Niedrige Anlagezinsen Verdoppeln Sie Ihr Geld in 5600 Jahren

Wie lange dauert es, bis sich ein Investment bei Banken oder Staaten verdoppelt? Mitunter ziemlich lange, wie diese Beispiele zeigen. Für einige Investments bräuchte man sogar eine Zeitmaschine.
"Zins-Star" Venezuela: Das Bild zeigt den aktuellen Präsidenten Nicolas Maduro (M.) vor einem Bild des verstorbenen Präsidenten Hugo Chavez

"Zins-Star" Venezuela: Das Bild zeigt den aktuellen Präsidenten Nicolas Maduro (M.) vor einem Bild des verstorbenen Präsidenten Hugo Chavez

Foto: JUAN BARRETO/ AFP

Hamburg - Um verschiedene Investments zu vergleichen, kann man schauen, in welchem Zeitraum sich der Einsatz mit ihnen verdoppeln lässt. Anlagen bei Banken und Staaten brauchen zurzeit ziemlich lange, wie die Beispiele unten zeigen. Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldschleusen diese Woche noch weiter öffnen, was viele erwarten, dürfte sich die Lage kaum bessern: Rendite ohne Risiko gibt es momentan praktisch nicht.

Erstes Beispiel: Venezuela zählt nicht gerade zu den Ländern mit der besten Bonität. Sprich: Das Ausfallrisiko ist vergleichsweise hoch. Daher muss das Land seinen Geldgebern einen hohen Anreiz bieten. Mitunter versieht Venezuela seine Staatsanleihen mit einem Zinssatz ("Kupon") von mehr als 13 Prozent. Das Geld verdoppelt sich in dem Fall innerhalb von nur 7,5 Jahren (diese und weitere Berechnungen berücksichtigen keine Steuereffekte sowie, falls nicht anders genannt, keinen Zinseszinseffekt).

Griechenland: 23 Jahre

Leuchtturm auf Kreta: Griechenland zahlt mehr als 4 Prozent Zinsen auf Staatsanleihen

Leuchtturm auf Kreta: Griechenland zahlt mehr als 4 Prozent Zinsen auf Staatsanleihen

Foto: DPA

In Europa ist Griechenland Zins-Spitzenreiter. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe betrug zuletzt 4,4 Prozent. Daraus folgt eine Frist bis zur Verdopplung von 23 Jahren.

Bayer: 33 Jahre

Chemieriese: Die Bayer-Anleihe mit einem Kupon von 3 Prozent läuft bis 2075

Chemieriese: Die Bayer-Anleihe mit einem Kupon von 3 Prozent läuft bis 2075

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Vielleicht etwas solider als Griechenland, dafür aber auch geringer verzinst: Eine Unternehmensanleihe des Dax-Konzerns Bayer  mit einem Kupon von 3 Prozent. Zeit bis zur Verdopplung: 33 Jahre.

Übrigens: Vor 26 Jahren startete die Deutsche Börse die Berechnung des deutschen Aktienindex Dax , und zwar beim Stand von 1163 Punkten. Bis zum heutigen Stand von etwa 9560 Punkten hat der Index damit eine jährliche Verzinsung von 8,4 Prozent gebracht - selbstverständlich im Durchschnitt.

Sparbriefe: 37 Jahre

Hamburger Sparkasse: Sparbriefe gibt es mit Zinseszinseffekt und ohne

Hamburger Sparkasse: Sparbriefe gibt es mit Zinseszinseffekt und ohne

Foto: Kay Nietfeld/ picture-alliance / dpa/dpaweb

Sparbriefe bei Banken und Sparkassen bieten laut Finanzinformationsplattform FMH derzeit eine Verzinsung von etwa 1,9 Prozent. Damit ließe sich der Einsatz also innerhalb von 37 Jahren verdoppeln (in diesem Fall, wie bei Sparbriefen möglich, inklusive Zinseszinseffekt).

