Gericht bestätigt Squeeze-out Weg für Audis Börsenrückzug ist frei

Der Volkswagen-Konzern darf Audi wie geplant von der Börse nehmen und die Kleinaktionäre abfinden. Das Oberlandesgericht München hat den beantragten Squeeze-out freigegeben.
Audi-Fahrzeuge vor dem Werk Neckarsulm

Audi-Fahrzeuge vor dem Werk Neckarsulm

Foto: Christoph Schmidt/ dpa

Volkswagen kann wie geplant die Minderheitsaktionäre bei Audi herausdrängen und seine Tochter von der Börse nehmen. Das Oberlandesgericht München habe dem Antrag zur Freigabe des Squeeze-outs stattgegeben, sagte Finanzchef Arno Antlitz (50) am Freitag bei einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen. Damit könne der von der Hauptversammlung Ende Juli gefasste Übertragungsbeschluss ins Handelsregister eingetragen werden. "Die Klagen können den Fortgang des Prozesses nicht behindern", sagte Antlitz.

Volkswagen will den Kleinaktionären der Ingolstädter Oberklassetochter den erzwungenen Abschied mit einer Barabfindung von 1551,53 Euro je Audi-Aktie versüßen. Dem Wolfsburger Konzern gehören bereits 99,64 Prozent an Audi. Die übrigen Anteile liegen vor allem bei Spekulanten, die auf eine lukrative Abfindung gesetzt haben. Gegen den Hauptversammlungsbeschluss hatten nach Angaben von Audi ursprünglich zwei Kleinaktionäre geklagt.

Audi blickt wie sein Mutterkonzern Volkswagen etwas zuversichtlicher auf die letzten Monate des Jahres. Das Unternehmen erwartet, dass sich der positive Trend bei den Auslieferungen aus dem dritten Quartal fortsetzt. Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann (54) sagte, die Auftragsbücher seien gut gefüllt. Doch Antlitz betonte auch: "Corona ist nicht vorbei, und die Auswirkungen der zweiten Welle sind kaum verlässlich abschätzbar."

Damit sollten die Auslieferungen und der Umsatz im Gesamtjahr jeweils deutlich unter den Werten des Vorjahres liegen, bekräftigte Audi am Freitag frühere Aussagen. Das operative Ergebnis werde somit erheblich unter dem Vorjahr liegen, aber klar positiv sein. Für den Mittelzufluss (Netto-Cashflow) prognostiziert der Konzern nun einen Wert auf Höhe des Vorjahres. Bisher war hier ein Rückgang erwartet worden.

Kosten sinken drastisch - Produktion soll stabil durch zweite Corona-Welle kommen

Im dritten Quartal hat Audi wieder gute Geschäfte gemacht. Umsatz und Gewinn lagen von Juli bis September über den Werten aus dem Vorjahreszeitraum, wozu aber auch Nachholeffekte aus dem ersten Halbjahr und der Verkauf von Anteilen am Kartendienst Here beitrugen.

Von Juli bis September lagen der Gewinn mit 1,1 Milliarden Euro und der Umsatz mit 12,8 Milliarden Euro klar über dem Vorjahreszeitraum. Im laufenden Jahr klafft zu den Vergleichszahlen aus 2019 aber nach wie vor ein Loch von gut 8 Milliarden Euro beim Umsatz und knapp 1,7 Milliarden Euro beim Gewinn.

Bei den Geschäftszahlen profitiert Audi auch von Einsparungen. Man habe die Fixkosten um 11 Prozent gesenkt, sagte Antlitz. Dazu trägt auch der bereits vergangenes Jahr angekündigte Personalabbau bei. Zum Quartalsende ist die Belegschaft laut Audi bereits auf rund 87.000 gesunken - im Jahresdurchschnitt 2019 hatte sie noch bei knapp 90.800 gelegen. Zuletzt gingen unter anderem zum 1. Juli 1300 Mitarbeiter im Rahmen des Abbaus in Vorruhestand.

Der Finanzvorstand sieht das Unternehmen aber besser auf eine zweite Welle vorbereitet: Man habe viel getan, um Audi sicherer zu machen und beim Thema Teileversorgung viel gelernt. Er gehe davon aus, dass man auch bei einer stärkeren zweiten Welle die Produktion werde fortsetzen können.

ak/Reuters/dpa-afx
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