Erstmals seit drei Jahren Bank of England erhöht Leitzinsen

Es ist die Woche der Notenbanken, auch in London berieten am Donnerstag Zentralbanker über die Geldpolitik. Ihre Entscheidung hatten viele nicht erwartet.
Bastion gegen Geldentwertung: Die Bank of England erhöhte überraschend ihren Leitzins

Bastion gegen Geldentwertung: Die Bank of England erhöhte überraschend ihren Leitzins

Foto: TOBY MELVILLE / REUTERS

Im Kampf gegen die hohe Inflation erhöht die britische Zentralbank den Leitzins: Die Bank of England steigerte den Zins am Donnerstag von niedrigen 0,1 Prozent auf 0,25 Prozent. Die Teuerungsrate in Großbritannien hatte zuletzt ein Zehnjahreshoch erreicht und lag im November bei 5,1 Prozent. Das ist mehr als doppelt so hoch wie das Ziel der Bank of England von zwei Prozent.

Die Zentralbanken stehen derzeit vor einem Dilemma und sind zwischen der steigenden Inflation und der Corona-Krise hin- und hergerissen. Die Pandemie droht mit der Omikron-Variante in neuer Stärke zurückzukehren - die Wirtschaft braucht daher billiges Geld. Diese Niedrigzinspolitik befeuert aber auch die zuletzt stark angestiegenen Inflationsraten. Die Fed in den USA hat in dieser Woche ebenfalls Zinssteigerungen im kommenden Jahr in Aussicht gestellt. Die Europäische Zentralbank dagegen betonte auch nach der Sitzung am Donnerstag, Zinsschritte seien im kommenden Jahr kein Thema.

Vertreter der Politik in Großbritannien hatten steigende Leitzinsen zuletzt als "nötig" bezeichnet, die Finanzmärkte des Landes reagierten am Donnerstag dennoch überrascht auf die Abkehr von der sehr niedrigen Zinspolitik. Die Entscheidung im geldpolitischen Rat der Zentralbank fiel acht zu eins für die erste Zinserhöhung seit über drei Jahren aus.

Die Zentralbank betonte indes auch, dass die Omikron-Variante ein weiteres Abwärtsrisiko für die britische Wirtschaft darstelle. Außerdem belasten Probleme in den Lieferketten ganze Wirtschaftssektoren des Landes stark.

Auch Norwegens Zentralbank erhöhte den Leitzins am Donnerstag - zum bereits zweiten Mal in weniger als drei Monaten: Er beträgt nun 0,5 Prozent, wie die Notenbank mitteilte. Sie schloss zudem eine weitere Erhöhung kommendes Jahr nicht aus. Die Erhöhung fällt in eine Zeit der allmählichen wirtschaftlichen Erholung des Landes von der Pandemie. Die Inflation lag zuletzt bei über 5 Prozent.

cr/afp