Deutsche Staatsanleihen: 113 Jahre

Älteste Frau der Welt: Misao Okawa

Älteste Frau der Welt: Misao Okawa

Foto: Getty Images

Deutsche Staatsanleihen sind am Finanzmarkt weiterhin das Maß der Dinge. Die Rendite bei zehnjähriger Laufzeit sank zuletzt auf 0,88 Prozent, die Verdopplungszeit beträgt damit 113 Jahre. Sollte die Finanzagentur des Bundes demnächst neue Papiere mit einem Kupon von 1 Prozent emittieren, entspräche das immerhin noch einer Verdopplungszeit von 100 Jahren.

Nur mal so am Rande: Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in Deutschland liegt heute bei etwa 80 Jahren.

Tages- und Festgeld: 130 Jahre

Blick auf Frankfurt: Von Lockangeboten abgesehen bieten Banken und Sparkassen in der Regel nicht viel für Tages- und Festgeld

Blick auf Frankfurt: Von Lockangeboten abgesehen bieten Banken und Sparkassen in der Regel nicht viel für Tages- und Festgeld

Foto: DPA

Banken und Sparkassen sind offenbar noch etwas knauseriger als der Staat - oder sie halten ihr Vermögensmanagement für weniger risikant. Der Durchschnittszins auf Tages- sowie Festgeld liegt laut FMH inzwischen bei nur noch 0,55 Prozent. Damit dauert es 130 Jahre, bis sich der Einsatzverdoppelt hat (auch in diesem Fall inklusive Zinseszins).

Und übrigens: Der soweit bekannt älteste Mensch, der jemals gelebt hat, war die Französin Jeanne Calment. Sie starb 1997 im Alter von 122 Jahren. Gegenwärtig gilt die Japanerin Misao Okawa mit 116 Jahren als ältester Mensch der Welt.

Bundesanleihe: 1200 Jahre

Finanzminister Wolfgang Schäuble: Der CDU-Politiker kann sich freuen, er bekommt Kredite zurzeit zu sehr günstigen Konditionen

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Foto: AP/dpa

Die Bundesanleihe V. 08/19 wurde zuletzt zum Kurs von knapp 116 Prozent gehandelt. Die Rendite beträgt damit etwa 0,086 Prozent, womit sich der Einsatz nach ungefähr 1200 Jahren verdoppelt.

Bundesobligation: 5600 Jahre

Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland: zu welchem Kupon emittiert das Amt die nächste Staatsanleihe?

Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland: zu welchem Kupon emittiert das Amt die nächste Staatsanleihe?

Foto: DPA

Die Bundesobligation V. 13/18 S.165 notiert beim Kurs von 101,6 Prozent mit einer Rendite von 0,018 Prozent. Die Verdopplungszeit beträgt damit etwa 5600 Jahre.

Bei der Gelegenheit: Im 6. Jahrhundert . Chr., vor etwa 2600 Jahren also, ließ der lydische König Kroisos erstmals Goldmünzen von einheitlicher Größe und einheitlichem Wert in Kleinasien mit Prägestempeln versehen. Dies waren die ersten bekannten Goldmünzen, die auch als Zahlungsmittel genutzt wurden.

Girokonto: Warten auf Godot

Foto: DPA

Wer sein Geld auf dem Girokonto sammelt, ist selber Schuld. Viele Banken zahlen dort inzwischen überhaupt keine Zinsen mehr. Die Verdopplung erfolgt also am Sankt Nimmerleinstag. Einige Banken wie die Deutsche Skatbank haben bereits angekündigt, bei hohen Einlagen auf Girokonten oder Sparbüchern Strafzinsen zu erheben und damit dem Beispiel der EZB zu folgen - damit bräuchten Anleger, die auf Sparbuch oder Tagesgeld setzen, eine Zeitmaschine für die Reise in die Vergangenheit ...

EZB: Eine Zeitmaschine, bitte

Will das Geld der Banken nicht: EZB-Präsident Mario Draghi

Will das Geld der Banken nicht: EZB-Präsident Mario Draghi

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Banken, die Geld bei der Europäischen Zentralbank hinterlegen, zahlen dafür seit einigen Monaten einen Negativzins von -0,1 Prozent. Um ihren Einsatz zu verdoppeln, benötigen sie daher, wie kürzlich auch die "Businessweek" vorrechnete, eine Zeitmaschine: Sie müssen etwa 680 Jahre in der Zeit zurückreisen.

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