Yuan erzielt Minusrekord Setzt Peking Chinas Währung als Waffe gegen Trump ein?

Yuan vs. Dollar: Die chinesische Währung verlor zuletzt massiv an Wert - steckt Peking dahinter?

Yuan vs. Dollar: Die chinesische Währung verlor zuletzt massiv an Wert - steckt Peking dahinter?

Foto: ? Nicky Loh / Reuters/ REUTERS

Lässt Peking im Handelskonflikt mit den USA jetzt auch am Devisenmarkt die Muskeln spielen? Es sieht ganz so aus: Seit Ende 2016 hatte sich die chinesische Währung, der Yuan, eigentlich ziemlich stabil gehalten. Seit die Spannungen zwischen Washington und der Volksrepublik rund um das Thema Außenhandel jedoch zugenommen haben, befindet sich auch der Yuan auf Talfahrt.

Der Juni, so viel steht inzwischen fest, war rückblickend der schwächste Monat, den die chinesische Währung gegenüber dem US-Dollar überhaupt bislang erlebt hat. 3,3 Prozent verlor der Yuan binnen des einen Monats gegenüber der US-Währung an Wert - am Devisenmarkt sind das Welten. Seit einem Zwischentief Anfang Februar dieses Jahres beträgt der Wertverlust inzwischen sogar etwa 6 Prozent.

Die Frage ist nun: Geht die Yuan-Talfahrt auf gewöhnliche Marktkräfte zurück? Oder steckt womöglich der gezielte Wille Pekings dahinter, das auf diese Weise eine Botschaft an US-Präsident Donald Trump senden könnte? Trump hatte im Juni Strafzölle auf chinesische Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar verkündet. Zusätzliche Abgaben auf chinesische Produkte im Wert von 200 Milliarden Dollar hat er bereits angekündigt.

China reagierte auf Trumps Maßnahmen zwar seinerseits mit Extrazöllen auf US-Produkte. Auf dem Devisenmarkt könnten die Chinesen allerdings eine weitere Flanke im Handelskonflikt eröffnen. Den US-Präsidenten würden sie dabei an einem besonders wunden Punkt treffen - schon in seinem Wahlkampf wetterte Trump gerne gegen die Volksrepublik, die ihre Währung angeblich künstlich abwerte, um die eigene Wirtschaft zu bevorteilen.

Währungs-Bewegung als Rorschach-Test

Fotostrecke

Deutsche-Bank-Großaktionär HNA: Das obskure Finanzgeflecht von Chinas Ferieninsel

Foto: World Travel & Tourism Council

Das Kalkül ergäbe im Handelskonflikt mit den USA durchaus Sinn: Wenn die USA einige Produkte aus China bei der Einfuhr in die Vereinigten Staaten durch Zusatzzölle verteuern - warum dann nicht mit Hilfe einer Abwertung des Yuan eine entgegengesetzte Wirkung erzielen. Eine solche Abwertung wirkt sich zwar auf den gesamten grenzüberschreitenden Handel aus, nicht nur auf jene von den USA anvisierten chinesischen Produkte. Dafür ist der Effekt allerdings auch geringer: Strafzöllen von 25 Prozent steht eine Yuan-Abwertung von bislang 6 Prozent seit Februar gegenüber. Von Jahresanfang gerechnet beträgt die Yuan-Abwertung bislang sogar lediglich gut 2 Prozent.

Ist dies also tatsächlich Pekings Strategie? Beobachter sind noch unentschieden. Die Abwertung der chinesischen Währung gegenüber dem Dollar könne man wie einen Rorschach-Test sehen, sagt etwa Eswar Prasad, Wirtschaftsprofessor an der Cornell Universität und früherer Leiter der China-Abteilung beim Internationalen Währungsfonds (IWF), laut "Financial Times ". "Man kann darin einen eher Markt-getriebenen Wechselkurs sehen oder einen Versuch Pekings, eine Botschaft nach Washington zu senden."

Ein Argument, das für eine ohnehin erforderliche Yuan-Abwertung spricht, scheint die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in beiden Währungsräumen zu sein. In den USA brummt die Konjunktur, weshalb die Notenbank Fed bereits seit geraumer Zeit die Zinsen nach oben schraubt. Der Dollar befindet sich vor dem Hintergrund gegenwärtig gegenüber verschiedenen Währungen im Aufschwung.

China beendete zwar vor drei Jahren die Bindung des Yuan an den Dollar und legt als Orientierungsmarke stattdessen nun einen Korb internationaler Währungen zugrunde. Der allgemeine Dollar-Höhenflug führt jedoch dennoch dazu, dass auch der Yuan gegenüber der US-Währung unter Druck gerät, zumal die Anzeichen zunehmen, dass sich das Wachstum in China abschwächt. Die dortige Notenbank hat die Zügel der Geldpolitik daher momentan eher locker in der Hand.

"Momentan kann man die Bewegung des Renminbi noch gut im Kontext der chinesischen Bemühungen sehen, die Währung gegenüber einem Währungskorb zu managen", sagt Brad Setser, früherer leitender Mitarbeiter des US-Finanzministeriums, laut "FT". "Sollte die Abwertung allerdings deutlicher als Reaktion auf Strafzölle erscheinen, so wird das zunehmend Aufmerksamkeit auf sich ziehen."

Einerseits. Andererseits ist klar, dass Peking die Entwicklung des Yuan stets genau im Blick hat - auch die jüngste Abwertung fände kaum statt, wenn die verantwortlichen Stellen in Politik und Notenbank dies nicht gutheißen würden. Schließlich darf die Währung aus chinesischer Sicht auch nicht zu schnell an Wert verlieren, denn das könnte, wie zuletzt 2015 geschehen, eine Kapitalflucht auslösen und das gesamte chinesische Finanz- und Wirtschaftssystem destabilisieren.

Chinas Börsen auf Talfahrt

Das "Wall Street Journal " berichtet vor dem Hintergrund von einem besonders starken Yuan-Rutsch am Mittwoch der vergangenen Woche. Mindestens eine staatliche Bank, die traditionell eng mit der chinesischen Zentralbank zusammenarbeite, habe ab einem bestimmten Punkt große Mengen an US-Dollar auf den Markt geworfen, zitiert das "WSJ" Devisenhändler. So sollte offenbar ein allzu rascher weiterer Yuan-Kursrutsch gebremst werden.

"Diese Dollar-Verkäufe von jener Bank waren so aggressiv, dass wir sofort wussten, sie kommen von der 'Big Mama'", sagte ein Devisenhändler der Zeitung zufolge. Die People's Bank of China habe dazu keinen Kommentar abgeben wollen, so das "WSJ".

Fazit: Vermutlich wirken verschiedene Kräfte, die den chinesischen Yuan derzeit nach unten drücken - und Peking lässt die Märkte vor dem Hintergrund des Handelsstreits mit den USA, den ja einige längst für einen Handelskrieg halten, wohlwollend gewähren.

Die Aktienmärkte jedenfalls befinden sich angesichts der zunehmenden Konfrontation zwischen den USA und China bereits in Aufruhr - und in China steht die Börse angesichts dessen massiv unter Druck. Der Leitindex CSI 300 etwa mit den 300 wichtigsten Werten vom chinesischen Festland knickte am Montag um zuletzt mehr als 3 Prozent ein. Im Juni hatte der Index bereits um 7,7 Prozent nachgegeben, und im bisherigen Jahresverlauf steht ein Minus von mehr als 15 Prozent zu Buche.

Angesichts dessen erscheinen die Bewegungen am Devisenmarkt wiederum beinahe bescheiden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.