zwar vorstellbar, dass Privatpersonen Kryptowährung nutzen oder Vermögen in Kryptowährung tauschen, um sie der Kontrolle und den Sanktionen zu entziehen. Damit eignet sich Bitcoin und Co als Fluchtwährung für einzelne Privatpersonen. Wollen sie jedoch weiterhin Geschäfte machen, brauchen sie Geschäftspartner, die die Kryptowährung ebenfalls akzeptieren.

Der russischen Regierung dürfte in ihren internationalen Handelsgeschäften jedoch dieser Weg verbaut sein. Zu groß sind die Summen, die gehandelt werden. Für diese Handelsgeschäfte dürfte Russland zudem kaum einen Partner finden, der Kryptogeld als Währung akzeptiert.

Stattdessen dürfte Russland versuchen, sein eigenes Banken-Kommunikations und Zahlungssystem SPFS auszubauen, um eine Alternative zum Zahlungssystem Swift zu haben. Derzeit sind aber noch nicht einmal allle russischen Banken an SPFS beteiligt. Weiterhin besteht die Möglichkeit, SPFS und das chinesische Interbanken-Zahlungssystem CIPS zu verbinden. Doch auch CIPS bringt es nur auf einen Bruchteil der Größe des Zahlungssystems Swift.

Der Wert aller derzeit rund 17 900 existierenden Internetwährungen beträgt aktuell knapp 1,8 Billionen Dollar. Der Rekord von vergangenem November, als fast 3 Billionen Dollar erreicht wurden, ist derzeit weit entfernt. Gleiches gilt für den Bitcoin-Rekord von kapp 69 000 Dollar, der ebenfalls im vergangenen Herbst markiert wurde.

la/dpa-afx