Crash der Kryptowährung Bitcoin im freien Fall

Der Bitcoin beschleunigt seinen Kurssturz: Binnen weniger Tage fällt die Kryptowährung um mehr als 30 Prozent. Die steigenden Zinsen drücken die Cyberdevise auf das tiefste Niveau seit 18 Monaten. Viele Investoren fliehen aus Krypto, Tech und anderen riskanten Anlagen.
Bitcoin-Crash: Die Blase platzt

Bitcoin-Crash: Die Blase platzt

Foto: BRENDAN MCDERMID/ REUTERS

Kurssturz von Bitcoin, Ethereum und Co: Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin hat am Donnerstag ihren Kurssturz beschleunigt und ist unter die Marke von 26.000 US-Dollar gefallen. Damit hat die Cyberdevise binnen einer Woche rund ein Drittel an Wert verloren und notiert inzwischen auf dem tiefsten Niveau seit Dezember 2020. Auch andere Kryptowährungen wie Ether stürzten ab.

Die Aussicht auf weiter steigende Zinsen treiben Investoren in Scharen aus Kryptowährungen. Im November vergangenen Jahres hatte Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar erreicht. Seitdem hat sich die Bewertung mehr als halbiert.

Als entscheidend für die schlechte Stimmung am Kryptomarkt gilt die Aussicht auf weiter steigende Zinsen. Nicht nur in der weltgrößten Volkswirtschaft USA, auch in vielen anderen Ländern stemmen sich die Notenbanken mit einer strafferen Geldpolitik gegen die hohe Inflation.

Steigende Zinsen lasten meist auf riskanten Anlagen wie Digitalwährungen. Zudem werfen Bitcoin und andere Kryptowerte keine laufenden Erträge wie Zinsen ab. Steigen die Zinsen, sinkt die Attraktivität zinsloser Anlagen gegenüber zinstragenden Titeln wie festverzinslichen Wertpapieren.

Außerdem gibt es noch viele Investoren, die seit der Kursrallye am Kryptomarkt des Jahres 2021 noch immer auf Gewinnen sitzen – und nun schleunigst Geld in Sicherheit bringen, da Anleger weltweit aus riskanten Assets fliehen. Das Tempo des Kursrutsches auf dem Kryptomarktes ist noch rasanter als im Techsektor, wo es auch zahlreiche Überbewertungen gab.

Marktwert aller Kryptowerte von 3 auf 1,1 Billionen Dollar gefallen

Auch andere Digitalwerte gaben im Kurs weiter nach. Der nach Bitcoin zweitgrößte Digitalwert Ether fiel deutlich unter die Marke von 2000 US-Dollar. Ether hat seit Jahresbeginn etwa die Hälfte seines Werts verloren.

Der Marktwert aller rund 19 400 Kryptoanlagen beträgt derzeit rund 1,1 Billionen Dollar. Der Rekordwert von fast drei Billionen Dollar, erreicht im November vergangenen Jahres, ist weit entfernt.

"Stablecoin" TerraUSD unter Druck

Als weiterer Grund für den Kursrutsch gelten Turbulenzen bei TerraUSD oder UST. Dabei handelt es sich um einen sogenannten "Stable Coin", der sich in Abgrenzung zu anderen Digitalwerten durch besondere Wertstabilität auszeichnen soll. TerraUSD will dies durch einen speziellen Algorithmus erreichen, der die Kryptowährung in einem stabilen Verhältnis zum US-Dollar halten soll. In den vergangenen Tagen hat sich der UST-Kurs aber von seiner Anbindung an den Dollar gelöst und ist erheblich unter Druck geraten. Der Vorfall, dessen Gründe noch unklar sind, wirft ein schlechtes Licht auf den ohnehin angekratzten Ruf vieler Digitalwährungen. Sie gelten als energieintensiv und anfällig für kriminellen Missbrauch. Außerdem schwanken sie oft stark im Wert, was sie als Anlage für Kleinanleger eher ungeeignet erscheinen lässt

Belastet werden Kryptowerte darüber hinaus von der anhaltenden Unsicherheit wegen des russischen Krieges gegen die Ukraine. Beobachter stellen schon seit einiger Zeit fest, dass Digitalwährungen sich relativ eng im Gleichklang mit den Aktienmärkten bewegen. Trübt sich dort die Stimmung ein, fallen häufig auch die Kurse von Bitcoin und anderen Internetdevisen. Von ihrem vermeintlichen Status als "sicherer Hafen", den Kryptofans digitalen Vermögenswerten bis heute gerne zusprechen, ist in den vergangenen Monaten kaum etwas zu sehen.

Im März hatte der Bitcoin noch Auftrieb durch Russlands Ausschluss aus dem Kommunikationssystem Swift bekommen. In Branchenkreisen wurde vermutet, dass zahlreiche russische Anleger Bitcoin als eine Fluchtwährung verstärkt nutzten, um ihre Vermögenswerte zu parken. Kryptowährungen gelten als Mittel, um Sanktionen zumindest teilweise  aufzuweichen.

dri/dpa