Aktie mit Kurssprung Biontech meldet Fortschritte bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs

Biontech und Pfizer vermelden weitere positive Testergebnisse ihres Corona-Impfstoffs. Das sorgt unter Anlegern für Aufruhr.
Biontech-Mitarbeiter in Mainz: Der Impfstoff hat für eine stärkere Immunabwehr gegen die Lungenkrankheit Covid-19 gesorgt

Biontech-Mitarbeiter in Mainz: Der Impfstoff hat für eine stärkere Immunabwehr gegen die Lungenkrankheit Covid-19 gesorgt

Foto: Stefan Albrecht / Biontech / dpa

Die Forschungspartner Biontech und Pfizer kommen bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus voran. Weitere Daten aus einer Studie der frühen Phase I mit dem Wirkstoffkandidaten BNT162b2 seien positiv ausgefallen, teilten das Mainzer Biotechunternehmen und der US-Pharmakonzern am Freitag gemeinsam mit. Der Wirkstoff habe sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Patienten im Test für eine starke Immunabwehr gegen die Krankheit Covid-19 gesorgt.

An der Börse gab es Beifall: Auf der Handelsplattform Tradegate wurden die Anteilsscheine von Biontech  kräftig gehandelt. Die an der Nasdaq erstnotierten Aktien stiegen dort zuletzt um rund 15 Prozent. Seit ihrer Erstnotiz an der US-Börse zum Ausgabepreis von 15 Dollar im vergangenen Oktober hat sich der Biontech-Kurs vervierfacht. Die Papiere von Pfizer  stiegen um moderate 2,5 Prozent.

Berenberg-Analyst Zhiqiang Shu hatte sich erst kürzlich positiv zu Biontech geäußert: Das Biotech-Unternehmen arbeite in Lichtgeschwindigkeit an der Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs, schrieb der Experte.

Biontech und Pfizer planen weiterhin für den Erfolgsfall, die Zulassung für den Wirkstoff bereits im Oktober dieses Jahres zu beantragen. Sollte die Impfung grünes Licht von den Behörden bekommen, sollen noch bis Ende dieses Jahres weltweit bis zu 100 Millionen Dosen ausgeliefert werden, sagte Biontech-Vorstandschef  Ugur Sahin (54) . Bis Ende 2021 planen die beiden Unternehmen mit rund 1,3 Milliarden Impfstoffdosen.

Ob der Impfstoff-Kandidat aber tatsächlich vor einer Corona-Infektion schützt, muss in der Phase II/III gezeigt werden. Diese zulassungsrelevante Studie mit dem Wirkstoffkandidat BNT162b mit bis zu 30.000 Menschen läuft seit Juli. Bislang seien in das Programm 11.000 Teilnehmer aufgenommen worden, demnächst würden sie die zweite Impfung bekommen, hieß es weiter. Darunter seien auch Menschen aus solchen Gegenden, in denen sich das Virus stark verbreite.

Russland hat Impfstoff bereits zugelassen

Weltweit gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gegenwärtig 169 Corona-Impfstoffprojekte, davon befinden sich 30 in der klinischen Erprobung an Menschen, acht davon in der entscheidenden abschließenden Phase-3-Studie, die für eine Zulassung ausschlaggebend ist. Aus Europa etwa testen Wissenschaftler der Universität Oxford gemeinsam mit dem Pharmakonzern AstraZeneca bereits seit Juni ihren Wirkstoff in einer Phase-III-Studie. Auch der US-Konzern Moderna, der mit ähnlichen Technologien arbeitet wie das Mainzer Biontech, testet bereits in einer Massenstudie.

Als erstes Land hatte Russlands vor gut einer Woche die weltweit erste Zulassung für seinen Corona-Impfstoff namens "Sputnik-V" verkündet. Über Daten oder überhaupt die Durchführung einer Phase-III-Studie ist nichts bekannt. Westliche Forscher sehen das Vorpreschen der Russen daher höchst kritisch.

Damit ein Impfstoff in Deutschland auf den Markt kommen kann, benötigt er eine behördliche Zulassung. Für eine nationale Zulassung ist das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zuständig. Alternativ kann eine zentrale europäische Zulassung durch die EU-Kommission erteilt werden. Sie wird unter Mitwirkung des PEI von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA koordiniert.

Wann es so weit sein wird, ist nach wie vor unklar. Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres - dies ist der Zeitrahmen, den viele Experten nennen. Immer vorausgesetzt, die klinische Prüfung verläuft erfolgreich, wie PEI-Präsident Klaus Cichutek (64) kürzlich sagte.

Erfolgt aufgrund einer positiven Bewertung die Zulassung, muss der Impfstoff in möglichst großen Mengen produziert werden. Unter diesen Annahmen könnten "wir Mitte 2021 über einen Impfstoff verfügen, der auf breiter Basis eingesetzt werden kann", erklärte WHO-Chefforscherin Soumya Swaminathan (61) kürzlich der Deutschen Presse-Agentur.

mg/dpa-afx/Reuters