BGH-Urteil Prozess um Telekom-Börsengang muss erneut verhandelt werden

Mehr als 20 Jahre nach dem sogenannten dritten Börsengang der Deutschen Telekom muss der zugehörige Anlegerschutzprozess noch einmal aufgerollt werden. Anleger, die die "Volksaktie" Im Juni 2000 zu einem Preis von 66,50 Euro je Aktie gezeichnet haben, sitzen bis heute auf herben Verlusten.
Volksaktie: Telekom-Chef Ron Sommer (Mitte) warb wortreich für die T-Aktie, die im Sommer 2000 zum Ausgabepreis von 66,50 Euro unters Volk gebracht wurde. Danach ging es steil abwärts

Volksaktie: Telekom-Chef Ron Sommer (Mitte) warb wortreich für die T-Aktie, die im Sommer 2000 zum Ausgabepreis von 66,50 Euro unters Volk gebracht wurde. Danach ging es steil abwärts

Foto: Arne Dedert/ picture alliance / dpa

Der Prozess um die dritte Tranche des Telekom-Börsengangs geht weiter: Der Bundesgerichtshof hat den Musterentscheid des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt erneut in Teilen aufgehoben und zur Neuverhandlung zurückverwiesen, wie die Justiz am Freitag in Karlsruhe mitteilte. Hinter dem Musterverfahren stehen rund 16.000 klagende Kleinaktionäre, die Schadenersatz für ihre erlittenen Kursverluste in Höhe von rund 80 Millionen Euro verlangen, den die Telekom verweigert. Ihre Klagen waren zu einem Kapitalanlegermusterverfahren zusammengefasst worden, das bereits zwei Mal am OLG Frankfurt verhandelt wurde. Für den dritten Prozess stehen laut Gericht noch keine Termine fest.

Nach früherer Feststellung des BGH enthält der Börsenprospekt schwerwiegende Fehler im Zusammenhang mit der US-Beteiligung Sprint. In der 1999er-Bilanz der Telekom war dafür ein Sondergewinn von 8,2 Milliarden Euro ausgewiesen, obwohl die Beteiligung nur intern an eine Konzerntochter «umgehängt» worden war. Die Frankfurter Richter haben nach Auffassung des OLG nicht ausreichend geprüft, ob dieser Sprint-Vorgang später tatsächlich Auslöser für den Kursabsturz der Aktie war. Dies solle nun mit einem Gutachten nachgeholt werden.

Die Telekom hatte im Juni 2000 T-Aktien in der so genannten dritten Tranche zu einem Preis von 66,50 Euro ausgegeben. Anleger, die das als "Volksaktie" beworbene Papier damals gezeichnet hatten, sitzen bis heute auf Verlusten von mehr als 70 Prozent. Aktuell notiert die Aktie der Deutschen Telekom bei rund 15 Euro.

In einem anderen Punkt bestätigte der BGH die Frankfurter Entscheidung aus dem Jahr 2016: Allein die Falschangabe im Verkaufsprospekt löst noch keinen Anspruch auf Schadenersatz aus. Es müsse vielmehr in jedem Einzelfall geklärt werden, ob der Anleger seine Kaufentscheidung anhand des Prospekts getroffen hat. Die Beweislast liegt allerdings bei der Telekom, die darlegen muss, dass die Aktionäre das eben nicht getan haben.

la/dpa
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