Freitag, 13. Dezember 2019

Yuan erzielt Minusrekord Setzt Peking Chinas Währung als Waffe gegen Trump ein?

Yuan vs. Dollar: Die chinesische Währung verlor zuletzt massiv an Wert - steckt Peking dahinter?

2. Teil: Währungs-Bewegung als Rorschach-Test

Das Kalkül ergäbe im Handelskonflikt mit den USA durchaus Sinn: Wenn die USA einige Produkte aus China bei der Einfuhr in die Vereinigten Staaten durch Zusatzzölle verteuern - warum dann nicht mit Hilfe einer Abwertung des Yuan eine entgegengesetzte Wirkung erzielen. Eine solche Abwertung wirkt sich zwar auf den gesamten grenzüberschreitenden Handel aus, nicht nur auf jene von den USA anvisierten chinesischen Produkte. Dafür ist der Effekt allerdings auch geringer: Strafzöllen von 25 Prozent steht eine Yuan-Abwertung von bislang 6 Prozent seit Februar gegenüber. Von Jahresanfang gerechnet beträgt die Yuan-Abwertung bislang sogar lediglich gut 2 Prozent.

Ist dies also tatsächlich Pekings Strategie? Beobachter sind noch unentschieden. Die Abwertung der chinesischen Währung gegenüber dem Dollar könne man wie einen Rorschach-Test sehen, sagt etwa Eswar Prasad, Wirtschaftsprofessor an der Cornell Universität und früherer Leiter der China-Abteilung beim Internationalen Währungsfonds (IWF), laut "Financial Times". "Man kann darin einen eher Markt-getriebenen Wechselkurs sehen oder einen Versuch Pekings, eine Botschaft nach Washington zu senden."

Ein Argument, das für eine ohnehin erforderliche Yuan-Abwertung spricht, scheint die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in beiden Währungsräumen zu sein. In den USA brummt die Konjunktur, weshalb die Notenbank Fed bereits seit geraumer Zeit die Zinsen nach oben schraubt. Der Dollar befindet sich vor dem Hintergrund gegenwärtig gegenüber verschiedenen Währungen im Aufschwung.

China beendete zwar vor drei Jahren die Bindung des Yuan an den Dollar und legt als Orientierungsmarke stattdessen nun einen Korb internationaler Währungen zugrunde. Der allgemeine Dollar-Höhenflug führt jedoch dennoch dazu, dass auch der Yuan gegenüber der US-Währung unter Druck gerät, zumal die Anzeichen zunehmen, dass sich das Wachstum in China abschwächt. Die dortige Notenbank hat die Zügel der Geldpolitik daher momentan eher locker in der Hand.

"Momentan kann man die Bewegung des Renminbi noch gut im Kontext der chinesischen Bemühungen sehen, die Währung gegenüber einem Währungskorb zu managen", sagt Brad Setser, früherer leitender Mitarbeiter des US-Finanzministeriums, laut "FT". "Sollte die Abwertung allerdings deutlicher als Reaktion auf Strafzölle erscheinen, so wird das zunehmend Aufmerksamkeit auf sich ziehen."

Einerseits. Andererseits ist klar, dass Peking die Entwicklung des Yuan stets genau im Blick hat - auch die jüngste Abwertung fände kaum statt, wenn die verantwortlichen Stellen in Politik und Notenbank dies nicht gutheißen würden. Schließlich darf die Währung aus chinesischer Sicht auch nicht zu schnell an Wert verlieren, denn das könnte, wie zuletzt 2015 geschehen, eine Kapitalflucht auslösen und das gesamte chinesische Finanz- und Wirtschaftssystem destabilisieren.

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