Montag, 23. September 2019

Anlageskandal Hat die Bafin im Fall S&K geschlafen?

Bafin-Eingang in Bonn: Hat die Aufsicht bei den S&K-Fonds etwas übersehen?

Die Finanzaufsicht Bafin hat möglicherweise eine Gelegenheit verpasst, den Anlageskandal um die Frankfurter S&K-Gruppe zum großen Teil zu verhindern. Das legen Schreiben nahe, die die Insolvenzverwalter der S&K-Fonds jetzt an tausende Anleger geschickt haben.

Hamburg - Hätte die Finanzaufsicht Bafin die Mehrzahl der geschlossenen Fonds der Frankfurter Immobiliengruppe S&K von vornherein stoppen können? Verschiedene Schreiben, die die Insolvenzverwalter der Fonds in diesen Tagen an die Investoren verschickt haben, legen diese Vermutung nahe. Hätte die Bafin eingegriffen, wäre tausenden Anlegern das inzwischen entstandene, viele Millionen Euro schwere Anlagedesaster womöglich erspart geblieben.

Konkret geht es um die Frage, ob Fonds der S&K-Gruppe Bankgeschäfte betrieben haben, ohne die dafür erforderliche Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zu besitzen. Zwei Insolvenzverwalter haben in diesen Tagen ihre Tätigkeit in den S&K-Immobilienfonds aufgenommen - einer von ihnen ist der Meinung, dass solche erlaubnispflichtigen Bankgeschäfte betrieben wurden, der andere hält das zumindest für möglich.

Trifft es zu, so stellt sich die Frage, warum das bei der Bafin offenbar niemand bemerkt hat. Schließlich wurde jeder der Fonds der Behörde vor dem Vertrieb zur Prüfung und Freigabe vorgelegt.

Zum Hintergrund: Bis zum Februar dieses Jahres, als die Staatsanwaltschaft Frankfurt den Geschäften der S&K-Gruppe mit einer bundesweiten Großrazzia ein Ende setzte, hatte S&K gemeinsam mit dem Hamburger Emissionshaus United Investors insgesamt fünf geschlossene Immobilienfonds auf den Markt gebracht. In die Beteiligungsgesellschaften, für die mittlerweile die Insolvenzverfahren eröffnet wurden, hatten Privatinvestoren bereits mehr als 100 Millionen Euro eingezahlt.

S&K-Fonds mit unüblicher Konstruktion

Den Insolvenzverwaltern fiel nun offenbar die besondere Konstruktion der Fonds ins Auge: Die bei Anlegern eingesammelten Gelder wurden nicht wie sonst üblich direkt in Immobilien investiert, sondern als Darlehen an andere S&K-Gesellschaften weitergereicht. Letztere sollten dann die versprochenen Investitionen durchführen.

Die Krux: Bei dieser Kreditvergabe könnte es sich um ein erlaubnispflichtiges Bankgeschäft im Sinne des Kreditwesengesetzes (KWG) handeln. Sollte dies der Fall sein, so hätte die Bafin den fraglichen Fonds die Freigabe wohl verweigern können. Denn eine Erlaubnis zum Betrieb von Bankgeschäften dürfte bei S&K kaum jemand besessen haben.

Jens-Sören Schröder beispielsweise ist der Meinung, dass ein solches Bankgeschäft betrieben wurde. Der Anwalt der Hamburger Kanzlei Johlke, Niethammer & Partner ist Insolvenzverwalter in den drei S&K-Fonds "Deutsche S&K Sachwerte", "S&K Investment" sowie "S&K Investment Plan", in denen zusammen rund 44 Millionen Euro an Anlegergeldern stecken.

Gegenüber manager magazin online wollte sich Schröder zwar nicht äußern. In einem Brief an die Gesellschafter des Fonds S&K Investment, der manager magazin online vorliegt, schrieb er jedoch vor einigen Tagen: "Nach meiner Ansicht hat die Gesellschaft Bankgeschäfte betrieben, wofür sie keine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hatte." Ähnliche Mitteilungen von Schröder erhielten nach Informationen von manager magazin online auch die Investoren der beiden anderen von ihm verwalteten Fonds.

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