Sonntag, 26. Mai 2019

Wende am US-Zinsmarkt Top-Indikator sendet Alarmsignal - erstmals seit 10 Jahren

Händler an der US-Börse: Negative Zeichen von der Zinsfront.

2. Teil: Der Hintergrund: Deshalb wird die Zinsstruktur so viel beachtet - und so ist sie zu lesen

Zum Hintergrund: Die Zinsstrukturkurve zeigt an, welches Niveau die Zinsen von Anlagen wie beispielsweise Staatsanleihen mit zunehmenden Laufzeiten haben. Der Chart steigt normalerweise von links nach rechts an, weil die Zinsen für Anlagen mit kurzer Laufzeit in der Regel niedriger sind als jene mit langer Laufzeit, allein schon aufgrund des bereits erwähnten höheren Risikos für Geldgeber bei längerer Frist.

Als wichtiges Warnsignal gilt es, wenn die Zinsstrukturkurve flacher wird, wenn sich kurzfristige und langfristige Zinsen also zunehmend annähern, oder wenn die Kurve gar komplett kippt. Im letzteren Fall, wenn also die kurzfristigen Zinsen sogar höher sind als die langfristigen, spricht die Fachwelt von einer "inversen Zinsstrukturkurve".

Diese Entwicklung gilt vielen als Alarmzeichen für eine kommende Rezession, und tatsächlich zeigt die Erfahrung: In der Vergangenheit gingen zwar nicht allen, aber doch vielen wirtschaftlichen Abschwüngen Phasen mit inversen Zinsstrukturkurven voraus.

Warum ist das so? Dazu muss zunächst klargestellt werden, dass für das Zinsniveau, das der Zinskurve zugrunde liegt, ähnlich wie bei Aktienkursen an der Börse vor allem entscheidend ist, welche Erwartungen die Investoren an künftige Entwicklungen haben. Denn danach richten sie sich bei ihrer aktuellen Positionierung am Markt.

Wenn also Investoren mehrheitlich sinkende Zinsen erwarten, dann kaufen sie verstärkt langlaufende Anleihen mit vergleichsweise noch hoher Verzinsung, solange es diese noch gibt. Es steigt also die Nachfrage nach langlaufenden Anleihen und es sinkt im Umkehrschluss das Interesse an Kurzläufern. In der Folge steigen auch die Kurse der Anleihen mit langer Laufzeit - und deren Rendite sinkt. Ebenso dürften die Kurse der Papiere mit kürzerer Laufzeit sinken, woraufhin deren Rendite steigt. Wenn diese Entwicklung lange genug anhält, rutschen irgendwann die langfristigen Zinsen unter das Niveau der kurzfristigen und die Zinsstrukturkurve ist invers.

Und warum sollten Anleger plötzlich sinkende Zinsen erwarten? An der Stelle wird die Eignung der Zinsstrukturkurve als früher Rezessions-Indikator deutlich: Wenn die Akteure am Finanzmarkt davon ausgehen, dass es mit dem Zinsniveau künftig abwärts gehen wird, dann tun sie das meist, weil sie einen konjunkturellen Abschwung erwarten. Denn vor allem in solchen Fällen versuchen Zentralbanken die Wirtschaft mit niedrigen Zinsen und lockerer Geldpolitik in Gang zu halten.

Soweit die Theorie. Tatsächlich mutet es aktuell eher irritierend an, von der Erwartung an sinkende Zinsen zu sprechen. Schließlich befindet sich die US-Notenbank Fed eigentlich in einem Zyklus steigender Zinsen. In der Praxis kann es allerdings selbstverständlich vor allem kurzfristig auch andere Gründe als die genannten geben, die die Anleihekurse und -renditen bewegen.

Deshalb ist die Zinsstrukturkurve auch lediglich ein sehr guter Indikator für eine Rezession - aber selbstverständlich kein absolut sicherer.

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