Tod mit 82 Jahren Milliardenbetrüger Madoff stirbt im Gefängnis

Sein Name ist mit dem größten Skandal der Wall-Street-Historie verbunden. Nachdem er 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt worden war, starb Bernie Madoff jetzt in einer amerikanischen Gefängnis-Klinik. Geschichte eines "Jahrhundertbetrügers".
Jahrhundertbetrüger: Bernard Madoff im Jahr 2009

Jahrhundertbetrüger: Bernard Madoff im Jahr 2009

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TIMOTHY A. CLARY/ AFP

Er war der Drahtzieher eines der größten Anlagebetrugsfälle der Finanzgeschichte – nun ist Bernard Madoff im Alter von 82 Jahren gestorben. Nachdem er 2009 zu einer 150-jährigen Haftstrafe verurteilt worden war, hat der "Jahrhundertbetrüger" das Gefängnis nicht mehr verlassen.

Noch im vergangenen Jahr, nach Ausbruch der Corona-Pandemie, hatten Madoffs Anwälte erfolglos vor Gericht versucht, ihn freizubekommen, da er an einer Nierenerkrankung im Endstadium und anderen chronischen Krankheiten leide. "Ich bin sterbenskrank", sagte Madoff damals der "Washington Post"  in einem Telefoninterview. Er habe noch weniger als 18 Monate zu leben. "Es gibt keine Heilung für meine Art von Krankheit." An diesem Mittwoch starb er in einem Gefängniskrankenhaus, dem Federal Medical Center in Butner, North Carolina. Bis zu seinem Tod habe Madoff "mit Schuld und Reue für seine Verbrechen gelebt", erklärte sein Anwalt.

An der Wall Street war Bernie Madoff lange ein Star. Jahrzehntelang genoss er das Image eines Selfmade-Finanzgurus, dessen Midas-Touch den Marktschwankungen trotzte. Als ehemaliger Vorsitzender der Nasdaq-Börse zog er eine treue Schar von Investmentkunden an – von Rentnern aus Florida bis hin zu Berühmtheiten wie Hollywoodregisseur Steven Spielberg (74) sowie dessen Geschäftspartner und Mitgründer des Dreamworks-Studios, Jeffrey Katzenberg (70). Insgesamt fielen rund 4800 Opfer auf sein Betrugssystem herein.

Sein Schneeball-Betrugssystem, das 2008 entlarvt wurde, gilt als größter Betrug der Wall-Street-Geschichte. Madoff trug einen Bademantel, als zwei FBI-Agenten an einem Dezembermorgen an seiner Tür standen. Zum Zeitpunkt der Verhaftung gaukelten gefälschte Kontoauszüge seinen Kunden vor, dass sie Anlagen im Wert von 60 Milliarden Dollar besäßen – eine Illusion. Im Laufe der Jahre schafften es gerichtlich bestellte Treuhänder immerhin, mehr als 14 Milliarden Dollar an die Investoren zurückzugeben.

In seinem spektakulären Gerichtsverfahren bekannte Madoff sich im März 2009 des Wertpapierbetrugs und anderer Vorwürfe für schuldig und sagte, er sei "zutiefst traurig und beschämt". Anfangs habe er noch geglaubt, davon zu kommen. Aber irgendwann sei ihm klar geworden, dass er hier landen werde. Madoff war so verhasst, dass er vor Gericht eine kugelsichere Weste trug.

"Er hat die Reichen bestohlen. Er hat die Armen bestohlen. Er bestahl die, die dazwischen lagen. Er hatte keine Werte", sagte der ebenfalls bereits verstorbene Investor Tom Fitzmaurice dem Richter. "Er hat seine Opfer um ihr Geld betrogen, damit er und seine Frau ein Leben in unvorstellbarem Luxus führen konnten.''

Der Richter Denny Chin (67) sprach die maximal mögliche Strafe aus: 150 Jahre, weil die Verbrechen "außerordentlich böse" waren und eben nicht nur "unblutig auf dem Papier" stattfanden, sondern wirkliches Leid verursacht hätten. Nachdem er mehrere Monate in seiner 7-Millionen-Dollar-Penthouse-Wohnung in Manhattan unter Hausarrest gelebt hatte, wurde Madoff unter dem Beifall verärgerter Investoren im Gerichtssaal in Handschellen ins Gefängnis geführt.

Madoffs gesamtes Vermögen wurde eingezogen, einschließlich Immobilien, Investitionen und 80 Millionen Dollar an Vermögenswerten, die seine Frau Ruth für sich beansprucht hatte. Ihr blieben lediglich 2,5 Millionen Dollar. Die Familie litt unter dem Skandal. Einer seiner Söhne, Mark, brachte sich am zweiten Jahrestag der Verhaftung seines Vaters 2010 um. Madoffs Bruder Peter, der einst die Geschäft mitführte, wurde 2012 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, obwohl er behauptete, über die Untaten seines Bruders im Unklaren gewesen zu sein. Madoffs zweiter Sohn, Andrew, starb im Alter von 48 Jahren an Krebs. Seine Frau Ruth lebt noch. Seit der Verhaftung ihres Mannes sei sie oft zur Zielscheibe des Spottes der Opfer geworden, dass auch sie von ihrer Highschool-Liebe getäuscht worden sei, erzählte sie einmal. "Ich schäme mich. Wie jeder andere fühle ich mich betrogen und verwirrt. Der Mann, der diesen schrecklichen Betrug begangen hat, ist nicht der Mann, den ich all die Jahre gekannt habe.''

Madoff wurde 1938 in einer jüdischen Nachbarschaft der unteren Mittelklasse in Queens geboren. In der Finanzwelt wurde die Geschichte seines Aufstiegs zur Berühmtheit zur Legende – wie er 1960 mit ein paar tausend Dollar, die er als Bademeister und Installateur gespart hatte, an die Wall Street ging. In den 1980er Jahren belegte Bernard L. Madoff Investment Securities drei Etagen eines Hochhauses in Midtown Manhattan. Dort betrieb er mit seinem Bruder und später zwei Söhnen ein legitimes Geschäft als Vermittler zwischen Käufern und Verkäufern von Aktien.

Bekannt wurde, weil er mit seinem Fachwissen half, die erste elektronische Börse ins Leben zu rufen, die Nasdaq. Er beriet sogar die US-Börsenaufsicht SEC in technischen Fragen. Die Aufseher fanden jedoch nie heraus, dass Madoff hinter den Kulissen, in einem separaten Büro, heimlich ein Netz von Phantomvermögen spannte, indem er das Geld von neuen Investoren nutzte, um Renditen an alte Investoren zu zahlen. Ein alter IBM-Computer erstellte monatliche Kontoauszüge, die selbst bei Marktabschwüngen konstant zweistellige Renditen auswiesen.

Die hässliche Wahrheit: Es wurden nie Wertpapiere gekauft oder verkauft. Madoffs Finanzchef, der vor sechs Jahren verstorbene Frank DiPascali, der auch der Hauptzeuge der Anklage war, sagte 2009 in einem Schuldbekenntnis, dass die Kontoauszüge "alle gefälscht" gewesen seien. Madoff habe ihn erst kurz vor Auffliegen des Skandals in seinem Büro davon erzählt. "Er hatte den ganzen Tag aus dem Fenster gestarrt. Er drehte sich zu mir um und sagte weinend: "Ich bin am Ende meiner Kräfte. Die ganze verdammte Sache ist ein Betrug."'

lhy/AP
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