Absturz der Krypto-Börse Coinbase Warum der Kryptomarkt in heller Aufregung ist

Der Bitcoin hat sich seit November mehr als halbiert. Die weltgrößte Kryptobörse Coinbase hat binnen fünf Tagen die Hälfte ihres Börsenwertes verloren. Die extremen Schwankungen am Kryptomarkt haben auch mit dem Kollaps des angeblichen "Stablecoins" UST zu tun.
50 Prozent Verlust in fünf Handelstagen: Der Kurs der weltgrößten Kryptobörse Coinbase ist kollabiert – ebenso wie das Versprechen des "Stablecoins" Terra USD

50 Prozent Verlust in fünf Handelstagen: Der Kurs der weltgrößten Kryptobörse Coinbase ist kollabiert – ebenso wie das Versprechen des "Stablecoins" Terra USD

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Richard Drew / AP

Für Investoren am Kryptomarkt sind zweistellige Kursschwankungen binnen eines Tages normal. Doch was Krypto-Anleger in den vergangenen Wochen erlebt haben, dürfte auch ihren stresserprobten Nerven zusetzen. Die weltweit größte und bekannteste Kryptowährung Bitcoin hat ihren Kursrutsch in dieser Woche beschleunigt und fiel zeitweise bis auf 27.000 US-Dollar: ein Verlust von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Rekordhoch aus November 2021. Die Marktkapitalisierung sämtlicher Kryptowährung ist in diesem Zeitraum von drei Billionen Dollar auf rund eine Billion Dollar geschmolzen.

Wer in die Aktie der weltgrößten Krypto-Börse Coinbase investiert hat, erlebte einen solchen Kurssturz sogar im Zeitraffer: Vor einer Woche notierte die Coinbase-Aktie noch bei 102 US-Dollar und fiel am Donnerstag zeitweise deutlich unter die Marke von 50 Dollar. Insgesamt 50 Prozent Wertverlust binnen fünf Handelstagen. Seit dem Rekordhoch von Mitte November, als Coinbase im Gleichschritt mit der Bitcoin-Rallye bis auf 350 US-Dollar stieg, hat das Unternehmen mehr als 80 Prozent an Wert verloren.

Am Freitag setzten sowohl Coinbase wie auch die meisten Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether zu einer Erholung an und legten wieder zweistellig zu. Spekulative Investoren hoffen auf eine Gegenreaktion nach dem Ausverkauf und steigen schrittweise wieder ein.

Doch die Frage bleibt: Wie kann das sein? Lässt sich der rasante Absturz allein dadurch erklären, dass Anleger deutlich steigende Zinsen erwarten und deshalb ihre Risikoanlagen reduzieren?

Die Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed, die weiterhin hohe Inflation und steigende Zinserwartungen der Anleger sind wichtige Faktoren dafür, dass Anleger ihre Investitionen im spekulativen Kryptomarkt reduzieren. Doch in dieser Woche kamen noch zwei weitere Faktoren hinzu, die für helle Aufregung am Markt gesorgt haben.

Coinbase schockt Anleger - und startet anschließend Erholungsrallye

Zunächst hat die Kryptobörse Coinbase am Dienstag mit ihren Quartalszahlen viele Anleger geschockt. Die Kryptowährungs-Plattform hat im ersten Quartal einen Rückgang des Umsatzes von 35 Prozent auf 1,17 Milliarden Dollar erlitten. Auch das Handelsvolumen fiel auf 309 Milliarden Dollar im Vierteljahr bis Ende März nach 335 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Zudem schrieb das Unternehmen einen Nettoverlust von 429,7 Millionen Dollar nach einem Nettogewinn von 387,7 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Die hohe Volatilität am Krypto-Markt hat Anleger dazu bewegt, sich nach anderen Investitionsmöglichkeiten umzuschauen - das sind keine guten Voraussetzungen für die Wachstumsstory von Coinbase.

Richtig nervös wurden Anleger jedoch, weil der Börsenbetreiber im Rahmen der Quartalszahlen eher routinemäßig darauf hinwies, dass Anleger im Fall einer Insolvenz von Coinbase ihre Krypto-Vermögenswerte verlieren könnten. Diese seien kein Sondervermögen, sondern würden im Fall einer Insolvenz als Teil der Insolvenzmasse betrachtet. Unabhängig davon, wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich eine Pleite der Kryptobörse ist: Allein der Hinweis auf eine solche Möglichkeit trieb in einem ohnehin nervösen Umfeld zahlreiche weitere Anleger aus der Aktie.

Angeblicher "Stablecoin" TerraUSD kollabiert

Für extreme Unruhe sorgte in dieser Woche außerdem der Kollaps des angeblichen Stablecoins TerraUSD (UST). Die Kurse der sogenannten Stablecoins sind an andere Werte wie den US-Dollar oder Gold gebunden. Damit sollen extreme Schwankungen, wie sie bei Bitcoin oder Ethereum an der Tagesordnung sind, vermieden werden. Der bekannteste und größte Stablecoin "Tether" ist zum Beispiel an den USD-Dollar gebunden.

Im Gegensatz zu Tether ist TerraUSD jedoch ein sogenannter "dezentraler" Stablecoin. Hier soll automatisiert ein komplexer Mechanismus von Handelsgeschäften mit anderen Kryptowährungen den Kurs bei einem US-Dollar pro TerraUSD halten. Dies hat aber offenkundig nicht funktioniert: In dieser Woche brach TerraUSD ein und fiel zeitweise unter die Marke von 10 Cent. Der Kurseinbruch stärkte die Zweifel, wie stabil "Stablecoins" in Zeiten hoher Volatilität wirklich sein können. Selbst der an den Dollar gebundene Stablecoin Tether fiel im Zuge des Terra-Absturzes zeitweise auf 95 Cent und damit unter die Marke von 1 Dollar. Auch dies wirkt nicht gerade als vertrauensbildende Maßnahme für den Markt.

Am Freitag haben sich Bitcoin, Ether, Tether und die Aktie von Coinbase wieder spürbar erholt. Doch laut den Analysten von Morgan Stanley könnte schon mit der nächsten Verkaufswelle ein weiterer Stresstest für den Markt folgen. Anleger vertrauen darauf, dass den Anbietern von Stablecoins auch in Zeiten fallender Kurse noch genug Liquidität zur Verfügung steht - schwindet dieses Vertrauen, wird es gefährlich, "Der Kollaps der Kursbindung von TerraUSD hatte einige hässliche und vorhersehbare Nebenwirkungen", sagte Richard Usher, Manager beim auf Digitalwährungen spezialisierten Finanzdienstleister BCB.

Vor diesem Hintergrund wollen Regierungen die Regulierung des Sektors vorantreiben. Ashley Alder, Chef der Weltorganisation der Börsenaufsichten (IOSCO), signalisierte für kommendes Jahr die Gründung einer internationalen Behörde für Kryptowährungen. Neben dem Klimawandel und der Pandemie sei dies das dritte wichtige Thema für Regierungen. Die US-Notenbank hatte unlängst vor Kurseinbrüchen bei Stablecoins gewarnt, weil in turbulenten Börsenzeiten der Wert der Einlagen, die die Preisbindung gewährleisten sollen, fallen könne.

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