Berg- und Talfahrt für Bitcoin und Co. Das sind die größten Kryptowährungen

Der Bitcoin erlebte in den vergangenen Tagen einen dramatischen Absturz. Wirtschaftsprofessor Philipp Sandner ordnet den Verlust ein und verrät, welche Cyberwährungen seiner Meinung nach langfristig bestehen werden.
Hoch volatil: Kryptowährungen

Hoch volatil: Kryptowährungen

Foto: Marijan Murat / dpa

Hört man das Wort Kryptowährungen, dürfte wohl den meisten Menschen als erstes der Bitcoin einfallen. Tatsächlich ist der Bitcoin die bislang größte Kryptowährung der Welt. Die Marktkapitalisierung beträgt etliche Milliarden Dollar – der Kurs schwankt je nach Tagesgeschehen mal mehr, mal weniger.

Die Faszination, eine Währung zu erschaffen, die via Blockchain über Grenzen hinweg ohne regulierende Institutionen dazwischen funktioniert, hat zu einer regelrechten Gründerwelle geführt. Längst ist der Bitcoin nicht mehr die einzige digitale Währung, etliche tausend Internetcoins wurden bereits programmiert - und es könnten noch mehr werden.

Auf der anderen Seite wurde so manches Projekt wieder aufgegeben. Gescheitert sind beispielsweise Cyberwährungen wie Onecoin, Bitconnect und Boringcoin. Aktuell ist die Zukunft von Facebooks Diem – ehemals Libra – mehr als fraglich. Ende Januar löste Mark Zuckerberg (37) die Diem-Stifung auf, die Technologie wurde an die kalifornische Bank Silvergate verkauft.

Dass Kryptowährungen aber generell wieder verschwinden, kann sich Phillipp Sandner (41), Professor an der Frankfurt School of Finance & Management, nicht vorstellen – und das obwohl China sie bereits verboten hat und die russische Zentralbank ebenfalls ein Verbot fordert, allerdings ohne sich den Zuspruch des russischen Präsidenten Wladimir Putin holen zu können.

"Der Bitcoin ist im Krypto-Ökosystem bereits sehr verflochten", sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Tatsächlich gilt er als "Goldstandard" unter den Cyberwährungen, er existiert bislang am längsten und weist die höchste Marktkapitalisierung auf. Dahinter rangieren Ethereum, Tether, BNB, Cardano und USD Coin.

"Ich gehe davon aus, dass noch viele neue Krypto-Assets entstehen", betont Sandner, der auch Leiter der Frankfurt School Blockchain Centers ist. Es sei eine gänzlich neue Technologie und würde viele Neugründungen hervorrufen. Auch wenn nicht alle der bislang tausenden Kryptowährungen langfristig Bestand haben, schränkt der Professor ein. Dass die Top Ten langfristig überdauern, hält er für wahrscheinlich.

Mittlerweile beschäftigten sich auch Banken und Geldinstitute mit dem Thema und bereiten einen Einstieg vor, berichtet Sandner im Gespräch mit manager magazin weiter. Das würde die Verbreitung weiter vorantreiben. Gerade bei Niedrigzinsen und Inflation können manche Kryptowährungen eine willkommene Anlage sein - wenn auch höchst spekulativ.

Wer Cybercoins sein Vertrauen schenkt, sollte sich der Risiken bewusst sein. Sandner bezeichnet die hohen Schwankungen als eines der Hauptkriterien, die alle Kryptowährungen ausmache. So fiel der Kurs des Bitcoins zuletzt dramatisch. "Das zeigt die große Volatilität der Krypto-Assets, aber substanziell hat sich wenig verändert", konstatiert der Wissenschaftler.

Die Internetwährungen stehen aber auch aus anderen Gründen in Verruf: Kritiker bemängeln seit Langem den hohen Energiebedarf beim Schürfen der Coins. Notenbanken und Geldinstitute betonen die fehlende Regulierung. Darüber hinaus können die Internetwährungen für Geldwäsche und kriminelle Machenschaften ausgenutzt werden.

So warnt auch die US-amerikanische Anlegerschutzorganisation North American Securities Administrators Association (NASAA) wiederholt vor Krypto-Betrug. Um Risiken zu minimieren, sollten Anleger über die Menschen und Unternehmen, die hinter Investmentangeboten stünden, aktiv Nachforschungen betreiben, um einem eventuellen Betrug vorzubeugen. Besonders misstrauisch sollten Anleger sein, würde ihnen das schnelle Geld versprochen.

Vorsicht sollten Investoren auch walten lassen, wenn es um den Speicherort ihrer Cybercoins geht. Gingen die Zugangsdaten der sogenannten Wallets verloren, könnten sie nicht wieder neu generiert werden und die Investitionen ginge im schlimmsten Fall verloren, warnen Experten.

Trotz aller Widrigkeiten geht Sandner nicht von Verboten für Kryptowährungen in Europa und den USA aus. Die Staaten dürften sicherlich noch weiter festzurren, welche Handlungen erlaubt und welche verboten sind. Aber eine Welt ohne Bitcoins und Co. sei nicht mehr vorstellbar. In den kommenden Jahren, so Sandners Prognose, könnten sich der Bitcoin und andere Krypto-Assets daher noch signifikant weiterverbreiten. Die Berg- und Talfahrt der Coins dürfte dabei unversehens weitergehen.

akn